Scharia in Zivilrechtsfall angewendet: Griechenland verurteilt


Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg – REUTERS
In einem Teil Griechenlands ist als einzigem Land Europas unter engen Voraussetzungen die Anwendung des islamischen Zivilrechts möglich. In einem solchen Fall sah der Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg nun eine Diskriminierung.

Die Presse.com

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat in einem hochbrisanten Fall ein Urteil gegen Griechenland gefällt: Das Land wurde verurteilt, weil die Justiz in einer inländischen Erbstreitigkeit die Scharia, das islamische Recht, statt des üblichen griechischen Zivilrechts angewandt hatte. Damit sei das Diskriminierungsverbot verletzt worden, urteilten die Straßburger Richter am Mittwoch.

Beschwert hatte sich eine griechische Witwe, die von ihrem Mann per Testament dessen gesamten Besitz vererbt bekommen, aber dann einen großen Teil eingebüßt hatte: Die Schwestern des Toten fochten das Testament an, weil der Mann einer muslimischen Minderheit angehört hatte – daher müsse auch die Scharia gelten. Griechische Gerichte gaben den Klägerinnen tatsächlich Recht, letztlich bekam die Witwe nur ein Viertel der Hinterlassenschaft.

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