Wenn der Ablauf des Urheberrechtsschutzes ausgehebelt wird


Kurt Schwitters, Egon Erwin Kisch und das Cover von The Crysanthemum and the Sword
Eigentlich sieht das Urheberrecht vor, dass sein Schutz 70 Jahre nach dem Tod des Herstellers eines Werkes mit Schöpfungshöhe erlischt. Am 20. Dezember 2018 schuf der Bundesgerichtshof für bildende Kunstwerke allerdings eine Verlängerungsmöglichkeit bis zum Sankt-Nimmerleinstag, nach der sich viele Bürger fragen, warum sie Museen eigentlich mit ihren Steuergeld finanzieren sollen, wenn diese den Umgang mit Werken ähnlich umfassend einschränken können wie ein privater Sammler (vgl. Hausrecht verlängert Urheberrecht).

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Für Wort- und Ton-, aber auch für andere Bildwerke gab es bereits vor der Unendlichkeitsverlängerung des BGH Möglichkeiten, auch nach dem Ablauf einer Schutzfrist mit Abmahnungen Geld zu verdienen. Hierfür bekannt ist ein Anwalt der Erben eines Mannes, der am 9. Februar 1948 starb: Karl Valentin. Er erregte im letzten Jahrzehnt unter anderem damit Aufmerksamkeit, dass er wegen eines 277-seitigen Stochastik-Script abmahnte und klagte, in dem ein Münchner Mathematikprofessor zwei kurze Valentin-Sketche, untergebracht hatte. Die fanden sich darin nicht etwa zur Unterhaltung seiner Studenten, sondern zur Veranschaulichung des Begriffs „Zufall“ in der Mathematik (vgl. Über Karl Valentin und Stochastik).

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