Der Duft einer Krankheit


Ob raffiniert oder perfid, ist eine Frage der Perspektive: Die Anopheles-Mücke überträgt nicht nur den Malariaerreger, sie manipuliert auch den Körpergeruch ihres Opfers, so dass es noch attraktiver wird für andere Anopheles-Mücken.
Spürhunde können auf den charakteristischen Duft, den Malariapatienten verströmen, trainiert werden. Das eröffnet neue diagnostische Möglichkeiten.

Hermann Feldmeier | Neue Zürcher Zeitung

Über das Phänomen wird in jedem heissen Sommer diskutiert: Während eine Person Tag für Tag von blutsaugenden Quälgeistern gestochen wird, hat eine andere den Eindruck, dass die Stechmücken um sie einen Bogen machen. Beide Beobachtungen sind richtig. Insektenforscher wissen seit langem, dass die Körperdüfte einiger Menschen für Stechmücken attraktiv sind. Andere Duftnoten dagegen veranlassen die Moskitos, eine Person zu ignorieren. Handelt es sich bei den Stechmücken um Species, die den Malariaerreger übertragen, wird das duftgesteuerte Anflugverhalten leicht zu einer Frage von Leben und Tod.

Für zahlreiche Krankheitserreger – egal, ob Viren, Bakterien oder Parasiten –, die im Blut eines Menschen zirkulieren, ist die Übertragung durch ein Insekt ein existenzielles Nadelöhr. Die Mikroorganismen sind in der Regel nur vorübergehend im Blut, und ihre Zahl ist meist gering.

weiterlesen