Die Moscheesteuer ist keine gute Idee

Moschee in München (Foto: Stefanie Preuin)
Die Kirchensteuer ist umstritten. Soll das Modell nun auf Muslime ausgedehnt werden, um den Islam zu modernisieren?

Von Heribert Prantl | Süddeutsche Zeitung

Die Einziehung der Kirchensteuer durch den Staat ist ein Anachronismus. So hat es der katholische Sozialethiker Nell-Breuning schon vor fünfzig Jahren festgestellt. Es wäre eigenartig, dieses umstrittene Modell, bei dem der Staat als bezahlter Dienstleister für die Einziehung der Mitgliedsbeiträge der Kirche auftritt, auch noch in Form einer Moschee-steuer auf die Muslime auszudehnen. Die Kirchensteuer verlangt von jedem steuerpflichtigen Kirchenmitglied acht bis neun Prozent seiner Einkommensteuer. Grund für die Forderung nach der Moscheesteuer ist nicht die Gleichbehandlung mit christlichen Kirchen. Man will auf diese Weise dem Fundamentalismus in Riad und Ankara entgegentreten, der derzeit viele deutsche Moscheegemeinden finanziert. Das Ziel ist zwar gut, das Mittel aber nicht. Die Moscheesteuer ist kein politisches Steuerungsinstrument, um Reformation zu erzwingen. Wenn überhaupt, dann müsste die Forderung von den Muslimgemeinden kommen.

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Wann fühlen wir uns einsam?

Einsamkeit ist mehr als nur eine Folge sozialer Isolation. © Maryna Patzen
Verborgenes Leiden: Unter Einsamkeit leiden mehr Menschen als bisher gedacht – und ihre Zahl nimmt zu. Einer US-Studie zufolge hat sich der Anteil der einsamen Menschen in den letzten 50 Jahren verdoppelt. Besonders betroffen sind davon nicht nur alte oder kranke Menschen. Auch im Alter von Ende 20 und Mitte 50 gibt es eine Hochphase der Einsamkeit, wie die Forscher feststellten. Interessant auch: Soziale Isolation ist längst nicht immer der Hauptauslöser.

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Wer sich einsam fühlt, der leidet nicht nur psychisch. Denn das Gefühl der sozialen Isolation hat auch konkrete körperliche Auswirkungen und kann sogar krank machen. Studien belegen, dass einsame Menschen schlechter schlafen, mehr Stress spüren und Schmerzen und Krankheitssymptome als schlimmer empfinden. Zudem hemmt die Einsamkeit das Immunsystem, so dass Betroffene leichter krank werden und möglicherweise sogar schneller altern.

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Nur wenige Deutsche erwarten „bessere Zeiten“

©dpa, FR Zukunftsforscher Horst Opaschowski sieht die Deutschen in einem Stimmungstief.
Laut einer Umfrage ist die Stimmung der Deutschen schlecht wie lange nicht mehr. Vor allem die Sorge vor Fremdenfeindlichkeit steigt an.

Frankfurter Rundschau

Die Stimmungslage in Deutschland ist nach Angaben des Hamburger Zukunftsforschers Horst Opaschowski so schlecht wie seit fünf Jahren nicht mehr.
Laut einer repräsentativen Umfrage von Opaschowski und dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos sagten nur 17 Prozent der Befragten, sie sähen dem kommenden Jahr „mit großer Zuversicht und Optimismus entgegen“ und erwarteten „bessere Zeiten“. Im Jahr 2014 hatte der Anteil der Optimisten noch bei 45 Prozent gelegen.

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Imam Mohamed Taha Sabri im Interview: „Die Gesellschaft ist bunt & vielfältig“

Mohamed Taha Sabri, der Imam der Dar-as-Salam-Moschee des Vereins Neuköllner Begegnungsstätte Foto: Foto: Christoph Soeder/dpa
Der Imam der Dar-as-Salam-Moschee des Vereins Neuköllner Begegnungsstätte über den interreligiösen Dialog und den Verfassungsschutz.

Interview Alke Wierth | taz.de

taz: Herr Sabri, Sie sind ein ziemlich bekannter, weil aktiver Imam in Berlin: In Ihrer Gemeinde finden viele Veranstaltungen statt, Diskussionen über den Islam ebenso wie politische Debatten. Warum?

Mohamed Taha Sabri: Der Mensch ist ein politisches Wesen. Aber meine Aktivitäten sind gesellschaftspolitisch, nicht machtpolitisch. Ich bin nicht Mitglied einer Partei und will das auch nicht sein. Ich bin politisch in dem Sinne, dass ich gesellschaftlich aktiv bin.

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Wie soll die Linke mit der Rechten umgehen?

Bild: Pixabay/CC0
Obwohl viele persönlich Haltung zeigen, gibt es keine klare Strategie

Peter Nowak | TELEPOLIS

Der in der Kunsttradition von Neo Rauch stehende Maler Alex Krause versteht sich nicht als politischer Künstler. Trotzdem trennte sich die Galerie Kleindienst von ihm aus politischen Gründen. Krause hatte in Stellungnahmen auf Facebook Sympathie für die AfD erkennen lassen. Der Künstler fühlte sich dann an die DDR erinnert.

„Die Einträge auf der privaten Facebook-Seite des Künstlers wurden während der vergangenen zwei Jahre inhaltlich zunehmend einseitig. Er referierte und verlinkte eindeutig rechtsextreme Seiten“, verteidigte Galerist Christian Seyde in der Wochenzeitung Freitag die Trennung. Zu den Kritikern der Entscheidung gehört der in der 1990er Jahren in Ostdeutschland beliebte Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz, dem auch rechte Sympathien nachgesagt wurde. Die Radiomoderatorin Kathrin Huß soll ihre Stelle gekündigt haben, weil sie nicht kritisch intervenieren wollte, als Maaz sich in ihrer Sendung migrationskritisch äußerte.

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Erderwärmung: Unverzeihliche Lücke

©dpa, FR Mit dem Erhalt und dem Wiederaufforsten von Wäldern könnte man viel erreichen.
Die Erderwärmung muss auf 1,5 Grad begrenzt werden. Doch die schnellste und preiswerteste Methode – die Wiederherstellung der Wälder in den gemäßigten und nördlichen Breiten – geht in der Euphorie über neue Techniken fast unter.

Von Jörg Staude | Frankfurter Rundschau

Vermeiden, vermeiden, vermeiden – das stehe ganz vorn an. Christoph Beuttler von der Schweizer Firma Climeworks, die in Island das erste große „Direct Air Capture“-Projekt zum Laufen gebracht hat, suchte nach Kräften die Zweifel zu zerstreuen, er habe gar kein großes Interesse an einer radikalen CO2-Einsparung.

„Direct Air Capture“ ist eine Technologie, bei der das CO2 direkt aus der Luft herausgefiltert und dann unter der Erde gespeichert wird. Dabei entstehen „negative Emissionen“. Solche Technologien haben zurzeit Auftrieb, weil das Einsparen von Treibhausgasen weltweit nicht vorankommt. Dabei darf der CO2-Gehalt der Atmosphäre nur noch wenig steigen, das hat kürzlich der Sonderbericht des Weltklimarates zum 1,5-Grad-Ziel in bisher ungekannter Dramatik klargemacht.

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Anselm Grün kritisiert die heutige Wirtschaft als angstgetrieben

Anselm Grün © KNA (KNA)
Der Bestsellerautor und Benediktinermönch Anselm Grün appelliert an Führungskräfte in Wirtschaft und Politik, Vertrauen in ihre Mitarbeiter zu haben.

DOMRADIO.DE

„Ein Chef soll nicht von oben Dinge vorgeben, sondern Kreativität und Hoffnung wecken“, sagte der 73-Jährige der „Zeit“ laut Vorabmeldung vom Mittwoch. Zum guten Führen gehöre, anderen Freiheit zu lassen und selber den Kopf hinzuhalten und zu kämpfen, fügte der Geistliche hinzu, der als gefragter Führungskräfte-Trainer gilt.

Der Mönch kritisiert die heutige Wirtschaft als angstgetrieben. Es gebe immer mehr Vorschriften und immer weniger Vertrauen. „Nichts soll schiefgehen.“ Insbesondere die junge Generation habe Angst vor Niederlagen. „Aber wer nicht verlieren kann, der kann auch nicht gewinnen.“

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Jemen: Der erste Schritt zum Anfang vom Ende

Bab al-Mandab. Aufnahme: Nasa / World Wind; gemeinfrei
Im Jemen-Krieg haben die Vereinten Nationen mit einem brüchigen Waffenstillstand in der Hafenstadt Hodeidah einen ersten kleinen Erfolg erzielt.

Oliver Eberhardt | TELEPOLIS

Am Ende ging alles ungewöhnlich schnell: Mehr als drei Jahre, nachdem im Jemen der Bürgerkrieg ausgebrochen war, und sechs Monate, nachdem Truppen der Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur al-Hadi mit einer „Goldener Sieg“ genannten Offensive auf die Hafenstadt Hodeidah begonnen hatten, haben sich die Konfliktparteien Anfang Dezember in Stockholm auf einen Waffenstillstand in der Hafenstadt geeinigt.

Und tatsächlich ist in der Stadt, über die ein Großteil der Hilfslieferungen und Importe abgewickelt wird, nun eine brüchige Ruhe eingekehrt: Es komme immer wieder mal zu Schießereien und zu Auseinandersetzungen, berichtet die Pressestelle der Vereinten Nationen. Doch niemand habe damit gerechnet, dass von jetzt auf gleich alles gut werde; die Waffenruhe sei ein erster Schritt auf einem langen, komplizierten Weg.

Allein schon die To-Do-Liste für den Waffenstillstand in Hodeidah ist umfangreich: Regierungstruppen und die Houthi-Milizen, die die Stadt und die umliegende Provinz bislang kontrollierten, sollen abziehen; überwachen soll das ein Team um den ehemaligen niederländischen Generalmajor Patrick Cammaert, der am vergangenen Sonntagabend in der Hafenstadt eingetroffen ist.

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Brinkhaus: Religionsfreiheit stärker verteidigen

Bild: © picture alliance/dpa/Kay Nietfeld
Am Stephanustag gedenken Christen ihrer verfolgten Glaubensschwestern und -brüder. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus mahnt generell Glaubensfreiheit an – und geißelt den Nationalismus.

katholisch.de

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus sieht im weltweit zunehmenden Nationalismus eine Ursache für die wachsende Verfolgung religiöser Minderheiten. „Nationalisten betrachten sich immer stärker als Verfechter der Durchsetzung der Mehrheitsreligion und gehen gegen Minderheiten vor“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur zum Stephanustag. „Gegen diese Tendenz hilft nur eine verstärkte internationale Zusammenarbeit, die das Ziel hat, weltweit die Menschenrechte durchzusetzen“. Der 26. Dezember ist Gedenktag des heiligen Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer gilt.

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SWC: Liste mit Antisemiten veröffentlicht

In Kampfmontur: der Musiker und BDS-Anhänger Roger Waters Foto: privat
Der Attentäter von Pittsburgh und der Chef der »Nation of Islam« führen Auflistung an. Roger Waters belegt 10. Platz

Von Philipp Peyman Engel | Jüdische Allgemeine

Das Simon Wiesenthal Center (SWC) hat unter dem Titel »2018 Top Ten Worst Global Anti‐Semitic/Anti‐Israel Incidents« eine Auflistung der schlimmsten antisemitischen und antiisraelischen Vorfälle des Jahres weltweit veröffentlicht.

An erster Stelle wird der antisemitische Attentäter von Pittsburgh genannt, Robert Bowers. Der 46‐jährige US‐Amerikaner hatte im Oktober dieses Jahres die Synagoge »Tree of Life« während des Schabbat‐Gottesdienstes gestürmt, elf Menschen ermordet und sechs Personen verletzt. »Alle Juden müssen sterben«, hatte er während des Attentats gebrüllt.

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Religionen machen die Menschen nicht besser

© dpa, FR Göttin mit ungewöhnlicher Biografie: Guanyin aka Bodhisattva Avalokiteshvara.
Worüber sprechen wir, wenn wir über Religion sprechen? Jedenfalls ist es nicht unbedingt das, was uns viele Fromme glauben machen wollen.

Von Arno Widmann |Frankfurter Rundschau

Es ist Weihnachten. Reden wir also von der Religion. Was ist Religion? Ist sie die Gewissheit, „dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre“? Oder ist Religion das Gefühl, eingebettet zu sein in ein Ganzes, das mich, Kosmos und All umfasst? Also nicht notwendig ein Gegensatz?

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Rojava – Auf der Suche nach Erdogans Terroristen

Ankunft in Semalka/Nordsyrien Foto: Elke Dangeleit
Warum ist Europa nicht daran interessiert, dass das größte Volk der Welt ohne Staat Frieden findet?

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Alles deutet mittlerweile auf einen unmittelbar bevorstehenden Einmarsch der Türkei hin. Nach Einschätzungen von lokalen Beobachtern besteht Erdogans Plan darin, im Gebiet der Grenzstadt Tall Abyad, (kurdisch: Gire Spi) bis Raʾs al-ʿAin (kurdisch: Serekaniye) einen Keil zu treiben, damit Kobane vom Kanton Cizire (häufig auch: Dschasira oder Jazira) abgetrennt wird. Dort soll dann an Stelle eines „arabischen Gürtels“ ein „türkischer Gürtel“ geschaffen werden.

Wie beim Einmarsch in Afrin Anfang dieses Jahres ist es auffällig still in Europas Politzentralen. Lediglich die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini äußerte Besorgnis über die türkischen Angriffspläne auf Nordsyrien. Unsere Autorin machte sich im Oktober auf den Weg nach Nordsyrien, um Erdogans „Terroristen“ zu suchen.

Ankunft

Im Büro der Grenzstation auf irakischer Seite sind die Grenzformalitäten schnell erledigt. Mit mir wollen noch weitere Europäer, Holländer, Franzosen, Amerikanern u.a. nach Semalka, wie die Grenzstation auf syrischer Seite heißt. Sie kommen in Gruppen und scheinen von Hilfsorganisationen zu sein. Es gibt also doch internationale Hilfe in Nordsyrien.

Ich frage mich, warum sich Deutschland so schwer damit tut. Auf einer Sicherheitskonferenz in Bahrain erklärte Verteidigungsministerin Ursula van der Leyen, eine Wiederaufbauhilfe, von der Assad profitieren würde, sei nicht vorstellbar. Dabei wäre doch eine lokale Wiederaufbauhilfe im auch schon seit Assads Zeiten benachteiligten Norden des Landes eine Unterstützung, von der nicht das Assad-Regime, sondern die Menschen der selbstverwalteten Region profitieren würden.

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Sir Martin Rees — On the Future: Prospects for Humanity

SCIENCE SALON # 48 | Skeptic.com

In this wide-ranging dialogue Michael Shermer talks to Martin Rees about: his early education and how he got interested in astronomy and cosmology • how the Big Bang theory won out over the Steady State theory • origin of life, SETI, and the search for a second genesis • Fermi Paradox (if life is abundant in the universe…where is everyone?) • space exploration (human or robotic or both?) • future of humanity as sentient A.I. (to the stars…inside computers!) • limits of scientific knowledge (are we nearing the “end of science”? No says Dr. Rees!) • threats and challenges facing humanity (nuclear weapons, climate change, overpopulation, sustainable energy sources, artificial intelligence, income inequality, political instability, and others) • role of religion in modern society (why Dr. Rees is an atheist but not a “new atheist”) • do we need to replace religion with a secular equivalent?

Sir Martin Rees is a leading astrophysicist as well as a senior figure in UK science and a public intellectual in England and America. He has conducted influential theoretical work on subjects as diverse as black hole formation and extragalactic radio sources, and in the 1960s his research provided key evidence to contradict the Steady State theory of the evolution of the Universe. Dr. Rees was also one of the first to predict the uneven distribution of matter in the Universe, and proposed observational tests to determine the clustering of stars and galaxies. Much of his most valuable research has focused on the end of the so-called cosmic dark ages —a period shortly after the Big Bang when the Universe was as yet without light sources.

As Astronomer Royal and a Past President of the Royal Society, Martin is a prominent scientific spokesperson and the author of seven books of popular science. After receiving a knighthood in 1992 for his services to science, he was elevated to the title of Baron Rees of Ludlow in 2005. His latest book is On the Future: Prospects for Humanity.

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