Geburtstag eines Nazi-Kollaborateurs wird nationaler Feiertag

Briefmarke der Ukraine zum 100. Geburtstag von Bandera. Bild: wikipedia.org/PD
Gedenktag für den Nationalisten Stepan Bandera.

tachles

Das Parlament der Ukraine bestimmte letzte Woche, dass der 1. Januar zum nationalen Gedenktag für Stepan Bandera deklariert wird. Für eine kurze Weile hatte Bandera sich mit der Nazi-Besetzung der Ukraine zusammengetan. Als Nationalist hatte Bandera gehofft, die Deutschen würden seinem Land die Souveränität von der Sowjetunion gewähren. Allerdings hatten die Nazis ihn später verhaftet. Einige seiner Freunde bei der Organisation der Ukrainischen Nationalisten, der er vorstand, begingen zahllose Kriegsverbrechen gegen Juden. Die Region von Banderas Geburtsstadt Lviv deklarierte diesen Monat das Jahr 2019 zum «Jahr des Stepan Bandera», was Proteste in Israel auslöste. Tarik Youssef Cyril Amar, der ehemalige akademische Direktor des Zentrums für urbane Geschichte von Ost-Zentraleuropa in Lviv hat diese Woche eine ihm von der Stadt erteilte Auszeichnung retourniert.

Großbritannien: Wie weit dürfen Informanten gehen?

No Stone Unturned. Bild: Fine Point Films
Britische Polizei geht gegen Journalisten vor, die an einer Doku über ein Massaker in Nordirland mitgewirkt haben, das von britischen Polizisten und Soldaten in der „Ulster Volunteer Force“ begangen wurde, eine Aufklärung wurde bislang verhindert

Christian Bunke | TELEPOLIS

Es wirkte wie ein groß angelegter Antiterroreinsatz, und diese Wirkung war wohl auch beabsichtigt. Am 31. August 2018 waren rund 100 schwer bewaffnete Polizisten an Hausdurchsuchungen und Verhaftungen in Belfast und anderen Orten Nordirlands beteiligt. Doch die Ziele der Razzien waren keine im Nordirlandkonflikt aktiven Paramilitärs oder sonstige bewaffnete Gruppen. Verhaftet wurden zwei Journalisten, durchsucht wurden die Räumlichkeiten von Medienorganisationen.

Getroffen hat es die Journalisten Barry McCaffrey und Trevor Birney. Beide haben wesentlich an dem im Jahr 2017 erschienenen Dokumentarfilm „No Stone Unturned“ mitgewirkt. Die nordirische Polizei wirft ihnen vor, im Film verwendete Dokumente aus dem Büro des für die Untersuchung polizeilichen Fehlverhaltens zuständigen Ombudsmannes gestohlen zu habe. Der Ombudsmann selbst bestreitet, dass irgendetwas aus seinem Büro gestohlen wurde. Die Polizei scheint das nicht zu stören. Am 30. November erging ein Gerichtsbeschluss wonach McCaffrey und Birney auch weiterhin nur unter Auflagen auf freien Fuß sind. Sie stehen unter polizeilicher Observation und müssen sich jede Woche auf einer Polizeiwache melden. Wollen sie verreisen, müssen sie dies vorher der Polizei kundtun.

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Koordinierter Tanz von Licht und Schall

Solche gläsernen Mikroresonatoren koppeln Licht mit hochfrequentem Schall. © Quantum Measurement Lab, Imperial College London
Flüstergalerie für Lichtwellen: Physikern ist es gelungen, hochfrequenten Schall und Lichtwellen auf stabile Weise zu koppeln. Bei diesem als Brillouin-Streuung bezeichneten Effekt sorgen Wechselwirkungen zwischen den mechanischen und optischen Wellen für eine Verstärkung des Lichts. Dank eines speziellen Aufbaus konnten die Forscher diese Verstärkung nun bei sehr viel höherfrequentem Schall als bisher erzielen.

scinexx

Bei optischen Verstärkern in Glasfaserkabeln wird diese Kopplung von Licht und Schall schon länger eingesetzt: Akustische Gitterschwingungen in bestimmten Kristallen treten dabei mit den Lichtwellen der Lasersignale in eine Wechselwirkung. Resonanzeffekte lösen dann eine Übertragung von Energie aus, die das Laserlicht in eine Richtung streut und dadurch verstärkt. Bisher allerdings funktionierte diese Brillouin-Streuung nur mit Schallwellen im Bereich von 20 bis 100 Megahertz.

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Harald Lesch sieht „allerletzte Chance“ zum Klimaschutz

Nach Ansicht des Astrophysikers Harald Lesch sollte Deutschland beim Klimaschutz vorangehen. „Wir brauchen eine politische Aktivitätsinitiative, und zwar parteiübergreifend“, sagte der Physiker der Ludwig-Maximilians-Universität in München dem Evangelischen Pressedienst (epd).

evangelisch.de

„Wir brauchen den sofortigen Kohleausstieg, und die erneuerbaren Energien müssen ausgebaut werden. Wir brauchen eine Mobilitätsoffensive in Richtung öffentlicher Nahverkehr.“ Auch eine Kohlendioxid-Steuer schloss der Wissenschaftler nicht aus. „Jedem Menschen sollte pro Jahr ein Kohlendioxid-Budget von rund zwei Tonnen zustehen. Heute aber verbraucht jeder zehn Tonnen pro Jahr.“

Der Klimawandel sei längst ausgeforscht, sagte Lesch, die Fakten hinlänglich bekannt: Die Erderwärmung schreite voran, Gletscher verschwänden, die Meeresspiegel stiegen an, und die Extremwetterereignisse verschärften sich.

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Wer den Islamismus kritisiert, lebt gefährlich: Der Journalist Julfikar Ali Manik über Recherchieren in Bangladesh

Er schreibt in Bangladesh über Kriegsverbrechen, politische Machenschaften und islamischem Extremismus. Damit hat sich der Journalist Julfikar Ali Manik viele Feinde gemacht. Doch von Drohungen lässt er sich nicht einschüchtern.

Patrick Zoll | Neue Zürcher Zeitung

Julfikar Ali Manik erinnert sich noch genau an die erste Drohung, die er wegen seiner Arbeit erhielt: «Wenn du am Leben bleiben willst, dann verlasse Dhaka», sagte eine Stimme am Telefon. Der heute 46-jährige Journalist aus Bangladesh erzählt die Episode mit einem breiten Lachen, als wäre gar nicht er selber betroffen gewesen. Es war Anfang der neunziger Jahre, die Militärdiktatur war eben erst zu Ende gegangen. Das Trauma der blutigen Trennung von Pakistan 1971 war immer noch frisch – verarbeitet ist es bis heute nicht. Manik, damals 22-jährig und ganz am Anfang seiner journalistischen Karriere, hatte sich entschieden, über Kriegsverbrechen zu recherchieren, die während des Unabhängigkeitskriegs begangen worden waren. Die Stimme am Telefon gehörte einem Politiker, den Manik als Kriegsverbrecher entlarvt hatte.

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Bundesverwaltungsgericht sieht Klärungsbedarf bei Islamverbänden

Erfüllen die Islamverbände in Deutschland die Voraussetzungen für eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft? Um diese Frage zu beantworten, bedarf es nach Auffassung des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts noch weiterer Klärung.

DOMRADIO.DE

Das geht aus einem jetzt veröffentlichten Beschluss hervor. Voraussetzung ist demnach, ob die Verbände über „Kompetenz und Autorität in Fragen der religiösen Lehre“ verfügen und ob sie die Verfassungsordnung des Grundgesetzes respektieren. Ein „verbindliches Lehramt“ dagegen sei nicht erforderlich.

Über 20 Jahre laufender Rechtsstreit

Hintergrund ist ein seit über 20 Jahren laufender Rechtsstreit zum islamischen Religionsunterricht an Schulen in Nordrhein-Westfalen. 1998 hatten der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland und der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) auf Einführung eines solchen Unterrichts geklagt. Dazu müssen sie vom Staat als Religionsgemeinschaft anerkannt sein.

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Erstmals vatikanisches Urteil wegen Geldwäsche bei der Vatikanbank

Bild: © picture alliance / abaca/Vandeville Eric
Lange galt die Vatikanbank als sichere Bank für Geldwäscher und Steuerbetrüger – Papst Franziskus hatte gleich nach seinem Amtsantritt angekündigt, aufzuräumen. Nun fiel das erste Urteil eines vatikanischen Gerichts nach dem neuen Strafrecht.

katholisch.de

Das Strafgericht des Vatikanstaates hat einen italienischen Staatsbürger zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Geldwäsche verurteilt. Wie der Vatikan am Donnerstag mitteilte, erging das Urteil am 17. Dezember. Der verurteilte Angelo P. war demnach Inhaber eines Kontos bei der Vatikanbank IOR. Zudem ordnete das Gericht die Einbehaltung von gut einer Million Euro an, die seit 2014 von den vatikanischen Behörden beschlagnahmt worden waren.

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Wir sind, was volkt!

Neofaschisten skandieren griffige Parolen und offenbaren darin ihr gestörtes Verhältnis nicht nur zur deutschen Sprache, sondern auch zu deren Bedeutungsinhalten. Aber nicht nur das!

Richard Winterstein | TELEPOLIS

„Wir sind das Volk!“

Der Klassiker! In der Vorwendezeit sollte diese Parole die herrschende Partei und die Staatsgewalt der DDR daran erinnern, dass es – „das Volk“ – etwas andere Vorstellungen über gutes Regiertwerden hatte, als die DDR-Oberen sich das ausgedacht hatten. Dass sich das DDR-„Volk“ in wesentlichen Teilen gegen seine eigene Herrschaft und auf die Seite des westdeutschen Klassenfeindes stellte, war für diese, die sich doch als genuine Vertreterin der DDR-Arbeiterklasse verstanden, der ideologische und politische Super-Gau schlechthin.

In der abgewandelten Form „Wir sind ein Volk“ bezogen die ostdeutschen Skandierenden die westdeutschen Brüder und Schwestern in ihren Wunsch nach „Wiedervereinigung“ mit ein! Die schon in den Jahrzehnten davor existierenden Ansprüche der westdeutschen Regierung auf die Oberaufsicht über das gesamte deutsche Volk hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Das DDR-„Volk“ konnte also getrost davon ausgehen, dass es mit seiner Bereitschaft, unter die westdeutschen Herrschaftsfittiche zu flüchten, im Westen bei allen maßgeblichen Politikern offene Türen einrennen würde.

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Beim Bund liegen 25 Milliarden Euro ungenutzt herum

Der Bedarf für Investitionen ist weiterhin hoch, doch die Baufirmen sind ausgelastet. Foto: dpa
Der Stau bei den Investitionsmitteln nimmt immer größere Ausmaße an. Allein beim Bund summieren sich die zur Verfügung gestellten, aber bisher nicht abgeflossenen Beträge auf eine Rekordsumme von rund 25 Milliarden Euro.

Kölner Stadt-Anzeiger

Das haben nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) Berechnungen der Unions-Bundestagsfraktion ergeben. „Geld wird zwar in umfangreichem Maße bereit gestellt, aber nicht wie zugesagt für die Bürger in konkreten Projekten sichtbar“, hieß es in der Fraktion.

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Die Kirche und der Alkohol – Ein Streifzug durch die Geschichte

Bild: © katholisch.de/Heinrichs
Erst der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, dann Sekt, Bier, Wein und Schnaps an den Feiertagen: Die Wochen am Jahresende sind nicht unbedingt für Abstinenzler gemacht. Doch wie steht eigentlich die Kirche zum Thema Alkohol?

Von Tobias Glenz | katholisch.de

„Wacht auf, ihr Betrunkenen, und weint! Jammert alle, ihr Zecher!“ (Joël 1,5). Vordergründig warnt der alttestamentliche Prophet Joël an dieser Stelle vor den Folgen einer Heuschreckenplage – die Weinreben sind zerstört, es gibt künftig nichts mehr zu trinken. Doch lassen sich diese Worte auch leicht als göttliche Warnung vor (übermäßigem) Alkoholkonsum verstehen: Der „Zecher“ hat bei Gott nichts zu lachen. Muss man sich als gläubiger Mensch also Sorgen machen, wenn man hin und wieder etwas tiefer ins Glas schaut?

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Moschee-Finanzierung: Freiwillige Abgabe oder Steuer?

Bild: tagesschau.de
Muslimische Gemeinden müssen unabhängiger finanziert werden – da sind sich viele einig. Eine Steuer sei jedoch keine Lösung, sagt die Berliner Moschee-Gründerin Ates. Sie plädiert für eine Sozialabgabe.

tagesschau.de

In der Diskussion über eine eigenständige Finanzierung der Muslime in Deutschland hat sich die Berliner Moschee-Gründerin Seyran Ates gegen eine Moschee-Steuer und für eine freiwillige Abgabe der muslimischen Gemeinden ausgesprochen. „Es ist keine gute Idee, die aktuellen (Islam-)Verbände zu Körperschaften öffentlichen Rechts zu erklären und eine Kirchensteuer-ähnliche Moschee-Steuer einzuführen“, sagte sie im Morgenmagazin. „Es gibt bei den fünf Säulen des Islams die sogenannte Zakat, die soziale Pflichtabgabe. Darüber könnte man das besser regeln.“

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Das Geheimnis des Limoncello

Der italienische Zitronenlikör Limoncello gibt Chemikern wegen seiner anhaltenden Trübung Rätsel auf. © NelliSyr/iStock
Mysteriöse Trübung: Der italienische Zitronenlikör Limoncello ist nicht nur wegen seines feinen Geschmackes beliebt, er ist auch chemisch eine Besonderheit. Denn in ihm bilden Wasser, Alkohol und Zitronenöl eine Emulsion, die erstaunlich lange stabil bleibt – ohne jedes Bindemittel. Jetzt haben Chemiker erstmals die Mikrostruktur dieser Mischung näher bestimmt – und überraschendes herausgefunden. Denn die Öltröpfchen im Likör sind ungewöhnlich klein und stabil.

scinexx

Nach der Weihnachtsgans, der französischen Foie Gras oder dem italienischen Festtags-Menü schmeckt er besonders gut: ein eiskalter Limoncello als flüssiger Nachtisch. Der süße, milchig-neongelbe Zitronenlikör hat ein Süditalien eine lange Tradition, ist aber auch anderswo in Europa beliebt. „Viele Italiener stellen den Zitronenlikör selbst her, indem sie Zitronenschalen mehrere Wochen in Alkohol einlegen“, erklärt Leonardo Chiappisi von der TU Berlin.

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Forscher: Jugend fremdelt mit Kirchen

Die beiden großen christlichen Kirchen sind bei jungen Menschen in Deutschland gut angesehen. Zahlreiche Untersuchungen wie die Shell-Studie zeigten, dass die große Mehrheit der Jugend und jungen Erwachsenen sie für sinnvolle soziale Einrichtungen halte, die für die Gesellschaft von Vorteil seien, sagte der Jugendforscher Klaus Hurrelmann von der Berliner Hertie School of Governance dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Sie sind bei ihnen gut geachtet.“

evangelisch.de

Gleichzeitig fremdelten die jungen Leute aber mit der organisatorischen Verfasstheit der Kirchen, sagte Hurrelmann weiter. „Es bröckelt für die großen Religionsgemeinschaften. Sie halten sie für ganz nützlich, können sich aber nicht vorstellen, sich selbst dort zu engagieren. Das bleibt einer Minderheit überlassen.“ Diese Entwicklung sei bei den Parteien noch stärker ausgeprägt als bei den Kirchen.

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