Großbritannien: Wie weit dürfen Informanten gehen?


No Stone Unturned. Bild: Fine Point Films
Britische Polizei geht gegen Journalisten vor, die an einer Doku über ein Massaker in Nordirland mitgewirkt haben, das von britischen Polizisten und Soldaten in der „Ulster Volunteer Force“ begangen wurde, eine Aufklärung wurde bislang verhindert

Christian Bunke | TELEPOLIS

Es wirkte wie ein groß angelegter Antiterroreinsatz, und diese Wirkung war wohl auch beabsichtigt. Am 31. August 2018 waren rund 100 schwer bewaffnete Polizisten an Hausdurchsuchungen und Verhaftungen in Belfast und anderen Orten Nordirlands beteiligt. Doch die Ziele der Razzien waren keine im Nordirlandkonflikt aktiven Paramilitärs oder sonstige bewaffnete Gruppen. Verhaftet wurden zwei Journalisten, durchsucht wurden die Räumlichkeiten von Medienorganisationen.

Getroffen hat es die Journalisten Barry McCaffrey und Trevor Birney. Beide haben wesentlich an dem im Jahr 2017 erschienenen Dokumentarfilm „No Stone Unturned“ mitgewirkt. Die nordirische Polizei wirft ihnen vor, im Film verwendete Dokumente aus dem Büro des für die Untersuchung polizeilichen Fehlverhaltens zuständigen Ombudsmannes gestohlen zu habe. Der Ombudsmann selbst bestreitet, dass irgendetwas aus seinem Büro gestohlen wurde. Die Polizei scheint das nicht zu stören. Am 30. November erging ein Gerichtsbeschluss wonach McCaffrey und Birney auch weiterhin nur unter Auflagen auf freien Fuß sind. Sie stehen unter polizeilicher Observation und müssen sich jede Woche auf einer Polizeiwache melden. Wollen sie verreisen, müssen sie dies vorher der Polizei kundtun.

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