Jesus war Jude. Und es wäre ein starkes Zeichen gegen den Antisemitismus, wenn die katholische Kirche wieder daran erinnern würde

Jesus trug das jüdische Zeichen des Bundes: Beschneidung Christi. Meister des Wiener Schottenaltars, um 1470. (Bild: Institut für Realienkund)
Als Sohn einer jüdischen Mutter wurde Jesus beschnitten. Jahrhundertelang hat ein Fest im katholischen Kalender daran erinnert. Die Kirche sollte es wiederbeleben.

Jan-Heiner Tück |Neue Zürcher Zeitung

Der Antisemitismus nimmt wieder zu. Gewiss, in den Hinterzimmern der extremen Rechten waren judenfeindliche Überzeugungen nie ganz verstummt. Aber seit kurzem werden auch in der politischen Linken Stimmen lauter, die unter dem Mantel des Antizionismus und der Kritik am Staat Israel antisemitische Ideen verbreiten. Hinzu kommen neue Formen eines islamischen Antisemitismus – ein Problem, das durch Migranten aus dem arabischen Raum nicht geringer geworden ist.

Die katholische Kirche, die jahrhundertelang selbst antijüdische Denkweisen gefördert hat, sollte dazu nicht schweigen. Sie hat aus dem Schrecken der Shoah gelernt und ihr Verhältnis zum Judentum nach dem II. Vatikanischen Konzil auf eine neue Grundlage gestellt.

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Wollte Israel am 25. Dezember den Abschuss einer Verkehrsmaschine provozieren?

S300-Flugabwehrsystem. Bild: mil.ru
Warum nach Moskau die kürzlich Damaskus übergebenen S300-Luftabwehrsysteme nicht zum Einsatz kamen

Jochen Mitschka | TELEPOLIS

Während in Damaskus interreligiöse Weihnachtsfeiern stattfanden, startete Israel einen der schwersten Luftangriffe der letzten Jahre. Es war der erste Luftangriff Israels, nach dem Abschuss einer russischen IL20, der durch die syrischen Abwehrbatterien abgeschossen wurde, als sich die israelischen Angriffsjets in seinen Radarschatten versteckten. Nun geschah wieder etwas Ähnliches. Sechs israelische Bomber griffen, unter Verletzung der Lufthoheit des Libanon, Damaskus an, während sich zwei zivile Verkehrsmaschinen im Landeanflug auf Damaskus bzw. Beirut befanden. Hätte die syrische Luftabwehr, ohne den zivilen Flugverkehr zu berücksichtigen, gefeuert, wäre unter Umständen wieder ein unbeteiligtes Flugzeug getroffen worden und eine furchtbare Katastrophe zu betrauern gewesen. Ist das nur russische Propaganda?

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Pompeji, Rhodos, Tel Aviv und Dutzende mehr: Welche Welterbestätten das Mittelmeer zu verschlingen droht

Bild: NZZ

Sie stehen seit Jahrhunderten, manche sogar seit Jahrtausenden als Zeugen der Menschheitsgeschichte: die Stätten des Unesco-Weltkulturerbes. Jetzt drohen sie unterzugehen – und dies im wahrsten Sinne des Wortes.

Esther Widmann | Neue Zürcher Zeitung

Dieses Video aus einem Restaurant in Venedig von vor ein paar Monaten haben Sie gesehen? Wo die Kellner durchs knöchelhoch im Raum stehende Wasser waten und gut gelaunt Pizza servieren, als sei nichts geschehen? Die haben Nerven! Aber gut, acqua alta, das Hochwasser in Venedig, gibt es ja auch häufiger, da passt man sich eben an. Die Welt sieht dann Bilder vom Markusplatz unter Wasser, Touristen in Gummistiefeln und eben auch stoische Pizzabäcker. Doch wenn diese auch einen gewissen pittoresken Reiz haben mögen – das Thema ist viel zu ernst, als dass man das amüsant finden könnte.

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Peter Sloterdijk seziert das zynische Bewusstsein zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Gähnen hilft gegen akuten Zynismus, der sich mit den Täuschungen des Lebens arrangiert hat . . . (Bild: Richard Kalvar / Magnum)
Internet, Terror, politische Korrektheit, Migration: Alle vier Entwicklungen bringen tiefgreifende Wandlungen im Verhältnis von Herrschen und Lügen mit sich. Dabei trifft sich der Zynismus von oben immer öfter mit dem Zynismus von unten. Was bedeutet das für die Zukunft des Westens?

Peter Sloterdijk | Neue Zürcher Zeitung

Es gehört zu den eindrucksvollsten Merkmalen der Hochkulturen, die seit dem ersten vorchristlichen Jahrtausend den Gang der Zivilisationsgeschichte befeuern, dass sie «den Menschen» mit zunehmender Explizitheit als ein Wesen auffassen, in dessen Natur es liege, Irrtümern zum Opfer zu fallen. Damit war nicht gemeint, «der Mensch» sei im alltäglichen Umgang mit Dingen und seinesgleichen nie ganz vor dem Risiko zu schützen, sich in der einen oder anderen Hinsicht zu täuschen. Die hochkulturellen Weltanschauungen dramatisieren das Durchdrungen-Sein des Daseins von der Spannung zwischen Wahrem und Falschem bis an einen Punkt, an dem es in Gefahr gerät, einer umfassenden Täuschung zu verfallen. Von Anfang an scheint es eingetaucht in eine Irrtums-Ganzheit, aus der es sich nur durch ausserordentliche spirituelle Anstrengungen loszulösen vermag oder, sofern diese nicht genügen, dank dem Entgegenkommen der aus menschlicher Eigenmacht unerreichbaren Wahrheit.

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Beichtgeheimnis nicht gebrochen – Haft für belgischen Priester

Mann beging trotz seelsorgerlichem Kontakt krankheitsbedingt Selbstmord. Die Witwe zeigte den Priester wegen unterlassener Hilfeleistung an.

kath.net

Zu einem Monat Haft sowie einer symbolischen Geldstrafe an die Witwe wurde der katholische Priester Alexander Stroobandt von einem Gericht in Brügge/Belgien verurteilt. Stroobandt hatte via Telefon und Kurznachrichten Kontakt mit einem infolge von Despressionen schwer selbstmordgefährdeten Mann, den er bereits kannte. Der Mann beging kurz darauf tragischerweise Selbstmord. Die Witwe zeigte den Priester wegen unterlassener Hilfeleistung an. Der Rechtsanwalt des Priesters hat bereits Berufung angekündigt und wies darauf hin, dass das Beichtgeheimnis nicht gebrochen werden könne.

Die Macht der Mafia

Grafik TP
Deutschland und die Benelux-Staaten sind zu wichtigen Umschlagplätzen im internationalen Kokaingeschäft geworden – Behörden wollen eine „Landkarte des organisierten Drogenhandels“ zeichnen.

Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

Bestechung ist heute das wichtigste Instrument, mit dem die Mafia in die Institutionen eindringt (…), denn man braucht heute nicht mehr zu töten, man besticht.
Roberto Scarpinato, ital. Staatsanwalt und Leiter der Untersuchungen zur Verflechtung von Mafia und Wirtschaft

Seitdem die italienischen Anti-Mafia-Jäger verstärkt den Kokain-Import der kolumbianischen und mexikanischen Drogen-Kartelle im Visier haben, laufen die Transporte vermehrt über die Beneluxländer und die dortigen Seehäfen. Von dort gelangt der Stoff nach Deutschland, das als Paradies für Geldwäscher bekannt ist, aber auch nach Italien, Großbritannien oder Russland. In Deutschland lassen sich problemlos auch große Geldsummen immer noch bar über den Tisch schieben; die Beträge sind kaum zurückzuverfolgen.

Der Kampf gegen das organisierte Verbrechen lässt sich nur länderübergreifend führen. So arbeiten deutsche und italienische Behörden, Staatsanwälte und spezielle Polizeieinheiten eng zusammen. Über Erfolge der Zusammenarbeit, in dem Fall gegen die Cosa Nostra (die „Ur-Mafia“), berichtete vor Jahresfrist auch Telepolis (La mafia in Germania); die sizilianische Cosa Nostra operiert seit Jahrzehnten mit Vorliebe in den Metropolen an Rhein und Ruhr auf den klassischen Geschäftsfeldern Drogen- und Waffenhandel und im Baugewerbe.

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Unicef beklagt Gewalt gegen Kinder in Krisengebieten

©Nariman El-Mofty/AP, FR Kindersoldaten werden im Konflikt im Jemen von beiden Seiten eingesetzt.
Kinder sind im zu Ende gehenden Jahr nach Einschätzung des UN-Kinderhilfswerks Unicef nicht ausreichend vor Konflikten geschützt worden.

Frankfurter Rundschau

Kinder sind im zu Ende gehenden Jahr nach Einschätzung des UN-Kinderhilfswerks Unicef nicht ausreichend vor Konflikten geschützt worden.

Unter anderem in Krisengebieten wie Syrien, dem Jemen und Kongo, Nigeria, Südsudan und Myanmar seien Vergewaltigung, Zwangshochzeiten und Entführungen von Kindern an der Tagesordnung.

In Afghanistan seien beispielsweise alleine in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 rund 5000 Kinder getötet oder verstümmelt worden. In der Zentralafrikanischen Republik bräuchten zwei von drei Kindern humanitäre Hilfe.

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Bundesregierung will Geldzuwendungen an Moscheen kontrollieren

Die Bundesregierung will die Finanzierung radikaler Moschee-Gemeinden durch die Golfstaaten unterbinden. Das Auswärtige Amt strebt an, dass beabsichtigte Spenden an religiöse Einrichtungen zuvor dem Auswärtigen Amt gemeldet werden.

DOMRADIO.DE

Dies geht aus Informationen hervor, die der „Süddeutschen Zeitung“, dem NDR und dem WDR vorliegen. Das Auswärtige Amt habe Saudi-Arabien, Kuwait, Katar und andere Staaten darum ersucht, beabsichtigte Spenden oder staatliche Zuwendungen an religiöse Einrichtungen in Deutschland zuvor dem Auswärtigen Amt zu melden, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Unter Beteiligung von Verfassungsschutz und BND würden dann Absender und Empfänger überprüft.

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«Der andere Blick»: Die wilde deutsche Politik – warum die Unberechenbarkeit in Berlin zunimmt

Bild: bb
Die deutsche Politik ist volatiler geworden. Gab es in Bonn keine Krise, die sich nicht lange zuvor ankündigte, so scheint man in Berlin vor keiner Überraschung mehr sicher.

Eric Gujer | Neue Zürcher Zeitung

Im Jahr 2018 herrschte in der deutschen Innenpolitik ein Durcheinander. Die Vorsitzenden von CDU und CSU stritten, als gäbe es kein Morgen und keine Fraktionsgemeinschaft. Die Sozialdemokraten zankten untereinander, aber auch mit der Union, als sei ihnen ihre rasant erodierende Popularität völlig egal.

Wer hätte gedacht, dass Angela Merkel und Horst Seehofer kaltschnäuzig den Bruch in Kauf nehmen würden? Wer hätte geglaubt, dass wegen einer Lappalie wie der Äusserungen eines Geheimdienstchefs die Koalition kurz vor dem Aus stünde? Vor ein paar Jahren hätte ich noch behauptet, dass so viel Irrationalität in der deutschen Politik unmöglich oder wenigstens sehr selten sei.

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Dodo Thierse sieht die römische Spukgestalt als Vorbild für die Politik

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sieht in Papst Franziskus ein Vorbild im Einsatz gegen Ungerechtigkeiten und für Menschenrechte. „Wir brauchen diesen christlich-jesuanischen Zorn sehr dringend“, meint Thierse.

DOMRADIO.DE

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wünscht sich „mehr heiligen Zorn und etwas weniger egoistische Wut in der Politik“. Während Wut vor allem auf den Wütenden selbst verweise, richte sich Zorn auf „ungerechte Verhältnisse“, die es zu bekämpfen gelte, sagte er der Wiener Zeitschrift „miteinander“ (Januar 2019). „Wutbürger gehen auf die Straße, weil sie sich persönlich benachteiligt fühlen“, so der SPD-Politiker. Wer dagegen zornig sei, wolle etwa gegen Armut und andere Missstände protestieren.

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Andalusien rückt ganz weit nach rechts

VOX-Parteichef Santiago Abascal. Bild: Contando Estrelas/CC BY-SA-2.0
Die beiden rechten spanischen Parteien PP und Cs schnüren Bündnisse mit der rechtsextremen Partei VOX, um die bevölkerungsreichste Region zu regieren

Ralf Streck | TELEPOLIS

Wie Telepolis vor den Regionalwahlen in Andalusien erklärt hatte, sind die Wahlen stets eine Vorhersage für Entwicklungen in ganz Zentralspanien. Angesichts der Ergebnisse, dass die drei rechten bis rechtsextremen Parteien fast eine absolute Stimmenmehrheit erreichten, mit 59 Sitzen über eine klare absolute Sitzmehrheit verfügen, bahnte sich nichts Gutes an. Wie erwartet haben sich die Volkspartei (PP) und ihre beiden Abspaltungen Ciudadanos (Bürger/Cs) und VOX darauf geeinigt, dass der andalusische PP-Chef Juanma Moreno neuer Regierungschef wird. Damit werden erstmals seit dem Ende der Franco-Diktatur die Sozialdemokraten (PSOE) von der Regierung verdrängt. Mit Moreno wird ein Verlierer auf den Präsidentensessel gehoben, denn seine PP büßte Stimmen und sieben Sitze ein, wurde aber hinter der PSOE zweitstärkste Kraft.

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So wollen die Legionäre Christi Vertrauen zurückgewinnen

Bild: © KNA
Wie erfindet sich eine Gemeinschaft neu, deren Gründer sich als Missbrauchstäter herausgestellt hat? Dieser Aufgabe musste sich das Regnum Christi in den vergangenen Jahren stellen. Im Interview spricht Pater Valentin Gögele, Ordensprovinzial für West- und Mitteleuropa, über den Erneuerungsprozess – und über das neue Miteinander in der Gemeinschaft.

Von Matthias Altmann | katholisch.de

Bei seiner Generalversammlung in Rom hat das Regnum Christi vor wenigen Wochen neue Gemeinschaftsstatuten erlassen und dem Vatikan vorgelegt. Wichtigste Neuerung ist eine kollegialle Leitungsstruktur, die ein System des Missbrauchs wie unter Ordensgründer Marcial Maciel Degollado (1920 bis 2008) verhindern soll. Pater Valentin Gögele hält den Erneuerungsprozess im Regnum Christi für gelungen. Der Ordensprovinzial für West- und Mitteleuropa hofft, dass sich die Gemeinschaft nun wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren kann.

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Mordanklage: Deutsche IS-Frau soll Fünfjährige als Sklavin zu Tode gequält haben

Das Foto zeigt eine Außenaufnahme der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Foto:dpa
Der Generalbundesanwalt hat Anklage gegen eine deutsche IS-Anhängerin wegen eines Kriegsverbrechens im Irak erhoben.

Kölner Stadt-Anzeiger

Die Terrorermittler werfen der 27 Jahre alten Jennifer W. vor, gemeinsam mit ihrem Mann ein fünf Jahre altes Mädchen im Irak als Sklavin gehalten und getötet zu haben.

Die Frau sei „hinreichend verdächtig“, als IS-Anhängerin aus niedrigen Beweggründen einen Menschen grausam getötet und damit ein Kriegsverbrechen begangen zu haben, erklärte die Karlsruher Behörde am Freitag.

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„Im Islam gilt schwarz als hässliche Farbe“

©Jörg-Hendrik Brase, FR Das Geschäft des Teppichmachers Haghighi befindet sich im zweiten Torbogen direkt neben der weltberühmten Imam-Moschee in Isfahan.
Jörg Brase und Niloufar Taghezadeh zeigen bunte Seiten des Lebens im Land der Mullahs.

Von Daland Segler | Frankfurter Rundschau

Von einem Land oder einer Stadt zu behaupten, es oder sie sei „voller Widersprüche“, gehört auf den Index. Denn zum einen gibt es wohl keine größere Ansammlung von Menschen, bei der sich nicht Widersprüche auftäten. Zum anderen ist die Phrase durch Tourismusindustrie und Medien derart abgenutzt, dass sich der Gebrauch verbieten sollte. Dennoch nennt Jörg Brase seinen Film „Iran bittersüß – Reise durch ein Land voller Widersprüche“. Und man kann dem Autor zugute halten, dass sein Berichtsgebiet tatsächlich wohl mehr Antagonismen bereit hält als andere Staaten.

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