Julian Nida-Rümelin über Künstliche Intelligenz: Konkurrenz für unsere Dummheit


Für Julian Nida-Rümelin ist die Kränkung des Menschen durch Künstliche Intelligenz eine Schimäre.

Von Marius Meller | DER TAGESSPIEGEL

Es wird höchste Zeit für eine neue Kränkung der Menschheit. Nach Sigmund Freud erfuhren die Menschen bisher drei narzisstische Kränkungen: Erstens ist die Erde nicht das Zentrum des Kosmos, zweitens hat sich der Mensch aus dem Tierreich entwickelt und ist keine originelle, gesegnete Kreation Gottes, und drittens ist der Mensch nicht Herr im Haus seiner Seele, sondern wird durch das Unbewusste kaum kontrollierbar hin- und hergeworfen.

Nun soll eine neue Technologie hinzukommen, die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI), die kognitive Fähigkeiten des Menschen zunächst nachahmt, vielleicht einmal vollständig ersetzt. Aber nicht nur die Kränkung, dass die geistigen Möglichkeiten des Menschen durch eine Maschine simuliert werden können, steht ins Haus, sondern auch eine breit angekündigte gesellschaftliche Umwälzung, die in der Bundesrepublik mit dem Lockwort „Industrie 4.0“ angepriesen wird.

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