Ist der Intelligenzquotient ein pseudowissenschaftlicher Schwindel? Nassim Taleb geht auf Konfrontation mit Steven Pinker und anderen Helden des Dark Web

Auf Twitter zettelt der libanesisch-amerikanische Philosoph Nassim Nicholas Taleb eine Debatte an, die es in sich hat. Sie ist nicht nur rau und roh, sondern auch substanziell.

Marc Neumann | Neue Zürcher Zeitung

Wenn Nassim Nicholas Taleb vom Leder zieht, kracht es – wie eben gerade: Auf Twitter feuerte er in einem Paper auf Medium.com Salve um Salve auf die psychometrische Intelligenzforschung ab. Ein pseudowissenschaftlicher Schwindel sei der Intelligenzquotient, IQ-Messungen seien lediglich für einige willkürlich isolierte mentale Fähigkeiten, und erst noch nur im künstlichen Testumfeld, aussagefähig.

In der realen Welt taugen IQ-Zahlen wenig, schreibt Taleb. Bestenfalls erhielten Intelligenztests begrenzte Gültigkeit, wenn man IQ als «Funktionärs-Quotient» oder «Verkaufsperson-Quotient» verstehe. Weswegen diese noch am relativ erfolgreichsten zur Rekrutierung von Angestellten im Militär oder bei grossen Unternehmen eingesetzt würden.

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Bedford-Strohm: Religion kann helfen, Schmerzen anzunehmen – blödsinniges Geschwurbel

Schmerz spielt im Christentum eine bedeutende Rolle. Und der Glaube ersetze zwar keine medizinische Schmerzbehandlung, doch Religion könne als Resilienzfaktor dabei helfen, Schmerzen zu verarbeiten, so der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

evangelisch.de

Frömmigkeit ersetzt nach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zwar keine medizinische Schmerzbehandlung, sie könne aber ein „Resilienzfaktor“ sein. Religion könne dazu beitragen, Schmerzen anzunehmen und zu verarbeiten, also das Immunsystem der Seele zu stärken, sagte Bedford-Strohm bei der Vorstellung des interdisziplinären Promotionsschwerpunkts „Resilienzfaktoren in der Schmerzverarbeitung“ der Universitäten Bamberg und Würzburg am Donnerstagabend in Bamberg.

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Einem supermassereichen Schwarzen Loch „aufs Maul geschaut“

Röntgenstrahlung eines zerrissenen Sterns verrät die Rotation des Schwarzen Lochs. © NASA/CXC/M. Weiss
Verräterische Röntgenblitze: Astronomen haben einem supermassereichen Schwarzen Loch „aufs Maul geschaut“ – und Spannendes entdeckt. Wiederkehrende Röntgenblitze verrieten ihnen nicht nur, dass der Massegigant gerade einen Stern verschluckte. Der Takt der Strahlenblitze ermöglichte es auch, die Rotationsgeschwindigkeit des Schwarzen Lochs zu bestimmen. Überraschend jedoch: Knapp außerhalb des Ereignishorizonts versteckt sich offenbar ein mitrotierender Weißer Zwerg.

scinexx

Sie sind die Giganten des Kosmos: Im Zentrum der meisten Galaxien liegen supermassereiche Schwarze Löcher – auch im Herzen unserer Milchstraße. Sie können die millionenfache Masse der Sonne in sich vereinen und prägen durch ihre Schwerkraftwirkung die galaktische Umgebung. Doch die meisten dieser unsichtbaren Riesen sind kaum aktiv und machen sich nur dann durch starke Strahlenausbrüche bemerkbar, wenn ihnen eine Gaswolke oder ein Stern zu nahe kommt und sie diesen verschlingen.

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Kanada gewährt Saudi-Araberin Asyl

© rtr, FR Rahaf Mohammed el-Kunun darf nach Kanada ausreisen.
Nach der verhinderten Abschiebung ist die 18-jährige Saudi-Araberin Rahaf Mohammed el-Kunun auf dem Weg nach Kanada. Und auch zurück auf Twitter.

Frankfurter Rundschau

Die Flucht der jungen Saudi-Araberin Rahaf Mohammed el-Kunun vor der eigenen Familie scheint ein glückliches Ende zu finden. Die 18-Jährige bekommt von Kanada Asyl gewährt. Nach ihrer verhinderten Abschiebung aus Thailand, wo sie zwischenzeitlich gestrandet war, wird sie an diesem Samstag in Toronto erwartet. Mit einem Linienflug war sie in der Nacht auf dem Weg in ihre künftige Heimat.

Ihr Fall hatte weltweit Aufsehen erregt. Zwischenzeitlich drohte der jungen Frau, die sich vom Islam losgesagt hatte, die Abschiebung. Mit einer beispiellosen Kampagne über den Kurznachrichtendienst Twitter gelang es ihr, dies zu verhindern. Die Vereinten Nationen nutzten die Gelegenheit, um an das Schicksal vieler anderer zu erinnern, die bei der Flucht aus politischen, wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen scheitern.

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Was heißt es, dass psychische Störungen Gehirnstörungen sind?

Bild: Lotusblute/pixabay.com/Pixabay-Lizenz
Milliarden an Steuer- und anderen Geldern werden Jahr für Jahr in die genetische und neurowissenschaftliche Erforschung psychischer Störungen gesteckt.

Stephan Schleim | TELEPOLIS

Dabei wird stillschweigend vorausgesetzt, dass sich die Probleme der Menschen auf dieser Ebene verstehen und behandeln lassen. Zehntausende Forscher gehen weltweit diesen Fragen nach und potenziell hunderte Millionen Patienten sind davon betroffen, was diese Forscher finden – oder auch nicht finden.

Die Frage, was psychische Störungen sind und auf welcher Ebene sie am besten beschrieben werden können, ist darum nicht nur theoretisch interessant, sondern auch unmittelbar praktisch relevant. Tatsächlich kritisierten einige führende Psychiater erst 2016 im British Journal of Psychiatry, dass der Neurohype in ihrem Fach zu viel Geld verschlinge. Für wichtige Ansätze etwa zur Suizidprävention, zur Förderung von Eltern mit psychischen Problemen oder für bessere Lernumgebungen für benachteiligte Kinder bleibe dann kein Geld übrig.

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Forscher entdeckten ein genetisches Muster der Monogamie

Monogame Mäuse, Vögel, Frösche und Fische weisen spezifische Genaktivitäten im Gehirn auf, die bei polygamen Verwandten fehlen

David Rennert | derStandard.at

Ihre biologischen Besonderheiten sind den Präriewühlmäusen nicht auf den ersten Blick anzusehen. Die recht unscheinbaren kleinen Nager, die in Nordamerika heimisch sind, halten den Säugetierrekord in Sachen längster Paarung: Bis zu 40 Stunden dauert der erste Geschlechtsakt dieser Mäuse – und markiert den Beginn einer lebenslangen Beziehung. Präriewühlmäuse zählen nämlich auch zu den wenigen Säugetieren, die ihr gesamtes Leben lang einem einzigen Partner die Treue halten.

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Feindbild EU – und Poggenburg

Bild: tagesschau.de
Die AfD will die EU grundlegend verändern. Das betonten Spitzenfunktionäre zu Beginn ihres Europaparteitags. Doch mit dem Parteiaustritt des ehemaligen Spitzenpolitikers Poggenburg rückte ein weiteres Thema in den Fokus.

tagesschau.de

Eigentlich wollte sich die AfD auf ihrem Europaparteitag mit ihrer Haltung zur EU beschäftigen. Doch der Parteiaustritt des langjährigen sachsen-anhaltinischen AfD-Chefs André Poggenburg und die Gründung seiner neuen Partei, „Aufbruch deutscher Patrioten“ (AdP), sorgte für weiteren Gesprächsstoff bei den Delegierten – und für Angst vor einer Zersplitterung der AfD.

Poggenburg selbst hält den Einzug seiner neuen Partei bei ostdeutschen Landtagswahlen für realistisch. Das sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ihm und seinen Mitstreitern sei bewusst, dass jede Neugründung und Abspaltung große Risiken berge.

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Islamunterricht auf der Kippe

© Monika Müller, FR Ditib-Gemeinde in Hanau (Symbolbild).
Das Land Hessen bereitet sich auf ein Ende der Zusammenarbeit mit dem Moscheeverband Ditib vor.

Von Pitt von Bebenburg | Frankfurter Rundschau

Der Islamunterricht in Hessen steht möglicherweise zur Disposition. Die neue Landesregierung soll zügig entscheiden, ob er fortgesetzt oder durch Islamkunde ersetzt wird. Das wäre kein bekenntnisorientierter Glaubensunterricht mehr, sondern ein informativer Kurs. Die derzeitige Form solle aber auf jeden Fall bis zum Ende des Schuljahres fortgesetzt werden, heißt es aus dem Kultusministerium.

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Gelbwesten: Macron und die Filterblase in Paris

Foto: Bernard Schmid
Frankreich als politisches Labor: Gewalt, Wegsehen, Verzerrung und Manipulation der Medien

Thomas Pany | TELEPOLIS

Am morgigen Samstag kommt es zum Act IX der Proteste der Gilets Jaunes (Gelbwesten oder Gelbe Westen). „Alle Welt“, tout le monde, längst nicht mehr nur Frankreich, wird darauf schauen, wie viele daran teilnehmen und von welcher Gewalt die Demonstrationen und Blockaden begleitet werden.

Das mag trivial erscheinen, ist es aber aufgrund der Diskussion, die sich in Frankreich vergangene Woche zugespitzt haben, ganz und gar nicht. Dass sich die italienische Regierung auf die Seite der Gelbwesten gestellt hat, gehört dazu und ist auch ein Zeichen dafür, dass Frankreich gerade mal wieder ein politisches Labor ist.

Wenn zum morgigen Protesttag deutlich mehr kommen als die 50.000, die man offiziell für das letzte Wochenende geschätzt hat, und die Proteste weitgehend ohne Ausschreitungen ablaufen, dann wäre viel gewonnen, war gestern Tenor der Kommentare, die mit den Protesten sympathisieren, aber abgeschreckt sind von den Bildern der Gewalt des achten Aktes am vergangenen Wochenende.

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Europa: Millionen Todesfälle wären vermeidbar

Ernährungsbedingte Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der WHO-Europazone im Jahr 2016 © MLU
Zu viel Weißmehl und Salz, zu wenig Gemüse: Fast die Hälfte aller durch Herzinfarkt, Schlaganfall und Co verursachten Todesfälle in Europa gehen auf eine unausgewogene Ernährung zurück – und wären damit leicht vermeidbar, wie eine Studie zeigt. Demnach starben im Jahr 2016 allein in Deutschland 160.000 Menschen an den Folgen eines ernährungsbedingten kardiovaskulären Leidens. Dies zeige, dass man das Potenzial einer gesundheitsfördernden Ernährungsweise besser nutzen müsse, betonen die Forscher.

scinexx

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten weltweit noch immer als „Killer Nummer 1“. Trotz aller Fortschritte in der medizinischen Versorgung gehen rund ein Drittel aller Todesfälle auf Herzinfarkte, Schlaganfälle und Co zurück. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Lebensstil vieler Menschen. So gehören Bewegungsmangel, Rauchen und ein übermäßiger Alkoholkonsum zu den wichtigsten Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen – das gleiche gilt für eine unausgewogene Ernährung.

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Dodo Marx kritisiert Begriff „christliches Abendland“: „Friedliches Europa kein Selbstläufer“

Gegen den Begriff „christliches Abendland“ wendet sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Er hält ihn für ausgrenzend und hofft auf Gläubige, die ihren Glauben an einen Gott nicht missbrauchen lassen.

DOMRADIO.DE

Kardinal Reinhard Marx hat sich gegen die Rede vom „christlichen Abendland“ gewandt.

„Davon halte ich nicht viel, weil der Begriff vor allem ausgrenzend ist“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstagabend in Berlin.

Friedliches Europa mit verschiedenen Religionen

Dies verkenne die „große Herausforderung, in Europa dafür zu sorgen, dass verschiedene Religionen mit jeweils eigenen Wahrheitsansprüchen friedlich zusammenleben“, so Marx bei einer Diskussion mit dem Publizisten Michel Friedman im Theater „Berliner Ensemble“. Er betonte: „Ein friedliches Europa ist kein Selbstläufer.“

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Matthias Berninger: Vom Schokoriegel zu Glyphosat

© afp, FR Der umstrittene Pflanzenschutzwirkstoff Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen.
Ex-Grünen-Politiker Matthias Berninger ist jetzt Lobbyist des Chemiegiganten Bayer.

Von Barbara Will | Frankfurter Rundschau

Meine Biografie ist glaubwürdig“, hat Matthias Berninger einmal gesagt. Das war 2006, und der damalige Grünen-Politiker hatte gerade den Abschied von seinem Bundestagsmandat verkündet, um zum Schokoriegel-Hersteller Mars zu wechseln. In Berningers Augen kein Widerspruch. Mars wolle etwas auf dem Themenfeld Ernährung und Gesundheit bewegen, sagte er.

Nun hat der 47-Jährige, der in Kassel geboren wurde und heute in den Vereinigten Staaten lebt, wieder einen neuen Posten, der eingeschworene Grüne ins Grübeln bringen dürfte. Seit Jahresbeginn ist er in den USA Cheflobbyist für den Chemie- und Pharmakonzern Bayer – mit Dienstsitz in Washington und hoch genug in der Firmenhierarchie angesiedelt, um direkt an Bayer-Chef Werner Baumann zu berichten.

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Religionssoziologe Joas: Säkularisierungsthese ist passé

Bild: kathpress.at
Berliner Starphilosoph bei Pastoraltagung in Salzburg widerspricht These von unumkehrbarer „Entzauberung“ der modernen Gesellschaft – Säkularisierung geht nicht automatisch einher mit Modernisierung – Bei Österreichs größter kirchlicher Seelsorge-Fortbildungsveranstaltung bis Samstag „schrumpfende Bedeutung von Religion“ im Mittelpunkt

kathpress

Im Blick auf den sinkenden Stellenwert von institutionalisierter Religion in vielen Ländern Europas mag es vielleicht plausibel sein, der These vom Einhergehen der Modernisierung mit Säkularisierung anzuhängen – jedoch, diese lange Zeit vertretene Auffassung stimmt so nicht und ist in der Soziologie auch passé. Darauf hat der deutsche Religionsphilosoph und -soziologe Hans Joas bei der am Donnerstag in Salzburg eröffneten Österreichischen Pastoraltagung hingewiesen. Die USA z.B. seien ein Gegenbeispiel dafür, dass Moderne und auch Wohlstand mit großer religiöser Vitalität einhergehen können, erst recht würden globale und historische Tatsachen allzu platten Deutungen widersprechen. Joas lapidar: „Säkularisierung stirbt tendenziell an Nachwuchsmangel.“

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