Es gibt kein Menschenrecht auf Glück – und auch keine Pflicht, danach zu streben


Die Vorstellungen vom Glück wandeln sich über die Zeiten hinweg. Und nicht jeder versteht dasselbe darunter. Und doch gehört die Sehnsucht nach dem Glück zu einer Konstante des Daseins.

Maurizio Ferraris | Neue Zürcher Zeitung

Die Vorstellungen von Glück sind so unterschiedlich, dass sie an Tolstois Aussage, alle glücklichen Familien ähnelten sich, zweifeln lassen oder zumindest die Frage aufwerfen, ob mit Glück immer ein und dasselbe gemeint sei. Um eine äusserst schematische Antwort auf diese Frage zu versuchen, können wir auf herkömmliche Unterteilungen zurückgreifen: die Alten und die Modernen, die Klassiker und die Romantiker oder, um Schiller zu bemühen, die Naiven und die Sentimentalischen, wobei «naiv» keineswegs mit unbedarft, sondern vielmehr mit unverfälscht, echt und ursprünglich, während «sentimentalisch» bei näherer Betrachtung mit ironisch, pervers und künstlich gleichzusetzen ist.

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