Über die Liebe in Bildung und Wissenschaft


©mauritius images/Frank-Fleischmann
Um im Wissenschaftsbetrieb zu bestehen, braucht man Disziplin, etwas Genie und Durchhaltevermögen. Ist das alles? Nein, das Entscheidende fehlt.

Von Felix Grigat | Forschung & Lehre

Es gab Zeiten, da hat man sich im Denken, der Wissenschaft und an den Universitäten mehr als heute zugetraut, viel mehr. Eigentlich so ziemlich alles. Trivialitäten standen nicht zur Debatte. Ein ganz Verwegener wollte gleich die „Wahrheit, wie sie ohne Hülle an und für sich selbst ist“ erkennen. Und das heiße, „die Darstellung Gottes (…) wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur und eines endlichen Geistes ist.“ (Hegel) Also die Gedanken Gottes vor der Schöpfung denken – dagegen kommt selbst das Großexperiment CERN nur mit Mühe an.

Wie aber konnte es zu solcher Maßlosigkeit im Denken kommen? Die Antwort ist vergleichsweise einfach: Man hatte sich verliebt, und zwar nicht in irgendwen oder irgendetwas, sondern ins Absolute. Und wer sich solchermaßen verliebt, neigt eben zu Übertreibungen. Man wollte nichts weniger als „das Ganze“ verstehen (C.F. von Weizsäcker), wissen „What is it all about?“ (A.N. Whitehead). Die antike und europäische Denk- und Wissenschaftsgeschichte begann also nicht mit einem Plan, einer Struktur oder Organisation. Man hat auch keine Exzellenzinitiative gestartet.

weiterlesen