Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es kaum Schranken: Der gefährlichste Schritt der Medizin


«Versuchskaninchen»: Eine Illustration aus dem Jahr 1891 zeigt, wie einer jungen Frau eine Ziegenbluttransfusion verabreicht wird. Magazin «L’Illustration» vom 7. März 1891 © De Agostini via Getty Images
Menschenversuche sind in der Forschung unvermeidlich –wann sie riskiert werden dürfen, ist schwierig anzugeben. Seit 1947 müssen Teilnehmer an Studien freiwillig zustimmen und dürfen nicht unnötig geschädigt werden. Das war nicht immer so.

Von Christoph Bopp | Aargauer Zeitung

«Es ist Unsinn, an die Materie zu glauben und zugleich an einen Humanismus, man kann nur an die Materie glauben und an das Ich.» Der Satz stammt aus dem Roman «Der Verdacht» von Friedrich Dürrenmatt, 1951/52 in Fortsetzungen im «Beobachter» erschienen. Gesprochen wurde er von Emmenberger, einem angesehenen Arzt und Klinikdirektor. Der Ehrenmann hat sich leider im Lauf der Geschichte als Sadist entpuppt und während des Zweiten Weltkriegs in den Konzentrationslagern der Nazis Vivisektionen durchgeführt. Dürrenmatts Held Kommissar Bärlach hat sich als Patient in die Klinik von Emmenberger einweisen lassen, um ihn zu überführen. Wie bei Dürrenmatt üblich, verliert aber Bärlach die Kontrolle, und Emmenberger droht, ihn am nächsten Morgen ebenfalls «zu operieren».

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