Drewermann: „Kirche wird als falsch und unnütz empfunden“


Spricht Klartext: Unter den Theologen könne man nicht mehr die geistige Elite vermuten, sagt Eugen Drewermann. Die katholische Kirche in ihrer jetzigen Form hat für ihn keine Zukunft mehr. | © Marc Köppelmann
Die katholische Kirche steckt aktuell in einer tiefen Krise – der Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann findet dazu klare Worte. Zu Missbrauchstätern unter den Priestern macht er einen revolutionären Vorschlag.

Birger Berbüsse | nw.de

Herr Drewermann, wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand der katholischen Kirche?

Eugen Drewermann: Da ist eine einzige Zahl sehr auskunftsreich: Um 1950 hatten wir einen Kirchenbesuch sonntags von etwa 50 Prozent der Katholiken, die unter Androhung einer schweren Sünde verpflichtet waren, sonntags zur Messe zu gehen. 1970 waren wir auf 35 Prozent abgesunken und stehen derzeit bei 12 Prozent. Das heißt, im letzten halben Jahrhundert ist die Zahl derer, die aktiv einem zentralen Punkt der katholischen Lehre folgen, um 75 Prozent gesunken. Eine Kirche, die über eine solche Macht verfügt, aber mit einem solchen Ergebnis aufwartet, kann sich nicht mehr dem Glauben hingeben, dass ihre Art der Verkündung glaubhaft die Menschen erreicht und ihnen hilfreich sein könnte. Im Gegenteil: Sie wird in zentralen Punkten als falsch, desorientierend, hinderlich, lästig, überflüssig und unnütz empfunden.

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