Organisierter Hass in Indien: Lynchmorde an Muslimen


Mitglieder der „All India Students Association“ (AISA) protestieren gegen Lynchmorde an Muslimen im Juni 2018 in Neu-Delhi, India. (imago/Hindustan Times)
In Nordindien wurde ein Moslem von einem hinduistischen Mob getötet. Es ist ein Beispiel von vielen für die Radikalisierung der hinduistischen Mehrheit im Land. Für unsere Autorin war das eine ihrer bislang gewaltintensivsten Recherchen.

Von Antje Stiebitz | Deutschlandfunk Kultur

„Der Fall ist inzwischen von großem öffentlichen Interesse und der Oberste Gerichtshof Indiens betreut ihn. Sehr hochrangige Beamte sind an dem Fall beteiligt. Denn Indien ist ein demokratisches Land mit einer demokratischen Struktur.“

Santosh Kumar trägt Polizeiuniform und lehnt sich lässig in seinem Schreibtischsessel zurück. Der hochrangige Beamte sitzt hinter einem schweren Schreibtisch. Sein Büro befindet sich in der Polizeistation der Stadt Pilkhuwa, im Distrikt Hapur, rund 70 Kilometer von Neu-Delhi entfernt. Vor dem Schreibtisch stehen zwei Stuhlreihen für die Besucher. Der Raum ist kahl, scheint aber frisch gestrichen. Santosh Kumar verlangt, dass ich das Mikrofon ausschalte:

„Wir wollen keine Aufnahmen. Ohne Aufzeichnungen kann ich erklären, was passiert ist.“

Doch auch nachdem ich das Mikrofon ausgeschaltet habe, möchte er meine Fragen nicht beantworten. Er sei bei den Geschehnissen an jenem Tag nicht dabei gewesen und sei nicht autorisiert, darüber zu sprechen.
Mutterschaft und die Verehrung der Kuh gehören zusammen

Das wichtigste Prinzip des Hinduismus, fügt er nach kurzem Nachdenken hinzu, sei die Mutterschaft. Er wiederholt diesen Satz mehrfach und gibt damit ein Statement ab im Sinne von hindu-nationalen Organisationen, denn diese sind es, die Mutterschaft und die Verehrung der Kuh untrennbar miteinander verbinden. Alleine der Verdacht, eine heilige Kuh zu schlachten, reicht in Indien aus, um einen Menschen zu attackieren oder gar zu töten.

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