Aufgeklärt, voraufgeklärt, falsch aufgeklärt: Steven Pinker kontert ein Jahr nach dem Erscheinen seines Bestsellers «Aufklärung jetzt» seine heissesten Kritiker


Ohne die Aufklärung undenkbar: Freizeitsport für alle. (Felipe Dana / AP)
Obwohl alle von ihnen profitieren, stehen sie von allen Seiten unter Druck: Vernunft, Humanismus und Wissenschaft. Dabei kann kein Zweifel bestehen: Die Welt wird immer besser. Aber je besser die Welt, desto krasser die Nörgelei! Ein Argumentarium gegen die notorischen Kulturpessimisten.

Steven Pinker | Neue Zürcher Zeitung

Es ist kaum zu glauben, dass eine Verteidigung von Vernunft, Wissenschaft und Humanismus zu Kontroversen führen sollte, zumal wir in einer Zeit leben, in der diese Ideale jede Hilfe brauchen können. Aber ein Kollege sagte mir: «Du hast die Köpfe der Leute explodieren lassen.»

Mein Buch «Aufklärung jetzt» ist deshalb von Kritikern auf der Linken wie auf der Rechten attackiert worden. Sie gaben der Aufklärung die Schuld für Rassismus und Imperialismus, existenzielle Bedrohungen und epidemische Einsamkeit, Depressionen und Suizid. Sie mäkelten, die Daten, die den Fortschritt belegen, beruhten nur auf Rosinenpicken. Und sie höhnten, mit kaum verhüllter Schadenfreude, die Aufklärung sei eine Idee mit Verfallsdatum, sie habe im Zeitalter des autoritären Populismus, der sozialen Netzwerke und der künstlichen Intelligenz keine Zukunft.

Deshalb nehme ich Stellung zu den Kontroversen, die im Jahr seit der Veröffentlichung von «Aufklärung jetzt» ausgebrochen sind. Ich denke also über den Stand des Projekts der Aufklärung und auch über ihre Feinde nach.

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