Doris Wagner: „Vor dem sexuellen stand der spirituelle Missbrauch“


Über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche ist inzwischen viel geredet worden. Von mehr als 3.000 Betroffenen spricht eine Studie, die Ende letzten Jahres vorgestellt wurde, dafür konnte gar nicht auf alle kirchlichen Akten zugegriffen werden. Der Vatikan in Rom hat für Ende Februar zu einem sogenannten Missbrauchsgipfel eingeladen. Alles auf gutem Weg also? Nein, sagen Betroffene wie Doris Wagner. Das eigentliche Problem aber sitzt viel tiefer.

Von Kirsten Dietrich | MDR Religion & Gesellschaft

Erst als sie vergewaltigt wurde, kam sie an den Punkt, „wo ich verstanden hab‘, irgendwas stimmt hier nicht“, „tragischerweise“, sagt Doris Wagner im Rückblick auf ihre Zeit in der katholischen Gemeinschaft mit dem für Außenstehende seltsam anmutenden Namen „Geistliche Familie Das Werk“. Zuvor glaubte sie noch, auch bei den „krassen Eingriffen in mein Leben“, dass das „irgendwie Sinn macht“: bestimmte Bücher nicht zu lesen, jetzt „nicht dran“ zu sein, von morgens bis abends in der Küche zu stehen und Gemüse zu schälen „oder auch, dass ich mit meinen Eltern keinen Kontakt haben durfte“.

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