Theologe Seewald: Kirche unterdrückt offene Debatte

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In der katholischen Kirche ist nach Ansicht des Münsteraner Theologen Michael Seewald keine offene Diskussion möglich.

DIE WELT

«Das Lehramt, das theoretisch vom Papst und den Bischöfen, faktisch aber von der Römischen Kurie ausgeübt wird, bestimmt, was gesagt werden darf und was nicht», sagte Seewald – der selbst katholischer Priester ist – der «WAZ» (Montag). «Unbequeme Theologen werden überwacht und denunziert.»

Seit der Veröffentlichung des Missbrauchsberichts im vergangenen September sei der öffentliche Druck so groß, dass die meisten Bischöfe derzeit gar nicht anders könnten, als Reformbereitschaft zu signalisieren.

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Linken-Chef bewundert Papst für Äußerungen zu Wirtschaft – Riexinger: Teile der Kirche sind Bündnispartner der Linken

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Für Bernd Riexinger sind Teile der katholischen Kirche Bündnispartner. Der Linken-Vorsitzende sieht viele Gemeinsamkeiten, etwa zwischen der katholischen Soziallehre und einem Vordenker der Kommunismus.

katholisch.de

Der Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger sieht „zumindest Teile der katholischen Kirche“ als Bündnispartner seiner Partei. Riexinger sagte am Sonntag in Stuttgart, in den vergangenen Jahren seien zwischen der Linken und der Kirche Berührungsängste abgebaut worden. Inzwischen träfen sich Kirchenvertreter „mit uns wie mit anderen Parteien“.

Mit Blick auf den Papst sagte Riexinger, Franziskus greife teilweise zu Formulierungen, die sich „selbst Linken-Politiker nicht zu sagen trauten“.

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Genfer Staatsangestellte dürfen kein Kopftuch, keine Kippa und kein Kreuz mehr tragen

Der Kanton Genf präzisiert den Umgang mit den verschiedenen Religionsgemeinschaften. Parlamentariern und staatlichen Mitarbeitern ist das Tragen von religiösen Symbolen nunmehr verboten. Das letzte Wort zum neuen Laizitätsgesetz sprechen aber die Gerichte.

Antonio Fumagalli |Neue Zürcher Zeitung

Der Kanton Genf ist in religiöser Hinsicht schon seit über einem Jahrhundert der radikalste Kanton der Schweiz. Das Prinzip der Laizität – also der Trennung zwischen Kirche und Staat – wurde schon 1907 festgehalten und nur gerade Neuenburg folgte dem Beispiel 1941, wenn auch aus anderen Beweggründen. Die Verfassungsänderung von 2012 bestätigte die Genfer Laizität.

Auf Bestreben von Staatsrat Pierre Maudet (fdp.) präzisierte in der Folge eine Arbeitsgruppe den Verfassungsgrundsatz. Das daraus entstandene Laizitätsgesetz fand im Parlament eine komfortable Mehrheit, nicht weniger als vier verschiedene Gruppierungen ergriffen jedoch das Referendum – vergeblich. Am Sonntag nahmen 55,05 Prozent der Stimmbevölkerung das neue Gesetz an.

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Wer ist wir?

Der französische Philosoph Tristan Garcia fragt nach den Grundlagen eines politischen Subjekts. (Bild: Basso Cannarsa / Opale / Bridgeman)
Philosophie «Wir» ist die politische Kategorie schlechthin. Tristan Garcia geht ihm auf den Grund.

Von Nina Fargahi | NZZamSonntag

Wir sprechen stets im Namen eines «Wir». Egal, worüber wir sprechen – über Rassismus, Sexismus, Feminismus, über Tierrechte oder über «den» Islam. Dieses «Wir» ist die politische Kategorie schlechthin. Doch wer ist «wir»? Was passiert, wenn wir «wir» sagen? Und wie hat sich diese Identitätsbildung in den letzten zwei Jahrhunderten entwickelt?

Um diese Fragen zu beantworten, lässt der französische Philosoph Tristan Garcia in seinem neuen Buch «Wir» keinen Stein auf dem anderen. Wie könne es sein, dass «wir Feministinnen», die zeitlebens für die Wahlfreiheit, gegen das Patriarchat und für das Recht, Hosen zu tragen, nun beschuldigt werden, unfreiheitlich zu handeln, weil wir muslimischen Frauen nicht das Recht zugestehen würden, ihr Gesicht zu verschleiern?, fragt er.

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Ich will, wo Es ist: Versuch einer kleinen Psychopathologie der Neuen Deutschen Rechten

Grafik: TP
Wie krank sind Rechtspopulisten und Rechtsextremisten? Versuch einer kleinen Psychopathologie der Neuen Deutschen Rechten

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Die ersten Gerüchte über Chemnitz, gestreut in den rechten Wahnräumen des Netzes, waren eindeutig sexuell konnotiert: Eine deutsche Frau sei von dunkelhäutigen Ausländern sexuell belästigt worden, die drei Deutsche töteten, als diese versuchten, die bedrängte Frau zu schützen. Die erste rechtsextreme Gewaltwelle, die sich spontan in Chemnitz am 26. August 2018 entlud, wurde gerade durch diese Gerüchte von einer versuchten Vergewaltigung durch Flüchtlinge angefacht.

Und dies ist ein immer wiederkehrendes Motiv der paranoiden rechten Gewaltphantasien, die einen regelrechten „Genozid“ am „deutschen Volk“ halluzinieren. Immer wieder erfinden Rechte schlicht sexuelle Übergriffe, wie etwa die angebliche Gruppenvergewaltigung einer Verkäuferin durch Flüchtlinge in Zwickau. In Görlitz wiederum hielten sich tagelang Gerüchte um Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer auf dem Gelände des dortigen Klinikums.

Auch in Chemnitz gab es im Vorfeld der Geschehnisse Ende August Gerüchte über Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer. Die in der Neuen Rechten allgegenwärtige, sexualisierte Angst vor dem Völkermord an den Deutschen, vor der „Umvolkung“ Deutschlands, sie ist eingebettet in einen hysterischen Opferwahn, der inzwischen bizarre Ausmaße angenommen hat.

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School shooters usually show these signs of distress long before they open fire: study

Image: AlterNet
Two years before he lined his schoolmates up against a classroom wall and executed them one by one, the student, who would become the gunman, tried to show his English teacher something important.

The Conversation | AlterNet

He had quietly slid up his sleeves to reveal the cut marks running down his arms. The teacher panicked. A novice educator at the time, she had never been coached or trained in what to do in these situations, what to say or how to help. So she passed the student off to another teacher, who then filed a form with the principal’s office. She felt fairly certain nothing else came of it.

“He was asking for help,” the teacher said in reflecting on the encounter during a recent interview. “If I’d had some training to help him, a five-step sheet to follow, say this, say that, maybe I could have made a difference?”

The story is one of dozens that we have collected over the past two years in our effort toward studying the life histories of mass shooters. It typifies what we believe is one of the biggest challenges that schools face when it comes to averting school shootings – and that is recognizing and acting upon warning signs that school shooters almost always give well before they open fire.

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Kritik an Anwerbung Minderjähriger bei der Bundeswehr

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Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat die Anwerbung und den Dienst von Minderjährigen bei der Bundeswehr kritisiert. Seit 2011 habe die Bundeswehr rund 12.000 Minderjährige an der Waffe ausgebildet, erklärte EAK-Sprecher Wolfgang Buff am Sonntag in Bonn.

evangelisch.de

„Jeder zwölfte Rekrut in der Truppe ist minderjährig.“ Das sei nicht akzeptabel, erklärte Buff zum Red Hand Day, dem Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar.

Buff kritisierte vor allem die „sehr offensive Werbung“ der Bundeswehr in Schulen und sozialen Medien. „Es ist bedenklich, wenn angesichts des offensichtlich größer werdenden Nachwuchsmangels der Rekruten-Alltag in der Werbung als Abenteuerurlaub dargestellt wird, aber die gefährlichen Einsätze ausgeblendet werden“, warnte der Sprecher des evangelischen Friedensverbandes.

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Braucht die Naturforschung eine metaphysische Grundlage?

Martin Mahner Naturalismus Verlag: Alibri, Aschaffenburg 2018 ISBN: 9783865692238 | Preis: 18,00 €

In der Regel kommen Forscher bei ihrer Arbeit ohne Philosophie zurecht. Ein neues Buch bringt nun eine »Metaphysik der Wissenschaft« ins Gespräch.

Von Michael Springer | Spektrum

Philosophen bezeichnen die gewöhnliche Einstellung der Naturwissenschaftler als Naturalismus. Damit ist die Überzeugung gemeint, dass es in der Welt mit rechten Dingen zugehe: Die Natur mag zwar immer wieder für Überraschungen gut sein, aber diese lassen sich stets als Ergebnis gewisser regelhafter Zusammenhänge erklären. Für alles, was in der Welt vorgeht, existieren natürliche, das heißt mit den Mitteln der empirischen Forschung feststellbare Ursachen. Mit anderen Worten: Wunder, also diesen Rahmen sprengende »übernatürliche« Ursachen, gibt es nicht.

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Türkei: Neue Fragen zum Ablauf des Putschversuchs 2016

Bild: FB
Das Protokoll eines Staatsanwaltes aus der Putschnacht bestärkt den Verdacht einer Inszenierung

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Kritiker des türkischen Präsidenten Erdogan vermuteten schon kurz nach dem Putschversuch im Juli 2016, dass es sich um eine Inszenierung handeln könnte, die den Startschuss zur Eliminierung der Opposition in einem vorher nicht dagewesenen Ausmaß gab.

Erdogan beschuldigte den im amerikanischen Exil lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen, den Putsch vorbereitet zu haben. Einst waren Erdogan und Gülen beste Freunde – bis Gülen 2013 bewirkte, dass die türkische Justiz umfassende Korruptionsermittlungen zu Politikern und Geschäftsleuten aus dem Umfeld des damaligen Regierungschefs einleitete. Schon damals warf Erdogan dem Prediger einen Putschversuch vor.

Er ließ tausende Polizisten, Staatsanwälte und Richter, die angeblich zur Gülen-Bewegung gehörten, entlassen oder versetzen. Bei dem erneuten Putschversuch 2016 nutzte Erdogan die Gunst der Stunde, nicht nur gegen die Gülen-Bewegung vorzugehen, sondern gegen die komplette Opposition, allen voran gegen die demokratische Partei HDP. Kritiker brachten den Putschversuch immer wieder mit den darauf folgenden parlamentarischen Aktivitäten in Verbindung, die Erdogans alleinige Macht mittels eines Referendums festschrieb.

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The Philosopher Who Says We Should Play God

Illustration by Jackie Ferrentino/ NAUTILUS
Why ethical objections to interfering with nature are too late.

By Steve Paulson | NAUTILUS

Australian bioethicist Julian Savulescu has a knack for provocation. Take human cloning. He says most of us would readily accept it if it benefited us. As for eugenics—creating smarter, stronger, more beautiful babies—he believes we have an ethical obligation to use advanced technology to select the best possible children.

A protégé of the philosopher Peter Singer, Savulescu is a prominent moral philosopher at the University of Oxford, where he directs the Uehiro Centre for Practical Ethics. He also edits the Journal of Medical Ethics. Savulescu isn’t shy about stepping onto ethical minefields. He sees nothing wrong with doping to help cyclists climb those steep mountains in the Tour de France. Some elite athletes will always cheat to boost their performance, so instead of trying to enforce rules that will be broken, he claims we’d be better off with a system that allows low-dose doping.

So does Savulescu just get off being outrageous? “I actually think of myself as the voice of common sense,” he says, though he admits to receiving his share of hate mail. He’s frustrated by how hard it is to have reasoned arguments about loaded issues without getting flamed on the Internet. Savulescu thinks we need to become far more adept at sorting out difficult moral issues. Otherwise, he says, the human species will face dire consequences in the coming decades.

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Hauptsache weiterhin männlich – die verzweifelte Suche der Kirche nach Priestern

Iranische Priester feiern die Weihnachtsmesse in der Katholischen Kirche Saint Joseph Chaldean-Assyrian, in Teheran. Bild: AP
Der katholischen Kirche gehen die Priester aus, also weiht sie jetzt Quereinsteiger zu Priestern. Gerne auch ohne Abitur. Zwei Voraussetzungen für „Spätberufene“ gibt es dann aber doch: Sie müssen schon einmal gearbeitet haben – und natürlich ein Mann sein.

watson.ch

Ausgerechnet beim Niederknien zum Beten hat sich Wolfgang Ehrle eine Zerrung zugezogen. So ganz jung ist er mit seinen 45 Jahren eben nicht mehr. Dennoch beginnt er gerade noch mal ganz von vorn: Nach vielen Jahren als Großhandelskaufmann lässt er sich als Quereinsteiger zum Priester ausbilden. Die katholische Kirche unterhält dafür in dem kleinen Ort Grafschaft in Rheinland-Pfalz nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen ein spezielles Ausbildungszentrum, das Studienhaus St. Lambert. Es ist deutschlandweit einzigartig.

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Dinosaurier mit riesigen Stacheln entdeckt

Der argentinische Paläontologe Pablo Gallina neben einem Replik des Skeletts des neu entdeckten Dinosauriers Bajadasaurus pronuspinax in Buenos Aires. (Bild: Agustin Marcarian / Reuters)
In Anlehnung an den Fundort Bajada Colorada nannten die Paläontologen die neue Spezies der Pflanzenfresser Bajadasaurus pronuspinax. Die Funktion der Stacheln ist umstritten. Mit der Entdeckung des Bajadasaurus hoffen die Forscher, offene Fragen dieser Art beantworten zu können.

Neue Zürcher Zeitung

Wesen wie aus einem Star-Wars-Film streiften vor rund 140 Millionen Jahren durch das Gebiet des heutigen Argentinien. Die Dinosaurier hatten enorme Stacheln am Hals, die teils mehr als einen Meter lang waren. Der Paläontologe Pablo Gallina und sein Team fanden Überreste eines Tiers in der Region Patagonien, wie die Forscher im Fachmagazin «Scientific Reports» schreiben. Den neu entdeckten Dino nannten sie Bajadasaurus pronuspinax, in Anlehnung an den Fundort Bajada Colorada in der Provinz Neuquén. Der Dinosaurier gehört zur pflanzenfressenden Familie der Dicraeosauridae.

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Theologen diskutieren die Folgen der Missbrauchskrise: „Rezept für ein Desaster“

Missbrauch in der Kirche (Symbolbild) © Pixabay
Sexualmoral, Zölibat und Klerikalismus – drei Schlagworte aus der Debatte um die Folgen aus der Missbrauchsstudie der katholischen Kirche. Auf einer Tagung in Würzburg haben Theologen dazu nun Stellung bezogen.

DOMRADIO.DE

„Ein Monolith aus römischen Marmor“, so beschreibt Kai Christian Moritz die Theologie, wie er sie früher erlebt hat. Moritz ist Missbrauchsopfer – „Überlebender“, sagt er. Und der Schauspieler studiert mittlerweile Theologie. Ausgerechnet die Wissenschaft, die der „Täterorganisation das Skript für die Taten“ geliefert habe. Er fragt: „Wie konnte eine so hoffnungsvolle und frohe Botschaft so entstellt und beschmutzt werden?“ 140 Menschen aus Deutschland, Österreich und Lichtenstein suchen darauf Antworten bei einer Fachtagung am Samstag in Würzburg.

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