Magnetfeld schwingt wie eine Trommel – NASA-Satelliten weisen erstmals stehende Wellen an der Außenhülle des Erdmagnetfelds nach

Wenn ein besonders schneller, kurzer Sonnensturm das Erdmagnetfeld trifft, verursacht dies stehenden Wellen in der Magnetopause (blau) und im Inneren der Magnetosphäre (grün). © E. Masongsong/UCLA, M. Archer/QMUL, H. Hietala/UTU
Schützende Vibration: Wenn ein heftiger Sonnensturm das Erdmagnetfeld trifft, schwingt dessen Außengrenze wie ein Trommelfell – es bilden sich stehende Wellen. Solche Wellenmuster in der Magnetopause wurden schon vor 45 Jahren theoretisch vorhergesagt. Doch erst jetzt ist es gelungen, sie mithilfe der THEMIS-Satelliten der NASA eindeutig nachzuweisen, wie Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“ berichten.

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Dank der komplexen Schichten der irdischen Magnetosphäre sind wir vor der kosmischen Strahlung und dem Sonnenwind geschützt. Nur ein kleiner Teil der energiereichen Teilchen kann bei starken Sonnenstürmen bis in die obere Atmosphäre eindringen – und verursacht prächtige Polarlichter. Doch der Aufprall eines solchen Plasmasturms geht auch an der Magnetopause, der äußeren Grenzzone des Magnetfelds, nicht spurlos vorüber: Durch explosive Kontakte zwischen Magnetfeldlinien schießen Elektronenfontänen weit ins All hinaus, wie Forscher kürzlich herausfanden.

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Die Menschen erzählen der Welt von den Göttern, und die Götter erklären den Menschen die Welt

Religion kann Gemeinschaft stiften: Madonna mit dem Schutzmantel, um 1480. (Bild: Staatliche Museen zu Berlin)
In Mythen und Ritualen verständigen sich Gesellschaften über sich selber. Der Kunsthistoriker Neil MacGregor fragt in seinem neuen Buch, was es heisst, mit Göttern zu leben.

Clemens Klünemann | Neue Zürcher Zeitung

Vor über dreissig Jahren erschien ein kleines Büchlein des französischen Altphilologen Paul Veyne, der sich und seine Leser fragte: Glaubten die Griechen an ihre Mythen? Es ging Veyne natürlich nicht um ein schlichtes Ja oder Nein. Vielmehr wollte er zeigen, dass «glauben» im antiken Griechenland keine Bedeutung hatte.

Für die Griechen gab es das Wagnis des Glaubens schlichtweg nicht, denn der Mythos erzählte davon, wie die Welt war und wie sich eine Gruppe wie «die Griechen» konstituierte. Es ist dieser Identität stiftende Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch Neil MacGregors Buch «Leben mit den Göttern» zieht – ein Buch wie ein Begleiter für eine Welt und noch mehr für eine Zeitreise.

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Warum die Kirche ein Ende der Staatsleistungen vorschlagen sollte

Bild: tilly
Finanzielle Staatsleistungen an die Kirche sind fragwürdig, findet Tilmann Kleinjung. Daher wären beide Seiten gut beraten, sich bald auf ihre Ablösung zu verständigen. Das hätte einen Vorteil für die Kirche.

Von Tilmann Kleinjung | katholisch.de

Politiker der Oppositionsparteien in Berlin wollen die Staatsleistungen abschaffen. Allein im vergangenen Jahr haben die Bundesländer den Kirchen 520 Mllionen Euro überwiesen: für die Gehälter von Bischöfen und geistlichem Spitzenpersonal, für den Unterhalt und die Sanierung von Kirchengebäuden. All das finanziert der Steuerzahler Jahr für Jahr, ob er nun Mitglied einer Kirche ist oder nicht. Im Sinne einer sauberen Trennung von Staat und Kirche ist das fragwürdig. Beide Seiten wären gut beraten, sich möglichst bald auf eine Ablösung der Staatsleistungen zu verständigen, so wie es die Weimarer Reichsverfassung schon vor 100 Jahren vorgesehen hat.

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Kosslicks Volkspädagogik für die AfD endet als traurige Farce

Berlinale-Chef Dieter Kosslick Quelle: REUTERS
Berlinale-Chef Kosslick wollte das Filmfestival und den Holocaust aus Selbstgerechtigkeit missbrauchen: Er lud AfDler ein – die ihrerseits eine Selbstinszenierung planten, aber von Vermummten attackiert wurden. Was für eine unappetitliche Chose.

Von Alan Posener | DIE WELT

Berlinale-Chef Dieter Kosslick lud alle AfD-Mitglieder ein, auf seine Kosten den Film „Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto“ zu besuchen. „Und wenn sie dann noch sagen, das ist ein Fliegenschiss, dann muss ich sagen, sollte vielleicht jemand anderes einschreiten als die Filmemacher.“

„An wen haben Sie da gedacht?“, fragte ich Kosslick. „Und an was für ein ‚Einschreiten‘?“ Seine schriftliche Antwort: „Ist doch klar: Jetzt sind die Staatsanwälte und Strafgerichte zuständig.“ Meint Kosslick, für die Verweigerung politischer Umerziehung sei die Justiz verantwortlich?

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Das Anthropozän beginnt mit der Eroberung Amerikas

Darstellung von De Bry in Brevísima von De las Casas. Bild: public domain
Die Kleine Eiszeit ist nach einer Studie Folge der europäischen Invasion, durch die 90 Prozent der Indianer starben

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Eroberung Amerikas durch die europäischen Invasoren mit ihrer überlegenen Waffentechnik, ihrer Skrupellosigkeit und vermeintlichen rassischen Überlegenheit der christlich-abendländischen Tradition war ein regelrechter Völkermord. Die Indianer wurden vertrieben, getötet, versklavt und malträtiert, viele starben an Hunger und vor allem auch an den Seuchen, die die Eroberer wie Pocken oder Masern mit ins Land brachten. Mit der Eroberung blieb von der Bevölkerung der präkolumbianischen Zeit nur noch ein Bruchteil übrig.

Geografen des University College London und der University of Leeds sind nun einer interessanten Verbindung nachgegangen und versuchen zu zeigen, dass das Massensterben der amerikanischen Bevölkerung ein Auslöser der Kleinen Eiszeit gewesen sein könnte, die vom 16. Jahrhundert und bis Mitte des 19. Jahrhunderts anhielt. Das wäre auch ein Beleg dafür, dass die Menschen schon vor dem Anthropozän das Klima beeinflusst haben. Allerdings gibt es Hinweise, dass die Kleine Eiszeit früher begonnen hat, vielleicht bereits im 13. Jahrhundert. Allerdings nahm die Kälte im 16. und 17. Jahrhundert zu.

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Wie die Pille die Wahrnehmung stört: Verhütende Frauen können Gesichtsausdrücke schlechter deuten

Millionen Frauen nehmen die Pille – und nehmen dabei einige Nebenwirkungen in Kauf. © areeya_ann/ istock
Blind für Emotionen? Die Antibabypille wirkt sich offenbar negativ auf die emotionale Wahrnehmung aus. So zeigt ein Experiment: Frauen, die mithilfe oraler Kontrazeptiva verhüten, können Gesichtsausdrücke schlechter deuten. Im Vergleich zu nicht verhütenden Frauen haben sie demnach größere Probleme damit, Gefühle an subtilen Veränderungen der Augenpartie abzulesen. Dies gilt vor allem für komplexe und schwer zu erkennende Emotionen, wie die Forscher berichten.

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Die Antibabypille ist heute eines der beliebtesten Verhütungsmittel. Gleichzeitig wird das Medikament aber zunehmend kritisch gesehen, weil es bedenkliche Nebenwirkungen haben kann. So erhöht das Kontrazeptivum das Risiko für Thrombosen und Brustkrebs und wirkt sich auch auf die Psyche aus. Viele Frauen, die die Pille nehmen, klagen etwa über Stimmungsschwanken und ein vermindertes sexuelles Lustempfinden. Zudem wird ein Zusammenhang mit dem Auftreten von Depressionen diskutiert.

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Staatliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften: ein Auslaufmodell?

Das Minarett der Mahmud-Moschee in Zürich. (Bild: Alessandro Della Bella / Keystone)
In der Referendumsdemokratie erfolgt die rechtliche Anerkennung erst dann, wenn eine Religionsgemeinschaft als gesellschaftlich integriert wahrgenommen wird.

René Pahud de Mortanges | Neue Zürcher Zeitung

Mit der öffentlichrechtlichen Anerkennung spricht ein Kanton einer Kirche gesellschaftliche Relevanz zu, gewährt ihr eine Reihe von Rechten und unterwirft sie staatlichen Organisationsvorschriften. Angesichts der rapiden Säkularisierung der Gesellschaft stellt sich die Frage, ob dieses in den 1960er Jahren für die damaligen Volkskirchen entwickelte Rechtsinstitut noch seine Berechtigung hat. Ist es nicht Zeit für eine strikte Trennung von Staat und Kirche, so wie dies etwa der Präsident der Freidenker-Vereinigung fordert? Kommt hinzu, dass sich die Ausdehnung des Anerkennungsrechts auf andere Religionsgemeinschaften als schwierig gestaltet. Zwar konnten in den letzten Jahrzehnten in sechs Kantonen jüdische Gemeinschaften anerkannt werden. Die Angst vor «Sekten» ebenso wie die hitzige Islamdebatte hat aber mancherorts zu politischer Stagnation in diesem Bereich geführt. Das System der staatlichen Anerkennung steht vor grossen Herausforderungen, zu denen auch gelegentliche Infragestellungen aus gewissen Kreisen der römisch-katholischen Kirche gehören.

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Die „entjudete“ Bibel: Interview mit Religionswissenschaftler Dirk Schuster zur Schaffung einer „entjudeten Bibel“ in der NS-Zeit

Propaganda der „Deutschen Christen“ in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Es ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland: Im Jahr 1939 gründeten elf evangelische Landeskirchen im thüringischen Eisenach das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“. Ihm gehörten rund 200 Kirchenvertreter, Wissenschaftler und Pfarrer an. Der Potsdamer Religionswissenschaftler Dirk Schuster hat sich in seiner Promotion mit dem protestantischen „Entjudungsinstitut“ beschäftigt. Bei einem Vortrag im Jüdischen Museum Augsburg am Donnerstag (14. Februar) spricht er über das Selbstverständnis des Instituts und über das Buch „Die Botschaft Gottes“ – eine „entjudete“ Bibel, die das Institut 1940 veröffentlichte.

evangelisch.de

Herr Schuster, wenn Jesus in der „entjudeten Bibel“ nicht mehr Jude war – was war er dann?

Dirk Schuster: Er wurde zum Arier gemacht. Die entjudete Bibel wurde begleitet von zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Mit teils skurrilen Beweisführungen zeigte man darin, dass Jesus nicht-jüdisch sei. So wurde etwa behauptet, dass Galilea eine der möglichen Ursprungsregionen der Arier war. Die Juden seien erst 150 vor Christus dort gesiedelt und hätten die Bevölkerung zwangsjudaisiert. Dass Jesus‘ Eltern Juden waren, sei daher nur einem Konfessionswechsel geschuldet. Aus rassischer Perspektive betrachtet seien sie Arier gewesen – und damit auch Jesus. In diesem Sinne wurde die Bibel umgeschrieben. Das Alte Testament ließ man weg, ebenso jene Teile im Neuen Testament, die nicht zur Lehre vom „arischen Christentum“ passten. Nur Berichte, in denen die Juden schlecht wegkamen, blieben drin.

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Canisius-Rektor verteidigt Einstellung von Lehrerin mit Kopftuch: Lehrkräfte als „Sparringspartner“

Themenbild
Der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Tobias Zimmermann, hat die Einstellung einer Kopftuch tragenden muslimischen Lehrerin in dem Jesuitengymnasium verteidigt. „Religiöse Symbole gehören in die Schule“, sagte Zimmermann.

DOMRADIO.DE

Es diene der Persönlichkeitsentwicklung von Schülern, wenn sie sich an den religiösen Positionen ihrer Lehrkräfte reiben könnten, erklärte Zimmermann am Montagabend bei einer Veranstaltung in der Berliner Katholischen Akademie. Diese dürften die Schüler mit ihren Vorstellungen jedoch nicht „überwältigen“, sondern müssten sich als eine Art „Sparringspartner“ verstehen.

Mit der Einstellung der Muslimin hatte das Canisius-Kolleg 2017 bundesweit Aufsehen erregt. Das Berliner Neutralitätsgesetz verbietet den Lehrkräften an staatlichen allgemeinbildenden Grundschulen, im Dienst religiös geprägte Kleidung zu tragen.

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Donald Trump und die Künstliche Intelligenz

Grafik: TP
Symbolpolitisch will Trump die Entwicklung der KI fördern, aber seine „KI-Initiative“ offenbart, dass er mit dem Rücken zur Zukunft steht

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Donald Trump hat gestern eher nebenbei die executive order „Accelerating America’s Leadership in Artificial Intelligence“ unterzeichnet, nach der die Behörden und Ministerien angewiesen werden, die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) vorrangig zu behandeln. Damit kommt der Bau-Mogul, der symptomatisch von einer Beton- oder Stahlmauer an der Grenze zu Mexiko träumt, sogar noch später als Deutschland und auch erst nachdem Russland KI-Entwicklung als Topthema gesetzt hat.

Bekanntlich hat die deutsche Bundesregierung Ende des letzten Jahres eine „KI-Strategie“ mit großer Geste und wenig Ressourcen beschlossen, um mit ganzen 3 Milliarden Euro bis 2025 zu einem global player in Sachen KI zu werden. Aber nach Medienberichten tut sich bislang nicht viel.

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Achtsam statt einsam: Kann Achtsamkeitstraining einsamen Menschen helfen?

Hilft Achtsamkeit bei Einsamkeit? © Maryna Patzen/ istock
Weg aus der Einsamkeit: Einsamen Menschen können womöglich Achtsamkeitsübungen helfen. Denn sie unterstützen Betroffene dabei, sich selbst zu akzeptieren – und somit auch offener gegenüber anderen zu werden, wie eine Studie zeigt. Probanden, die ein zweiwöchiges Training zur Achtsamkeit absolviert hatten, fühlten sich demnach nicht nur weniger einsam. Sie hatten im Alltag tatsächlich auch mehr soziale Interaktionen als vorher.

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Wer sich einsam fühlt, leidet längst nicht nur psychisch: Das Gefühl der sozialen Isolation kann auf Dauer auch konkrete körperliche Auswirkungen haben. So belegen Studien, dass einsame Menschen schlechter schlafen, anfälliger für Stress sind und Schmerzen oder Krankheitssymptome als schlimmer empfinden. Zudem hemmt die Einsamkeit das Immunsystem, sodass Betroffene häufiger krank werden – und möglicherweise sogar schneller altern.

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Strafantrag wegen Läuten von Nazi-Glocken: Justiz eingeschaltet

Themenbild. Hitlerglocke Herxheim am Berg. Bild: screengrab Youtube.
Es gibt nun ein juristisches Nachspiel: Wegen sogenannter Nazi-Glocken in Thüringen ist gegen die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und ihre Landesbischöfin Ilse Junkermann eine Strafanzeige gestellt worden.

DOMRADIO.DE

Wie die Staatsanwaltschaft Erfurt am Dienstag auf Anfrage bestätigte, ging die Anzeige dort ein. „Es wird nun geprüft, ob Ermittlungen aufgenommen werden“, erklärte Oberstaatsanwalt Hannes Grünseisen.

In dem Strafantrag des Klägers, der auf den 2. Februar datiert ist und der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, wird der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) vorgeworfen, mit der Bewahrung und Weiternutzung von sechs Kirchenglocken mit nationalsozialischen Symbolen und Inschriften in „fünf standortverschwiegenen Kirchen in Thüringen“ gegen das Strafgesetzbuch zu verstoßen.

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Katalanische Separatisten vor Gericht – der Vorwurf der Rebellion ist absurd

Die zwölf Angeklagten: Die meisten gehörten der katalanischen Regionalregierung an und wurden Ende Oktober 2017 von der Zentralregierung abgesetzt. (Bild: EPA)
Das Verfahren gegen die katalanischen Separatistenführer findet nicht abgeschottet im Gerichtssaal statt, sondern mitten in der Öffentlichkeit.

Andres Wysling | Neue Zürcher Zeitung

Der am Dienstag beginnende Prozess gegen die Anführer der spanischen Separatisten in Madrid ist unter verschiedenen Aspekten ein politischer Prozess. Verhandelt wird eine politische Straftat: die Durchführung des illegalen Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien vom 1. Oktober 2017.

Sie wurde begangen, weil die politischen Instanzen keine politische Lösung für ein politisches Problem zustande brachten. Die Katalonien-Frage ist weiterhin ungelöst, sie kann auch nicht durch die Richter entschieden werden. Der juristische Prozess wird den politischen Prozess beeinflussen – und umgekehrt.

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