Intermezzo: Bildung und Individualismus


Bild: Gerd Altmann / Pixabay
Oder: Wie wir uns Tag für Tag selbst an der Nase herumführen

Stephan Schleim | TELEPOLIS

Bildung. Ein großes Wort. Oft wird sie gefordert. Wir haben Bildungspolitiker, Bildungsaufträge, etwas altmodisch anmutend auch Bildungsanstalten, so wie es früher einmal Badeanstalten gab. Aber was heißt Bildung? Wofür brauchen wir sie?

Der eigentliche Wortsinn fiel mir erst auf, nachdem ich merkte, dass im Niederländischen für „Bildung“ das Wort „vorming“ (Formung) verwendet wird, etwa in der Form: „academische vorming“, die meine Kolleginnen und Kollegen mitunter fordern, also akademische Bildung.

Nun ist aber in Diskussionen „academische vorming“ hier in aller Regel so unbestimmt, dass viele Niederländer auf das deutsche Wort „Bildung“ ausweichen. Es steht sogar im Wörterbuch und wird dort als „algemene ontwikkeling“ (allgemeine Entwicklung) erklärt. Das ist für die drei dicken Bände des Grote van Dale, vergleichbar mit unserem Duden, doch eher dünn. Gerade dann, wenn man bedenkt, dass gebildete Menschen dieses Wörterbuch zusammenstellten.

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