Der bisherige Rechtsstaat kann nicht alle Einwanderer integrieren. Das kann nur eine anspruchsvollere Idee von Staatsbürgerschaft


Die Einwanderungswelle der vergangenen Jahre stellt Europa vor grosse Herausforderungen. Flüchtlinge und Migranten wollen in Gesellschaften integriert sein – ein Prozess, der nicht beliebig zu beschleunigen ist. Entscheidend für den Erfolg ist nicht die Frage nach der Kultur, sondern der Geist der Gesetze.

Leander Scholz |Neue Zürcher Zeitung

Sie kamen aus Italien oder Spanien, aus Griechenland oder der Türkei, später auch aus Portugal und Tunesien. Als sie sich aufmachten, war die Bezeichnung Gastarbeiter noch nicht gebräuchlich. Nicht nur in Deutschland und Frankreich, auch in der Schweiz und in den meisten nordeuropäischen Ländern gab es einen Mangel an Arbeitskräften. Anfang der siebziger Jahre, als sich der Aufschwung abschwächte, liess die Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer nach. Viele gingen wieder zurück. Viele blieben aber auch. Das Wort Gastarbeiter passte nun nicht mehr. Ein Gast kommt und geht wieder. Aus ausländischen Arbeitskräften aber wurden Einwanderer, auch wenn sie häufig alles andere als gastlich behandelt wurden.

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