Bedrohliche Verarmung in arabischen Ländern


Tahrirplatz, Kairo, 2011. Foto: Ramy Raoof/ CC BY 2.0
250 Millionen Menschen sind „arm, gefährdet und marginalisiert“. Wie mit der Jugendarbeitslosigkeit umgegangen wird, bestimmt die Zukunft der Region

Thomas Pany | TELEPOLIS

Bessere Ausbildung heißt längst nicht oder nicht mehr, dass sie auch einen besseren Job garantiert. Diese Aussage gehört zu den bitteren Einsichten in einem Artikel über Aussichten in arabischen Ländern. Dort erklärt Khalid Abu-Ismail, ein UN-Experte für Armut, dass eine bessere Ausbildung und ein größeres Augenmerk für den Gesundheitszustand oder die Fitness anders als noch in früheren Jahrzehnten nicht unbedingt zu einem besseren Leben führen.

Es gibt zu wenig Jobs für qualifizierte Arbeit. Das ist der wunde Punkt.

Man kennt in den Industriestaaten die Aussage, wonach es die Jüngeren nicht mehr so gut haben werden wie die Älteren, zur Genüge. In den arabischen Ländern hat das aber seine eigenen Schärfen. Aus der Perspektive der „Entwicklungshilfe“ heraus wurde die Ansicht gepflegt, dass sich alles zum Besseren verändern würde, wenn nur die Schul- und Berufsausbildung und die gesundheitliche Versorgung verbessert würden.

Dieser Ansatz ist zentral etwa für die UN-Berichte zum Arab Human Development – und der Ansatz allein ist schwierig genug, weil damit viele Umwälzungen verbunden sind. Man muss nur „Gleichstellung der Frauen“ in diesen Wald der Schwierigkeiten hineinrufen und was dann an Lärm zurückkommt, ist nur eine Kostprobe.

Das gegenwärtige Fazit sieht aber so aus, dass Schulausbildung und bessere Gesundheitspolitik gar nicht reichen. Bei weitem nicht. Ein Musterbeispiel dafür wäre Tunesien, wo, man erinnert sich, die Aufstände von 2010/2011 mit einer Jugendarbeitslosigkeit zu tun hatten, vor der auch eine Universitätsausbildung nicht schützte.

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