Fanatische und bürokratische Mittäter haben in ganz Europa für Hitler gearbeitet

Niederländische Soldaten werden im Mai 1942 für den Einsatz an der Ostfront vereidigt. (Bild: Keystone / Scherl)
Das Zerstörungswerk der Nationalsozialisten hat seine monströsen Dimensionen auch darum annehmen können, weil es in etlichen Ländern willige Kollaborateure fand. Das zeigt der Historiker Klaus Kellmann in einer breit angelegten Studie.

Clemens Klünemann | Neue Zürcher Zeitung

Im vergangenen Herbst musste es Frankreichs Präsident wieder erfahren: Nationale Erinnerung ist inzwischen ein immer stumpferes Schwert im Kampf um die Deutungshoheit über die Vergangenheit. Als Emmanuel Macron nämlich anlässlich der Feiern zum 100. Jahrestag des Kriegsendes 1918 an die Verdienste Philippe Pétains erinnerte, der durch die Beharrlichkeit vor Verdun den französischen Sieg erst möglich gemacht habe, sprach er voller Anerkennung von einem Mann («un grand soldat»), der gleichzeitig auch für eine Periode der französischen Geschichte steht, die man in Frankreich am liebsten vergässe und lange Zeit auch vergessen hat.

Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger erwähnte Macron durchaus und gleichzeitig, dass die dunklen Jahre der deutschen Besatzung (1940–1944) durch die unsägliche und folgenreiche Entscheidung Pétains zur «Collaboration» geprägt gewesen seien, wies indes jegliche Kritik an seinem merkwürdigen Erinnerungsspagat als Polemik («fausse polémique») zurück.

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Wie gelangen Schwermetalle in Bier und Wein? Arsen und Co können aus Filtermaterial in die alkoholischen Getränke übergehen

Bier kann giftige Schwermetalle wie Arsen enthalten. © Givaga/ thinkstock
Belastete Genussmittel: Bier und Wein können mit giftigen Schwermetallen wie Arsen belastet sein – auch in Deutschland. Eine mögliche Quelle dieser Kontamination haben Forscher nun bestätigt. Demnach gelangen die Stoffe über ein bei der Produktion häufig verwendetes Filtermaterial in die Getränke – die Kieselgur. Die gute Nachricht: Es gibt Möglichkeiten, diesen Schwermetalltransfer zu reduzieren.

scinexx

Unsere Umwelt ist vielerorts mit gesundheitsschädlichen Schwermetallen kontaminiert. Quecksilber, Arsen, Blei, Cadmium und Co können auf natürlichem Wege in Boden und Grundwasser gelangen, aber auch durch Erzabbau, Industrie- und Verkehrsabgase sowie landwirtschaftliche Düngemittel und Pestizide. Dadurch sind auch Lebensmittel wie Reis, Pilze und Salat inzwischen häufig mit Schwermetallen belastet.

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„Witbooi-Bibel“ und Peitsche dürfen an Namibia zurückgegeben werden

Die historische „Witbooi-Bibel“ darf an den Staat Namibia zurückgeben werden. Der baden-württembergische Verfassungsgerichtshof wies einen Antrag der Vereinigung der Nama-Stammesältesten (NTLA) zurück.

evangelisch.de

Die Angehörigen des Volkes Nama hatten die für den 1. März geplante Übergabe der geraubten Familienbibel und der Viehpeitsche des namibischen Nationalhelden Hendrik Witbooi (1834-1905) an die namibische Regierung verhindern wollen.

Es sei weder dargelegt noch ersichtlich, in welchen sich aus der baden-württembergischen Landesverfassung ergebenen Rechten die Stammesältesten durch die bevorstehende Rückgabe verletzt sein sollten, teilte das Gericht mit. Es spreche viel dafür, dass es sich um einen Rechtsstreit handle, der innerhalb Namibias zu klären sein dürfte.

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Hartz IV für Anfänger: Politiker, die nackten Menschen in die Taschen greifen

Grafik: TP
CDU und CSU fordern mehr Eigenverantwortung von Hartz IV-Empfängern. Die kostet aber so viel, dass sie für einen Großteil der Bevölkerung nicht bezahlbar ist

Oliver Eberhardt | TELEPOLIS

Es scheint eine einfache Forderung zu sein: Mehr Eigeninitiative, mehr Eigenverantwortung müssten die Menschen in diesem Lande an den Tag legen, heißt es von Politikern der CDU und CSU. Oft konzentriert sich die Debatte dabei auf das Arbeitslosengeld II (ALG II), das unter dem Namen Hartz IV – je nachdem, wo man politisch und finanziell steht – entweder zum Synonym für diejenigen geworden ist, die sich „im sozialen Netz ausruhen“, oder zum Inbegriff der staatlichen Gängelung von Armen, die in der Fachsprache „Hilfebedürftige“ genannt werden.

Die Rechnung scheint im Grunde ganz einfach: Man muss diese Hilfebedürftigen fördern und fordern, dann werden sie sich schon qualifizieren, auf Jobsuche begeben und am Ende mit Brieftaschen voller Geld das System verlassen.

Wer die Grundsicherung bekommt

An dieser Stelle bietet sich ein Blick in die „Analyse der Grundsicherung für Arbeitssuchende“ an, die die Agentur für Arbeit monatlich veröffentlicht veröffentlicht; die Zahlen werden nun möglichst knapp zusammengefasst: Im September 2018 bezogen 5,96 Millionen Menschen Hartz IV.

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Katholisches Kinderheim war über Jahrzehnte ein Ort des Grauens

Bild: © picture alliance / ANP (Symbolbild)
Schläge, „Teufelsbesuche“, Vergewaltigungen – in einem früheren katholischen Heim in Donauwörth widerfuhr Kindern Schlimmes. Mit dem nun vorgelegten Schlussbericht des Bistums Augsburg ist die Aufarbeitung nicht zu Ende.

katholisch.de

Vernichtend – anders kann man das Urteil über das einstige katholische Kinderheim Heilig Kreuz im schwäbischen Donauwörth nicht nennen. Jahrzehntelang gab es dort körperlichen, seelischen und sexuellen Missbrauch durch den Heimleiter, Erzieherinnen, ältere und frühere Bewohner. Das geht aus dem am Donnerstag vorgelegten Schlussbericht einer vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa beauftragten unabhängigen Arbeitsgruppe hervor. 14 Personen sprechen darin von Gewalttaten aus den 1950er bis 1970er Jahren. 1977 schloss die Einrichtung der Pädagogischen Stiftung Cassianeum.

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«Dieser Gipfel ist nicht mehr als eine Show. Es ist klar, was getan werden müsste, doch leider hat der Papst entschieden, nicht zu handeln»

Vehrungswürdige Puppe.
Der Papst hat die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in den Vatikan zitiert, um über Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche zu sprechen. Bei der Eröffnung wählte er deutliche Worte, konkrete Massnahmen wird es aber kaum geben.

Andrea Spalinger | Neue Zürcher Zeitung

Am Donnerstag hat im Vatikan das von Papst Franziskus einberufene grosse Treffen zum Thema Kindesmissbrauch begonnen. Daran nehmen die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen der Welt, Vertreter von Orden und Religionsgemeinschaften sowie hohe Mitglieder der Kurie teil. Es ist das erste Treffen dieser Art und hat deshalb grosse symbolische Bedeutung. Franziskus hat die Bischöfe in Reaktion auf wachsenden öffentlichen und kircheninternen Druck nach Rom zitiert.

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Fördert Salz Allergien? Salzreiche Kost beeinflusst die Aktivität allergiefördernder Immunzellen

Eine zu salzreiche Ernährung könnte Allergien fördern. © Art Cook Studio/ thinkstock
Salz als Risikofaktor: Eine salzreiche Kost kann womöglich die Entstehung von Allergien fördern. Wie Zellversuche nahelegen, beeinflusst Natriumchlorid die Aktivität bestimmter Immunzellen – Zelltypen, die eine wesentliche Rolle für allergische Reaktionen spielen. Dieser Zusammenhang könnte erklären, warum die Zahl der Allergiker in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat. Denn mit vermehrtem Fast-Food-Verzehr erhöht sich auch die Salzaufnahme.

scinexx

Salz hat einen ambivalenten Ruf: Einerseits ist es ein wichtiger Mineralstoff für den menschlichen Körper, den wir täglich von außen zuführen müssen. Andererseits ist zu viel Salz schädlich. So kann eine salzreiche Kost den Blutdruck in die Höhe treiben und dadurch Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Außerdem scheint Salz sogar die Pubertät zu verzögern und unser Gedächtnis zu beeinträchtigen, wie Studien nahelegen.

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Wahlkampf-Affäre: AfD legt Bundestag falsche Spenderliste vor

Machen schwere Zeiten durch: Die AfD-Führung um Alice Weidel (l.) und Alexander Gauland. Foto: Getty Images
Die AfD hat in der Affäre um dubiose Wahlkampfspenden offenbar erneut geschummelt. Nach gemeinsamen Recherchen von „Spiegel“ und „Report Mainz“ soll die Partei dem Bundestag eine zumindest teilweise falsche Spenderliste übermittelt haben.

Kölner Stadt-Anzeiger

Konkret geht es dabei um Spenden aus dem Jahr 2017. Die heutige Fraktionschefin Alice Weidel hatte insgesamt rund 130.000 Euro an Spendengeldern für den Wahlkampf eingenommen. Das Geld wurde von einer Schweizer Pharmafirma überwiesen. Diese habe aber nur als Absendeadresse gedient.

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Britische IS-Anhängerin soll ausgebürgert werden

Grafik: TP
Shamima B. darf nicht nach Großbritannien zurück: „Es fühlt sich etwas ungerecht an“

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die britische Regierung reagiert im Fall der IS-Anhängerin Shamima B. mit demonstrativer Härte. Das Innenministerium hat ihre in Großbritannien lebende Familie in einem Schreiben davon in Kenntnis gesetzt, dass man Anweisungen erteilt habe, ihrer Tochter die britische Staatsbürgerschaft zu entziehen. Damit ist die Rückkehr der Frau, die sich in einem Gefangenenlager in Nordsyrien befindet, erstmal unmöglich.

Vieles deutet daraufhin, dass die Familie gegen die Entscheidung Einspruch erheben wird, daher die Einschränkung „erstmal“. Der Rechtsstreit kann sich hinziehen. Medienberichte gehen davon aus, dass Shamima B. sich erstmal für eine längere Zeit auf ein Leben im Lager einrichten muss.

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EKD-Ratsvorsitzender würdigt päpstliches Engagement gegen Missbrauch

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Vor Beginn der Beratungen katholischer Bischöfe im Vatikan zum Thema Missbrauch, hat der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm die Initiative des Papstes begrüßt. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken warnt vor zu großen Erwartungen.

evangelisch.de

Mit Blick auf die Beratungen katholischer Bischöfe im Vatikan zu Missbrauch in der Kirche würdigt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, das Engagement von Papst Franziskus. Er begrüße ausdrücklich, „dass Papst Franziskus die intensiven Debatten der katholischen Kirche um sexualisierte Gewalt nun in einem Bischofstreffen zusammen führt, um daraus die notwendigen Schlüsse zu ziehen“, sagte Bedford-Strohm den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe.

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