Fanatische und bürokratische Mittäter haben in ganz Europa für Hitler gearbeitet


Niederländische Soldaten werden im Mai 1942 für den Einsatz an der Ostfront vereidigt. (Bild: Keystone / Scherl)
Das Zerstörungswerk der Nationalsozialisten hat seine monströsen Dimensionen auch darum annehmen können, weil es in etlichen Ländern willige Kollaborateure fand. Das zeigt der Historiker Klaus Kellmann in einer breit angelegten Studie.

Clemens Klünemann | Neue Zürcher Zeitung

Im vergangenen Herbst musste es Frankreichs Präsident wieder erfahren: Nationale Erinnerung ist inzwischen ein immer stumpferes Schwert im Kampf um die Deutungshoheit über die Vergangenheit. Als Emmanuel Macron nämlich anlässlich der Feiern zum 100. Jahrestag des Kriegsendes 1918 an die Verdienste Philippe Pétains erinnerte, der durch die Beharrlichkeit vor Verdun den französischen Sieg erst möglich gemacht habe, sprach er voller Anerkennung von einem Mann («un grand soldat»), der gleichzeitig auch für eine Periode der französischen Geschichte steht, die man in Frankreich am liebsten vergässe und lange Zeit auch vergessen hat.

Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger erwähnte Macron durchaus und gleichzeitig, dass die dunklen Jahre der deutschen Besatzung (1940–1944) durch die unsägliche und folgenreiche Entscheidung Pétains zur «Collaboration» geprägt gewesen seien, wies indes jegliche Kritik an seinem merkwürdigen Erinnerungsspagat als Polemik («fausse polémique») zurück.

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