Franz: Sexueller Missbrauch sei ein weltweites und universelles Problem, etwa vergleichbar etwa mit heidnischen Menschenopfer-Bräuchen

Der Papst bei der Messe zum Abschluss des Gipfeltreffens im Vatikan. (Foto: dpa)
  • Im Vatikan ist das viertägige Gipfeltreffen zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche zu Ende gegangen.
  • In einer Grundsatzrede hat der Papst keine konkreten Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch genannt, aber einen Leitlinien-Katalog vorgestellt.
  • Der australische Erzbischof Mark Coleridge sieht die katholische Kirche dabei vor einer „kopernikanischen Revolution“.

Süddeutsche Zeitung

Die Sala Regia ist das Prunkstück im Inneren der Residenz des Papstes, dem apostolischen Palast. Dort, vor der versammelten klerikalen Führungsriege der katholischen Kirche, hat Papst Franziskus am Sonntagmorgen das erste Gipfeltreffen im Vatikan zum Thema Missbrauch mit einer Grundsatzrede beschlossen. Er bekräftigte darin den Willen der Kirche, sexuellem Missbrauch mit Entschlossenheit entgegenzutreten.

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Gelbwesten-Demonstranten zeigen Durchhaltevermögen

Archivbild: Demonstration der Gelbwesten in Colmar, 5. Januar 2019. Foto: Gzen92 / CC BY-SA 4.0
Beim Acte XV wurden mit offiziell 47.000 Teilnehmern wieder mehr mobilisiert. Medien sind sich nicht sicher, ob die Luft raus ist

Thomas Pany | TELEPOLIS

Eigentlich sollte die Luft raus sein, wie etwa die Zeit in Deutschland spürte. Es werden weniger Gelbwesten auf den Demos und die wenigeren zerstreiten sich mehr, werden radikaler und scheren in ungute Richtungen aus. Darauf in etwa läuft die Essenz des Lageberichts hinaus, der am Samstagvormittag erschienen ist. Die Hamburger Zeitung stellt „Überdruss“ fest.

„Unterdessen spielt Frankreichs Staatschef die Schwächung der Gilets Jaunes in die Hände. Seine Beliebtheitswerte steigen wieder an“, heißt es und tatsächlich konnte Macron heute auf einer Landwirtschaftsmesse in Paris „in der Menge baden“, wie Le Monde berichtet, „ohne Krach und Beleidigungen“.

Als der Bericht erschien, gegen 18 Uhr 30, gab es am Trocadéro-Platz an anderen Stellen der Hauptstadt, etwa den Champs -Elysées, noch Krach und Unruhe, wie immer wenn die Polizei die Veranstaltungen der Gelb Westen auflöst. Bis zum Abend gab es diesmal zum Glück keine Meldungen von außerordentlichen Vorfällen.

Der Tag war weitgehend sonnig gewesen, die Demonstrationen größtenteils friedlich. Manche Gelbwesten sollen Plakate getragen haben, auf denen der Antisemitismus eindeutig verurteilt wurde (anders als in der Küche Drouets, wie es die Zeit schildert). Es kamen auch wieder mehr, als es das Barometer der Medien voraussagte.

47.000 Teilnehmer meldete das Innenministerium für den heutigen acte XV für ganz Frankreich. Die Mobilisierung der Gilets jaunes „schwächelt nicht“, schreibt sogar Le Monde. Der Zeitung wird von Anhängern der Protestbewegung immer wieder vorgeworfen, dass sie der Regierung so nahe steht, dass sie die Gelbwesten absichtlich „runterschreibe“.

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Wenn Beamte das Haar eines Bräutigams nachmessen oder weshalb eine in Bangladesh geschlossene Ehe in Zürich nicht anerkannt wird

Hochzeitszeremonie in Bangladesh. (Symbolbild: Allison Joyce / Getty Images)
Das Zürcher Verwaltungsgericht lehnt die Beschwerde eines Paars aus Bangladesh ab, dessen Heirat im Heimatland in der Schweiz wegen Zweifeln am Hochzeitsdatum nicht beglaubigt wurde. Sehr skurril mutet dabei die Beweisführung an.

Lena Schenkel | Neue Zürcher Zeitung

Gerichtsverfahren strafen Vorurteile nicht selten Lügen; oft präsentiert sich die Situation vor den Schranken oder in schriftlichen Urteilen ganz anders als eingangs aufgrund der Sachlage erwartet. Dies ist auch bei einem kürzlich publizierten Entscheid des Zürcher Verwaltungsgerichts der Fall. Es weist die Beschwerde eines Paars ab, dessen im Ausland geschlossene Ehe in der Schweiz nicht anerkannt wurde. Wer im Urteil weiter liest, dass es sich um Staatsangehörige Bangladeshs handelt, und denkt, es liege womöglich eine Zwangsheirat oder Ähnliches vor, liegt gänzlich falsch.

Das Gemeindeamt des Kantons Zürich, welches die Anerkennung zuvor verweigert hatte, sah bei seiner Prüfung der eingereichten Dokumente weder Gründe, die für eine Ungültigkeitserklärung der Ehe gesprochen hätten, noch zweifelte es an deren Echtheit. Vielmehr stellte es das Hochzeitsdatum des in Bangladesh ausgestellten Ehescheins infrage. Dass es überhaupt Unstimmigkeiten feststellte, ist einer Recherche im Heimatland des Paars zu verdanken.

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Abtreibungen in Italien: „Zurück ins Mittelalter“

Bild: tagesschau.de
Seit 40 Jahren sind Abtreibungen in Italien legal. Doch ein Großteil der Ärzte weigert sich inzwischen, den Eingriff vorzunehmen. Auch die Politik geht massiv gegen Abtreibungen vor.

Von Ellen Trapp | tagesschau.de

Livia ist zierlich, nicht besonders groß gewachsen. Mit großen braunen Augen sieht die Römerin in die Welt. Dass sie gerade an ihrer Doktorarbeit in Physik schreibt, würden ihr viele auf den ersten Blick nicht zutrauen.

Doch wenn sie davon erzählt, was sie vor einigen Jahren erlebt hat, wird ihre Stimme ein bisschen zittrig. Livia hat abgetrieben. Sie war damals 19 und hat keine Sekunde lang überlegen müssen – ihr Entschluss stand sofort fest.

Doch bis sie tatsächlich abtreiben konnte, vergingen fast drei Monate. „Es gibt einen starken politischen Willen, die Abtreibung nicht einfach zu gestalten. Du bist gezwungen, die Veränderungen deines Körpers mitanzusehen, das hat Methode.“

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Fantastische Tierwesen: Der Biologe Axel Meyer zur Evolution

Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz.
Bild: ebenda
Der Evolutionsbiologe Axel Meyer forscht zur fantastischen Artenvielfalt und ihren Entwicklungen. Doch: Ergeben die auch immer einen Sinn?

Kathrin Gemein | WAZ

Axel Meyer ist Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz und beschäftigt sich in seiner Forschung mit evolutionären Prozessen der Artenbildung und der genomischen Basis von Anpassungen. Kathrin Gemein sprach mit ihm über außergewöhnliche Lebewesen, wie sich solche Eigenschaften genetisch entwickelt haben und ob die Evolution denn eigentlich immer Sinn ergibt.

In der Schule haben die meisten gelernt, dass Evolution bedeutet, dass Veränderungen durch zufällige Mutationen des Erbmaterials entstehen – und sich von denen die stärksten durchsetzen.

In den Grundzügen ist das natürlich so richtig. Ich glaube, was oft unterschätzt wird, ist die tatsächliche Rolle des Zufalls. Es gibt ein Phänomen, das ich „eingefrorene Zufälle“ nenne – wie zum Beispiel der Umstand, dass wir fünf Finger haben. Von unseren Fischvorfahren gab es welche mit fünf, welche mit sieben und welche mit zwölf Fingern – überlebt haben durch Zufall eben die, die mit fünf Fingern im Devon ans Land gekrabbelt sind. Und seitdem haben nahezu alle Frösche und Salamander, Vögel und Säugetiere fünf Finger, manchmal weniger, aber nie mehr. Dabei kann man sich vorstellen, dass zum Beispiel Konzertpianisten oder Olympiaschwimmer mit mehr Fingern einen Vorteil hätten (lacht).

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Verkauft oder umgewidmet: Dutzende evangelische Kirchen sind ungenutzt

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Zu groß oder zu teuer: Wie Kirchen zukünftig betrieben werden können, belastet eine steigende Anzahl evangelischer Gemeinden in Berlin und Brandenburg. Die Möglichkeiten der Nachnutzung sind vielfältig, von der Umwidmung bis hin zum Wohnungsbau.

rbb24

Auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sind in den zurückliegenden 25 Jahren rund 30 Kirchen abgegeben oder verkauft worden. Dies sei kaum mehr als ein Prozent der Kirchengebäude, teilte ein Sprecher auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (EPD) in Berlin mit. Insgesamt gebe es auf dem Gebiet der Landeskirche etwas mehr als 2.000 Kirchen, davon seien rund 1.600 Dorfkirchen.

Wie der Sprecher weiter sagte, würden aktuell mehr als 400 Kirchen neben Gottesdiensten auch für andere Veranstaltungen genutzt. Beispiele dafür seien etwa die Martin-Luther-Kirche und die Genezarethkirche in Berlin-Neukölln, in denen es jeweils ein Kirchencafé gibt. In die Luther-Kirche in Spandau seien in zwei Dritteln des Kirchenschiffes Wohnungen eingebaut worden.

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Why We Stink at Tackling Climate Change

Image: NAUTILUS
Global threats result from human culture outrunning human biology.

By David P. Barash | NAUTILUS

What’s wrong with us? Not us Democrats, Republicans, or Americans. Rather, what’s wrong with our species, Homo sapiens? If human beings are as Hamlet suggested, “noble in reason, infinite in faculty,” then why are we facing so many problems?

In many ways, people are better off than ever before: reduced infant mortality, longer lifespans, less poverty, fewer epidemic diseases, even fewer deaths per capita due to violence. And yet global threats abound and by nearly all measures they are getting worse: environmental destruction and wildlife extinction, ethnic and religious hatred, the specter of nuclear war, and above all, the disaster of global climate change.

For some religious believers, the primary culprit is original sin. For ideologues of left, right, and otherwise, it’s ill-functioning political structures. From my biological perspective, it’s the deep-seated disconnect between our slow-moving, inexorable biological evolution and its fast-moving cultural counterpart—and the troublesome fact we are subject to both, simultaneously.

Imagine this. An infant born on the Pleistocene savannah is switched at birth with another born in 21st-century America.

Biological evolution is an organic process that can never proceed more rapidly than one generation at a time, and many generations are nearly always required for any appreciable change to occur. By contrast, cultural evolution is extraordinary in its speed. Biological evolution is Darwinian, moving by the gradual substitution and accumulation of genes. Cultural evolution is Lamarckian, powered by the nongenetic “inheritance” of acquired characteristics. During a single generation, people have selectively picked up, discarded, manipulated, and transmitted cultural, social, and technological innovations that have become largely independent of any biological moorings.

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Bericht: Kirche steht Umbettung Francos nicht im Weg: Die Gefahr einer neuen Pilgerstätte

Valle de los Caidos („Tal der Gefallenen“): Hier befindet sich die Grabstätte des Diktators Francisco Franco © Andreas Drouve (KNA)
Zahlreiche rechtliche Hürden und Widerstände in der Bevölkerung erschwerten bislang eine Verlegung des Grabes. Nun erklärt die spanische Regierung, der Vatikan wolle die Umbettung der sterblichen Überreste des Diktators Franco nicht behindern.

DOMRADIO.DE

Nach Angaben von Vizeregierungschefin Carmen Calvo sagte das Staatssekretariat des Heiligen Stuhls zu, die Benediktiner als Hausherren der Basilika anzuweisen, sich den Plänen des sozialistischen Premiers Pedro Sanchez nicht entgegenzustellen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag) berichtet. Das Grab Francisco Francos (1892-1975) befindet sich in einer Höhlenkirche im Tal der Gefallenen bei Madrid.

Heftiger Streit

Sanchez hatte demnach bereits gedroht, den Benediktinern das Hausrecht über das Tal der Gefallenen zu entziehen. Allerdings erklärte Abt Santiago Cantera laut dem Medienbericht, er werde sich nur einer Entscheidung des Obersten Gerichts beugen, falls die Nachkommen Francos weiterhin den Plan der Regierung ablehnten. In Spanien wird seit Monaten heftig über die Umbettung gestritten, die nach dem Willen der Regierung längst hätte vollzogen sein sollen.

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Das dunkle Geheimnis des verfressenen Untergrundkämpfers

Illustration: Eva Kläui
Der Maulwurf verbringt fast seine ganze Lebenszeit unterirdisch. Eine der Gewohnheiten, die er dort pflegt, kommt tatsächlich besser nicht ans Tageslicht.

Urs Bühler | Neue Zürcher Zeitung

Anders als der Mensch, den die erste Frühlingssonne aus allen Löchern lockt, denkt dieses Kerlchen auch jetzt nicht daran, sein unterirdisches Reich zu verlassen. Wer nun also glaubt, in Zürich gebe es diese Spezies nie und nimmer, dem hilft vielleicht ein philosophischer Exkurs auf die Sprünge: Nicht alles, was für uns unsichtbar ist, existiert auch nicht. Der Europäische Maulwurf, auf dem ganzen Kontinent verbreitet und in den Alpen bis in über 2000 Metern Höhe nachgewiesen, lebt auch in unserer Stadt. Er tut dies unter Wiesen, Wäldern, Gärten und Parkanlagen, sei es in Witikon, am Hönggerberg oder im Friedhof Sihlfeld.

Er selbst verbringt, wiewohl kein verdeckter Ermittler, fast seine ganze Lebenszeit unterirdisch. Nur kegelförmige Häufchen auf der Erdoberfläche verraten ihn. Sie dienen auch der Belüftung seines Gangsystems, das er oft mit der Schermaus teilt (sie hinterlässt Hügelchen, die flacher sind als seine, mit seitlichem statt ein mittig-senkrechtem Loch). Sein spitzes Mäulchen hilft ihm tatsächlich dabei, die Erde nach oben zu schieben.

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Versammeln, vernetzen, diskutieren – die Deutsche Islam Akademie

Wer im Januar dieses Jahres in der Katholischen Akademie Berlin die Veranstaltung „Individualismus und Religion. Muslimische und christliche Stimmen“ besuchte, rieb sich angesichts des Durchschnittalters der Teilnehmenden erstaunt die Augen. Zur ersten Kooperationsveranstaltung zwischen der Deutschen Islam Akademie (DIA) und der Katholischen Akademie Berlin erschien die Zielgruppe der DIA zahlreich. Viele junge Muslime kamen zusammen, um mit katholischen Christen und anderen Interessierten über das Verhältnis von Tradition, Gemeinschaft und Individualismus zu diskutieren.

Dr. Hanna Fülling | EZW

Die Deutsche Islam Akademie ist eine recht junge Organisation, die sich selbst als eine Diskussionsplattform von und für Muslime beschreibt. Sie möchte ein „Ort des Versammelns, Vernetzens sowie der Spiritualität und der Reflexion sein“. Sie spricht gezielt Jugendliche und junge Erwachsene an und möchte sie durch Projekte und Förderungen in der Entfaltung ihrer Fähigkeiten und ihrer Persönlichkeit unterstützen.

Zudem fokussiert die Akademie Fragen und Prozesse rund um die islamische Theologie in Wissenschaft und Gesellschaft und versteht sich als Brückenbauer zwischen Muslimen und der Mehrheitsgesellschaft sowie als Diskursbegleiter. Dieses breite inhaltliche Spektrum korrespondiert in der DIA mit einer Vielzahl an Organisationformen, wie Symposien, Tagungen, Seminaren, Diskussionsrunden, Workshops, interreligiösen und -kulturellen Begegnungen, Kunst- und Kulturveranstaltungen, spirituellen Begegnungen, Bildungsreisen und Summer Schools. Sie schließt mit diesen Angeboten eine Leerstelle in Berlin. Unterstützt wird sie dabei finanziell etwa durch Veranstaltungsförderungen der Senatskanzlei für Kultur und Europa oder von der Landeszentrale für politische Bildung.

Die DIA wurde vor gut einem Jahr als Verein gegründet. Die Vorsitzende Pinar Cetin gibt an, dass sich bisher ca. 60 junge Musliminnen und Muslime für das Projekt engagieren (vgl. Krumpholz). Cetin ist in Berlin keine Unbekannte. Die Politikwissenschaftlerin hat sich jahrelang in der Sehitlik Moschee am Columbiadamm in Berlin-Neukölln und in interreligiösen Foren engagiert. Im vergangenen Jahr berichteten viele Medien über Cetin, weil sie von DITIB-Funktionären aus der Moschee verwiesen wurde, während sie ein Schülerprojekt gegen Radikalisierung durchführte.

Inzwischen arbeitet sie gemeinsam mit anderen Engagierten daran, Muslimen einen Raum zu schaffen, um über ihre Religiosität zu sprechen, ihre interne Diversität zu diskutieren und diese im Kontext einer multireligiösen Gesellschaft zu verorten. Dazu lud die Kooperationsveranstaltung mit der Katholischen Akademie ein. In den Diskussionsbeiträgen wurden die interne Frömmigkeits- und Glaubensdiversität sowie ihre wechselseitige Bezogenheit zur Tradition und Glaubenslehre herausgestellt. Neben wissenschaftlichen Erläuterungen zur Frömmigkeitsvielfalt und der Beziehung von Individualität und Gemeinschaft, beschrieb Furat Abdulle in einer persönlichen Stellungnahme, wie ihre Selbstbestimmung als Muslima durch die Bilder eines homogenen Islams verengt werde. Energisch regte sie einen differenzierteren Blick auf die religiöse Vielfalt der Muslime und ihrer unterschiedlichen Bezugnahme auf die Tradition und die universale islamische Rechts- und Werteordnung an.

Einen differenzierten Blick auf Muslime versucht die DIA dadurch zu stärken, dass sie zum einen durch Diskussionsveranstaltungen ihren Blick auf die interne Diversität unter Muslimen richtet und zum anderen durch AGs zum Tier- und Umweltschutz und zum Ehrenamt auch nicht-religiöse Angebote für junge, muslimische Personen schafft.

Die Relevanz der Arbeit der Akademie wurde bei der Veranstaltung in der Katholischen Akademie deutlich erkennbar. Sie eröffnete zwei Religionsgemeinschaften die Möglichkeit, um über ihre je eigene Religiosität und ihre Beziehung zur Tradition auf wissenschaftlicher Ebene zu reflektieren und dadurch mehr über den anderen zu erfahren. So mag es anwesende Muslime verwundert haben, wie viel Diversität unter dem Dach der katholischen Kirche möglich ist, wohingegen die anwesenden Nicht-Muslime muslimische Vielfalt ganz konkret durch die Teilnehmer und Interessierten der DIA erfahren konnten. Es bleibt zu wünschen, dass ein solcher wechselseitiger Lernprozess weiter fortgeführt wird und eine differenzierte und faire Wahrnehmung des Gegenübers dadurch auf beiden Seiten gefördert wird.

Bistum Speyer gibt Zahl der Priester mit Kindern bekannt

Bild: © Bistum Speyer/Klaus Venus
Zu Wochenbeginn hat der Vatikan neue Richtlinien fertiggestellt: Die regeln den Umgang mit Priestern, die Väter sind. Jetzt hat das Bistum Speyer die Zahl seiner Geistlichen mit Kindern veröffentlicht.

katholisch.de

Das Bistum Speyer weiß nach eigenem Bekunden von vier Priestern mit Kindern. Davon sind nach Angaben vom Freitag zwei im aktiven Dienst und zwei im Ruhestand.

In solchen Fällen wirkt das Bistum darauf hin, dass Betroffene ihre Verantwortung als Väter wahrnehmen. Beispiele seien ein „verantwortlicher Umgang mit Mutter und Kind“ sowie die Erfüllung der Unterhaltspflichten, die aus den Dienstbezügen zu leisten seien. Empfohlen wird den Seelsorgern ein transparenter Umgang mit ihrer Lebenssituation gegenüber der Gemeinde, in der sie arbeiten.

Vatikan stellt Richtlinien fertig

Der Vatikan hat nach Informationen vom Wochenanfang Richtlinien für solche Fälle fertiggestellt. Sie sehen ebenfalls vor, dass der Priester den Vaterpflichten nachkommen und sich um Kind und Mutter kümmern soll. Verwiesen wird auf ein Schreiben der Irischen Bischofskonferenz. Darin heißt es: „Wenn ein Priester Vater eines Kindes wird, soll das Wohl des Kindes sein primäres Anliegen sein.“

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Waffenexporte nach Saudi-Arabien: Die Rüstungsindustrie droht über die Politik

Ilustration: Panzerhaubitze von Rheinmetall. Bild: Gerben van Es/Ministerie van Defensie /CC0
„Dear Heiko“: Der britische Außenminister fordert ein Einlenken seines Amtskollegen. Paris und Berlin arbeiten an einem Abkommen zur deutsch-französische Industriekooperation im Verteidigungsbereich

Thomas Pany | TELEPOLIS

Wie lange wird die Bundesregierung dem Druck standhalten, den Stopp der Waffenexporte nach Saudi-Arabien aufzugeben? Berlin stehe mit dieser Entscheidung ziemlich alleine da, heißt es in einem aktuellem Bericht des Nachrichtensenders ntv, der zur RTL-Mediengruppe gehört. Dort wird darauf aufmerksam gemacht, dass Frankreich, England und Spanien andere Ansichten haben. In Frankreich und Großbritannien sei man verärgert, zu lesen.

Vergangene Woche sorgte ein Bericht über ein Schreiben des britischen Außenministers Jeremy Hunt an die Bundesregierung von Anfang Februar für Wirbel. Der Spiegel veröffentlichte Auszüge des Schreibens. Es veranschaulicht im Fall UK, wie eng die Beziehungen zwischen Rüstungsindustrie und Regierungen sind.

Mit „Dear Heiko“ beginnt der handgeschriebene Brief an den deutschen Außenminister, in dessen Kern sich Forderungen der Rüstungsindustrie regen. Wie immer wenn es um Waffen geht, gehören Angstmachen und Drohungen zum Geschäft:

Ich bin tief besorgt über die Auswirkungen der deutschen Regierungsentscheidung auf die britische und die europäische Rüstungsindustrie und die Konsequenzen für die Fähigkeit Europas, seine Nato-Zusagen zu erfüllen.

Jeremy Hunt, britischer Außenminister

Konkret, so der Spiegel, gehe es um Lieferverträge mit Saudi-Arabien, die Großbritannien infolge des deutschen Exportstopps nicht erfüllen könne. Genannt werden in Verträgen mit dem Königreich vereinbarte Lieferungen von Kampfjets. „Typhoons“ und „Tournados“ würden deutsche Bauteile benötigen, die wegen des deutschen Embargos nicht geliefert werden.

Konkret warnt Hunt in dem Brief, dass dem britischen Hersteller BAE Systems bereits Schadenersatzforderungen von den Saudis drohten, weil das Unternehmen seine vertraglichen Zusagen an Riad nicht einhalten könnte. 500 weitere Zulieferer der Rüstungsschmiede BAE seien von diesem Risiko ebenso betroffen, so der Außenminister.

Spiegel

Zum größeren Bild der Waffenlieferungen gehört aber auch die enorme Beteilung Großbritanniens an der Kriegsführung Saudi-Arabiens im Jemen. Wie ein Guardian-Artikel von November 2018 sehr anschaulich zeigt, muss die Regierung in London sehr wohl über die leidvollen Konsequenzen ihrer Kriegsgeschäfte, welche die Zivilbevölkerung im Jemen trägt, Bescheid wissen, auch wenn sie diese nicht so sehr herausstellt wie die Sorgen der Rüstungsindustrie.

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Marx stellt „Päpstliches Geheimnis“ bei Missbrauch infrage

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Am Vormittag hielt der DBK-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx seine Rede auf dem Anti-Missbrauchsgipfel in Rom: Dabei stellte er die kirchlichen Geheimhaltungsnormen bei der Verfolgung von Missbrauchs-Straftaten infrage und forderte die Einführung einer Verwaltungsgerichtsbarkeit in der Kirche.

katholisch.de

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat die Anwendung des „Päpstlichen Geheimnisses“ bei kirchlichen Prozessen gegen Missbrauchstäter infrage gestellt. Beim internationalen Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan sagte Marx am Samstag, er sehe keine „zwingenden Gründe“, warum diese Geheimhaltungsnormen bei der Verfolgung von Missbrauchs-Straftaten Anwendung finden sollten. Deshalb sei der Hinweis auf das Päpstliche Geheimnis kein überzeugender Einwand gegen die Forderung nach Transparenz und Nachvollziehbarkeit in Missbrauchs-Prozessen, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Auch der juristische Grundsatz der Unschuldsvermutung für die Beschuldigten widerspreche nicht der Forderung nach Transparenz. Im Gegenteil sei ein transparentes, öffentliches und klar geregeltes Verfahren der „beste Sicherungsmechanismus gegen Vorurteile oder falsche Beurteilungen eines Falls“. Dadurch werde „ein Grad an Glaubwürdigkeit geschaffen, der die Wiederherstellung des Rufs einer zu Unrecht beschuldigten Person ermöglicht“, so der Kardinal. Marx betonte weiter: „Nicht Transparenz fügt der Kirche Schaden zu, sondern begangene Missbrauchstaten, mangelnde Transparenz und Vertuschung in deren Folge.“

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Kopftuch: Berlin will bis vors Bundesverfassungsgericht

Themenbild
Das Berliner Neutralitätsgesetz verbietet religiöse Symbole in der Schule. Darüber soll nun höchstrichterlich entschieden werden.

Joachim Fahrun | Berliner Morgenpost

Die Senatsverwaltung für Bildung will ihre Strategie ändern, um eine wichtige Streitfrage ein für alle mal zu klären: Dürfen muslimische Frauen als Lehrerinnen an öffentlichen, allgemeinbildenden Schulen arbeiten, wenn sie ein Kopftuch tragen? Darüber soll nun notfalls das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Zuletzt war das Land Berlin mehrfach vor den Arbeitsgerichten unterlegen mit seiner im Neutralitätsgesetz begründeten Ablehnung sämtlicher religiöser Symbole in den Schulen. Die Bewerberinnen bekamen in der Regel jedoch eine Entschädigung zugesprochen, weil sie in ihren individuellen Rechten verletzt worden seien, so die Richter. Das Land bezahlte den Frauen das geforderte Geld. Damit war der einzelne Rechtsstreit beendet, eine höchstrichterliche Klärung des komplizierten Sachverhalts blieb jedoch aus.

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Ökumenisches Netzwerk verteidigt Kirchenasyl: „Widerstand gegen eine willkürliche Gesetzgebung“

Symbolfoto Kirchenasyl © Harald Oppitz (KNA)
Mithilfe des Kirchenasyls konnten sich viele Flüchtlinge vor einer drohenden Abschiebung schützen. Seitdem die Regelungen verschärft wurden, geht die Zahl der Kirchenasyle stark zurück. Wäre Widerstand dagegen ein Gesetzesbruch?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Die Zahlen sind gesunken. Aber ist das so leicht auf diese neue Regelung zurückzuführen? Es sind ja auch andere Gründe möglich.

Marianne Arndt (Gemeindereferentin & Mitglied im Ökumenischen Netzwerk „Asyl in der Kirche“): Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Zahlen aufgrund der neuen Regelung so gesunken sind, weil es natürlich die Situation für die Gemeinden, die sich dazu bereiterklären, um ein Vielfaches erschwert. Wenn man überlegt, im Bereich der Dublin-Fälle war es früher so, man hat die Menschen im Kirchenasyl über das Katholische Büro in Düsseldorf angemeldet und dann waren das keine untergetauchten Leute. Und nach sechs Monaten griff die Dublin-Regelung. Das heißt, dass sie nicht mehr in ihr Herkunftsland und auch nicht mehr in das Land abgeschoben werden konnten, wo sie als erstes europäischen Boden berührt hatten. Das ist ja oft die Situation, dass Geflüchtete aus dem afrikanischen Raum zuerst in Italien landen und dann werden sie willkürlich nach Italien wieder zurückgeschoben.

DOMRADIO.DE: Das Kirchenasyl hat im Grunde diese sechsmonatige Frist überbrückt. Und jetzt ist die Frist nach der neuen Regelung auf 18 Monate erweitert.

Arndt: Ganz richtig. Weil man Kirchenasyl nicht mehr als eine gemeldete Adresse ansieht sondern als untergetauchte Adresse. Und deswegen gilt die Regelung von 18 Monaten.

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