Fantastische Tierwesen: Der Biologe Axel Meyer zur Evolution


Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz.
Bild: ebenda
Der Evolutionsbiologe Axel Meyer forscht zur fantastischen Artenvielfalt und ihren Entwicklungen. Doch: Ergeben die auch immer einen Sinn?

Kathrin Gemein | WAZ

Axel Meyer ist Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz und beschäftigt sich in seiner Forschung mit evolutionären Prozessen der Artenbildung und der genomischen Basis von Anpassungen. Kathrin Gemein sprach mit ihm über außergewöhnliche Lebewesen, wie sich solche Eigenschaften genetisch entwickelt haben und ob die Evolution denn eigentlich immer Sinn ergibt.

In der Schule haben die meisten gelernt, dass Evolution bedeutet, dass Veränderungen durch zufällige Mutationen des Erbmaterials entstehen – und sich von denen die stärksten durchsetzen.

In den Grundzügen ist das natürlich so richtig. Ich glaube, was oft unterschätzt wird, ist die tatsächliche Rolle des Zufalls. Es gibt ein Phänomen, das ich „eingefrorene Zufälle“ nenne – wie zum Beispiel der Umstand, dass wir fünf Finger haben. Von unseren Fischvorfahren gab es welche mit fünf, welche mit sieben und welche mit zwölf Fingern – überlebt haben durch Zufall eben die, die mit fünf Fingern im Devon ans Land gekrabbelt sind. Und seitdem haben nahezu alle Frösche und Salamander, Vögel und Säugetiere fünf Finger, manchmal weniger, aber nie mehr. Dabei kann man sich vorstellen, dass zum Beispiel Konzertpianisten oder Olympiaschwimmer mit mehr Fingern einen Vorteil hätten (lacht).

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