21. Jahrhundert: Das hinduistische Indien streitet über Menstruationsblut, Sperma und vaginalem Ejakulat


Europäische Medien berichteten über die 620 Kilometer lange #WomenWall nahezu gar nicht Foto: imago/Hindustan Times
In Indien demonstrieren fünf Millionen Frauen, da sie den Sabarimala-Tempel nicht betreten dürfen. Die westliche Berichterstattung ist stereotyp.

Mithu Sanyal | taz.de

Was sind fünf Millionen Inderinnen in einer Reihe? Nein, kein rassistischer Witz, sondern eine Demonstration. Protest like a pro! Also berichteten die europäischen Medien über die 620 Kilometer lange #WomenWall quer durch den indischen Bundesstaat Kerala im Vergleich zum #WomensMarch in Washington … nahezu gar nicht.

So weit, so wenig überraschend. Was sind schon fünf Millionen Inder*innen im Vergleich zu 0,5 Millionen Amerikaner*innen? Ich wusste nicht einmal, ob ich lachen oder vor Wut heulen sollte, dass so viele Medien dieses monumentale Ereignis schlicht ignorierten. Wenn nämlich doch darüber geschrieben wurde, dann als eine Version von: „Was wollen die Inderinnen? In den Tempel gehen. Warum dürfen sie nicht? Weil im Hinduismus Frauen während ihrer Periode als unrein gelten.“

Ey, wir sind über eine Milliarde! Glaubt ihr tatsächlich, wir hätten erst jetzt bemerkt, dass aus der Hälfte von uns in regelmäßigen Abständen Blut rausläuft, und würden daraus schließen, dann wäre wohl der Teufel in sie hineingefahren? Falsch, das ist der Film „Der Exorzist“ und nicht „Der Hinduismus“.

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