Jämmerliches Geheul: Hört auf, den Papst zu dämonisieren! Er dämonisiert seine Kritiker!


Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Franziskus kann sagen, was er will, die Kritik ebbt nicht ab. Nach dem Krisengipfel im Vatikan wird ihm eine Relativierung von Verbrechen vorgeworfen. Dabei hat er den eigentlichen Feind längst ausgemacht.

Von Richard Kämmerlings | DIE WELT

Roma locuta causa finita? Wenn Rom gesprochen hat, ist der Fall schon lange nicht mehr erledigt. Wenn der Papst heute spricht, dann geht die Debatte meist erst richtig los, und mag sein einst gefürchtetes Machtwort noch so kleinlaut und demütig klingen. Beim sexuellen Missbrauch in der Kirche ist das deutlich zu erkennen. Egal, was der Papst sagt, die Reaktionen sind immer gleich: Das soll alles gewesen sein? Das bisschen Buße und Reue? Wo bleiben die Taten, die Institutionen, die Strafen? Mea maxima culpa, schön und gut bzw. böse. Aber das kann ja jeder sagen.

Nach dem Krisengipfel im Vatikan funktionieren die Reflexe wieder einmal perfekt: Der Papst hat den Missbrauch als „ein in allen Kulturen und Gesellschaften geschichtlich verbreitetes“ schweres Übel bezeichnet? Wie empörend! Damit will er doch relativieren und von den Verbrechen der Kirche ablenken! Er hat geistliche Täter als „Werkzeuge Satans“ bezeichnet? Da schiebt er doch die Schuld auf einen, der gar nichts dafür kann! Der arme Teufel, der hat doch hier wirklich einmal seine Hände bei sich behalten, im Gegensatz zu den übergriffigen Kirchenvertretern.

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