Zum 50. Todestag von Karl Jaspers: Philosophischer Störenfried, dessen Kritik bis heute trifft


Karl Jaspers in seiner Bibliothek. Seine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus prägt die deutsche Erinnerungskultur bis heute. (dpa / picture-alliance)
Nach dem Dritten Reich brach er das Schweigen über Schuld und Verantwortung, kämpfte für Demokratie und moralischen Wiederaufbau: Karl Jaspers – Philosoph, Psychiater und öffentlicher Intellektueller. Vor fünfzig Jahren ist er gestorben.

Jaspers-Forscher Matthias Bormuth im Gespräch mit Christian Möller | Deutschlandfunk Kultur

„Wie war es möglich, dass ein kranker Mann, der Monate, manchmal ein Jahr fast, nicht recht arbeiten konnte, der ausgeschlossen war von der normalen Geselligkeit und der normalen Öffentlichkeit, das überhaupt erreichen konnte“, fragt sich Karl Jaspers in den 1960er-Jahren im Rückblick auf sein Leben.

Ideen, die die Welt bewegen

Ein chronisches Lungen- und Herzleiden zwang Jaspers über weite Strecken zu einer disziplinierten und zurückgezogenen Lebensweise. Früh hat er die Liebe zur Philosophie entdeckt, studierte jedoch zunächst Medizin und trug wesentlich zur Entwicklung der Psychiatrie als Wissenschaft bei. In seinem Lehrbuch „Allgemeine Psychopathologie“, bis heute ein Standardwerk, griff er bereits philosophische Prinzipien auf, sagt Matthias Bormuth, Professor für Ideengeschichte und Vorsitzender der Karl Jaspers-Gesellschaft, im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur:

„Er hat von Max Weber die philosophische Methode des Verstehens aufgenommen und in die Psychiatrie eingeführt. Und in der Philosophie hat er dann diese psychologische Methode angewandt, um nicht mehr kranke Menschen zu verstehen, sondern die innere Dynamik von gesunden Menschen, die sich mit Ideen beschäftigen, die die Welt bewegen.“

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