Der Toaster ist Gift, die Erde eine Scheibe


Dieses Bild wurde am 24. Dezember 1968 aufgenommen. Es zeigt die Erde, wie sie am Horizont des Mondes aufgeht. Bild: NASA / Bill Anders
Was wir aus dem Dieselstreit lernen? Wie schnell Wahrheiten wackeln. Geht’s noch schlimmer? Es geht! Wenn Weltbilder wanken. Eine Glosse.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Zahl der Menschen, die davon überzeugt sind, dass die Erde eine Scheibe ist, nimmt stetig zu. Das klingt beunruhigend, gefährlich ist es noch nicht. Asheley Landrum von der University of Texas hat darüber vor wenigen Tagen in Washington berichtet, kein ganz unpassender Ort, auch wenn der Anlass, die Jahrestagung der weltweit mitgliederstärksten Wissenschaftlerorganisation, der American Association for the Advancement of Science, schon überrascht. Wie umgehen mit Verschwörungstheoretikern, war das Thema Landrums, und man kann ohne Übertreibung sagen: Aktueller geht es kaum.

Landrum hat die Videoplattform Youtube als Infektionsherd für konspirative Gedanken ausgemacht. Der Zweistundenstreifen „200 proofs Earth is not a spinning ball“ hat bald schon eine Dreiviertelmillion Zugriffe. Die wissenschaftliche Mimese dieses Machwerks jagt einem förmlich den Schrecken in die Glieder. Kein Zweifel, die Wissenschaft wird durch Wissenschaftsgläubige unterwandert, und der Irrglaube kapert sukzessive den Verstand. Solche Rückfälle in die Realitätsverweigerung gibt es mittlerweile leider immer öfter zu beklagen, und nicht immer gibt Youtube den Anstoß.

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