Auch ohne Religion Werte vermitteln

Der Ethikunterricht soll Orientierung geben, ohne die Schüler in eine bestimmte Richtung zu zwingen. – (c) Pixabay/Greg Montani
Ethik. Wer sich vom Religionsunterricht abmeldet, soll in Zukunft Ethik gelehrt bekommen. Universitäten rüsten sich mit entsprechenden Masterstudien.

Von Elisabeth Stuppnig | Die Presse

Julia Straub-Eichinger unterrichtet an zwei niederösterreichischen Schulen – in Biologie und eine siebte Klasse in Psychologie und Philosophie. Da sie sich schon im Zuge ihrer Diplomarbeit mit tier- und ökologieethischen Fragestellungen befasst hat, reagierte sie schnell auf den Vorstoß von Minister Heinz Faßmann, Ethikunterricht an Schulen zu bringen. Trotz des hohen Arbeitspensums entschloss sich die Junglehrerin vor wenigen Wochen dazu, noch einmal, diesmal berufsbegleitend, zu studieren: Sie inskribierte das interdisziplinäre Masterstudium Ethik für Schule und Beruf an der Universität Wien. Als Absolventin des Lehramtsstudiums Psychologie und Philosophie ging das ohne Probleme, auch Religionslehrer und Absolventen der Bachelor- bzw Diplomstudien der katholischen und der evangelischen Theologie sind zulassungsberechtigt.

Im Masterstudium lehrt Paul Tarmann unter anderem den Bereich Fachdidaktik, in dem angehende Ethiklehrer in Microteaching-Lehreinheiten Unterrichtssequenzen nachspielen, um auszuprobieren, wie ethische Inhalte vermittelt werden können.

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Frankreich fordert Vatikan nach Belästigungsvorwürfen zum Handeln auf

Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD

Im Fall der Belästigungsvorwürfe gegen den päpstlichen Gesandten in Paris hat Frankreich den Vatikan zum Handeln aufgefordert.

ZEIT ONLINE

Der Vatikan müsse „seiner Verantwortung gerecht werden“, sagte die französische Europaministerin Natalie Loiseau am Freitag dem Sender CNEWS. Auf die Frage, ob der Vatikan die diplomatische Immunität seines Botschafters aufheben solle, sagte sie: „Der Heilige Stuhl kennt die schwer wiegenden Vorwürfe gegen den Nuntius, und ich zweifle nicht daran, dass er die richtige Entscheidung trifft.“

Massenhafter Kindesmissbrauch blieb jahrelang ohne Folgen

Nach dem massenhaften sexuellen Missbrauch auf einem Campingplatz bei Lügde im Kreis Lippe hat die Polizei am Donnerstag den Platz erneut nach Hinweisen durchsucht. (Bild: Guido Kirchner / DPA / Keystone)
Auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen missbrauchten Männer über Jahre mindestens 31 Kinder. Der Fall weitet sich zum Skandal aus, weil Jugendamt und Polizei versagten.

Jonas Hermann | Neue Zürcher Zeitung

Die Polizei hätte Andreas V. schon vor 17 Jahren stoppen können. Damals wurde der heute 56-Jährige verdächtigt, eine Achtjährige sexuell missbraucht zu haben. Die Behörden notierten den Verdacht, gingen ihm aber nicht nach. Im Laufe der Jahre tauchten immer wieder Hinweise auf, doch es geschah weiterhin nichts. Andreas V. flog erst im Herbst 2018 auf und sitzt nun mit einem mutmasslichen Komplizen in Untersuchungshaft. Mehr als tausend Mal sollen sich die beiden auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Ort Lügde an Minderjährigen vergangen haben.

Ihre Taten filmten sie und gaben die kinderpornografischen Videos an einen 48-Jährigen weiter, der ebenfalls verhaftet wurde. Die Polizei hat bisher 31 Opfer identifiziert. Nicht nur die Dimension des Verbrechens ist ungewöhnlich, sondern auch das doppelte Versagen der Behörden: Erst gingen sie den Hinweisen nicht nach, und nun unterliefen ihnen schwere Pannen bei den Ermittlungen.

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Hat das US-Cyberkommando mit einem Cyberangriff erfolgreich die russische „Trollfabrik“ lahmgelegt?

US-Cyberkrieger. Bild: DoD
Offiziell ist die Geschichte nicht, aber mit militärischen Cyberangriffen wird ein neues Spielfeld eröffnet, das in einen offenen Cyberwar münden könnte

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Es ist bislang weitgehend unbeachtet geblieben, dass das US-Cyberkommando den ersten offensiven Cyberangriff auf ein russisches Ziel während der Midterm-Wahlen 2018 ausgeführt hat, obgleich der US-Präsident der Zusammenarbeit mit dem Kreml (collusion) verdächtigt wird. Die Washington Post berichtet, dass das Cyberkommando, also eine militärische Abteilung des Pentagon, die angeblich vom Kreml gestützte Internet Research Agency (IRA) in St. Petersburg, im Westen als Trollfabrik für Pro-Kreml-Propaganda bekannt geworden, vom Zugang zum Internet abgehängt haben soll.

IRA soll von Jewgeni Prigoschin („Putins Koch“) betrieben werden, im Februar 2018 wurde er von Sonderermittler Robert Mueller mit zwölf weiteren Russen wegen Verschwörung mit dem Ziel angeklagt, das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben, sich in die Präsidentschaftswahlen eingemischt zu haben und Fake News zu verbreiten. Nach der Anklageschrift hat die IRA ein Budget von mehreren Millionen US-Dollar, verschiedene Abteilungen und Hunderte von Angestellten, die Übersetzungsabteilung soll alleine 80 Angestellte beschäftigen.

Im Oktober hatte die New York Times berichtet, das US-Cyberkommando würde einzelne russische Personen, die Desinformation verbreiten, überwachen und ihnen dies zur Abschreckung mitteilen. Damals hieß es, dass seien die ersten „Cyberoperationen“, um die Wahlen zu schützen. Zuvor hatte das Justizministerium vor einem russischen Informationskrieg gegen die Wahlen gewarnt, der aber nicht stattfand.

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Neuer Schutzmechanismus des Darms entdeckt – Positiver Stress der Darmzellen stärkt Abwehr gegen Entzündungen

Bei „positivem Stress“ rufen die Darmzellen (blau) Abwehrzellen (grün) herbei, die Immunglobulin A produzieren – und das schützt die Darmschleimhaut. © Brigham & Women’s Hospital/ Harvard Medical School
Unerkannte Abwehrtruppe: Forscher haben im menschlichen Darm einen bisher unerkannten Schutzmechanismus gegen Darmentzündungen identifiziert. Ausgelöst wird er durch Stress bestimmter Bestandteile der Darmschleimhautzellen. Dies bringt Abwehrzellen dazu, Immunglobulin A auszuschütten – und das stärkt die Darmbarriere und verhindert überschießende Entzündungsreaktionen. Forscher hoffen nun, dass dieser Mechanismus auch die Therapie entzündlicher Darmerkrankungen verbessern könnte.

scinexx

Millionen Menschen weltweit leiden unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Allein in Deutschland sind rund 300.000 Patienten von diesen durch Durchfälle und Bauchschmerzen begleiteten Erkrankungen betroffen. Was diese Darmentzündungen verursacht, ist bislang unklar. Als mögliche Auslöser gelten neben genetischen Risikofaktoren Störungen der Darmflora und der Darmbarriere durch Umweltchemikalien, Desinfektionsmittel oder Nanopartikel.

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Bullshistic: Christliche Werte sollten Digitalisierung prägen – „Die Verankerung des christlichen Menschenbildes“

Image: MIT News
„Wir müssen die Kirchen zwingen, sich daran zu beteiligen“: Bei der Digitalisierung muss nach Ansicht christlicher Unternehmer das christliche Menschenbild eine größere Rolle spielen.

DOMRADIO.DE

„Die Verankerung des christlichen Menschenbildes in der digitalen Welt und besonders bei der Künstlichen Intelligenz ist die fundamentale Aufgabe christlicher Führungskräfte“, sagte Friedhelm Wachs, stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU) ist, auf dem Kongress Christlicher Führungskräfte (KCF) am Donnerstag in Karlsruhe.

Derzeit werde die Digitalisierung von Menschen geprägt, die einen asiatisch atheistischen und konfuzianischen Hintergrund haben, sagte Wachs. „Wir brauchen vor China keine Angst zu haben“, betonte er.

Aber die Europäer müssten verstehen, wie Chinesen ethisch „ticken“. Bei der Digitalisierung müsse sichergestellt sein, dass weiterhin der einzelne Mensch zähle.

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Geld- und Gefängnisstrafen drohen – Nachrichtensperre im Fall Pell: Justiz geht gegen Journalisten vor

Bild: © picture alliance / abaca (Archivbild)
Im Dezember erging der Schuldspruch gegen Kardinal George Pell – doch wissen durfte das niemand: Der Richter hatte eine Nachrichtensperre verhängt. Nicht alle haben sich daran gehalten – jetzt will der Staat durchgreifen.

katholisch.de

Die australische Justiz geht gegen mehr als 100 Journalisten und Verlage vor, die gegen die Nachrichtensperre im Missbrauchsprozess gegen Kardinal George Pell verstoßen haben. Nach Informationen der britischen Zeitung „The Guardian“ hat die Generalstaatsanwältin des Bundesstaats Victoria, Kerri Judd, an die Beschuldigten bereits Anfang Februar Aufforderungen verschickt, sich zum Bruch der Nachrichtensperre zu äußern.

Richter beklagt „empörende und schamlose“ Veröffentlichungen

Der Richter im Prozess gegen Pell, Peter Kidd, äußerte sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bei einer Anhörung mit Staatsanwälten und den Verteidigern des Kardinals deutlich über den Bruch der von ihm verhängten Nachrichtensperre.

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Argentinien: Kritik von Menschenrechtlern nach erzwungener Geburt bei Elfjähriger

Eine Frauenrechtsaktivistin bei einer Demonstration für Abtreibungs-Legalisierung in Buenos Aires Mitte Februar. In Argentinien befeuert der nun bekanntgewordene Fall die Debatte zum Thema. (Foto: Natacha Pisarenko/AP)
  • In Argentinien hat eine Elfjährige per Kaiserschnitt ein Kind zur Welt gebracht, nachdem sie mehrmals von einem Familienmitglied vergewaltigt worden sein soll.
  • Amnesty International wirft den Gesundheitsbehörden des Landes vor, dem Mädchen eine legale Abtreibung verwehrt zu haben.
  • Der Gesundheitsminister von Tucumán behauptet, das Mädchen habe von sich aus die Schwangerschaft nicht abbrechen wollen, Menschenrechtsaktivisten widersprechen.

Süddeutsche Zeitung

In Argentinien hat der Fall einer vergewaltigten Elfjährigen, die ein Kind zur Welt gebracht hat, Empörung ausgelöst. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft den Gesundheitsbehörden des Landes vor, dem Mädchen eine legale Abtreibung verwehrt zu haben. Damit habe man die Rechte des Mädchens schwer verletzt, heißt es in der Erklärung Amnestys.

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US-Bischöfe: Pro-Abtreibungs-Politiker bitte nicht zur Kommunion gehen

Was ist uns zentral? (CC-by.2.0 von wahlkampf09)

Pro-Life-Verantwortlicher der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Naumann: „Unseren eucharistischen Herrn zu empfangen, während man sich in einem Zustand der Todsünde befindet, wird das ewige Schicksal unserer Seelen nur noch weiter gefährden.“

kath.net

„Wenn ein Katholik des öffentlichen Lebens auch nach ausführlichem Dialog in skandalösen Aktionen verharrt, halte ich es für notwendig, ihn dazu aufzufordern, dass er nicht darum bittet, die heilige Kommunion zu empfangen.“ Es gehe hier „um eigenen geistiges Wohl, ebenso um den Schutz vieler anderer vor moralischer Verwirrung“. Das schreibt der Pro-Life-Verantwortliche der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Naumann/Kansas, unter Bezug auf katholische Politiker, die sich für legale Formen der Abtreibung aussprechen. Die US-amerikanische Bischofskonferenz hat den zunächst bei „Catholic News Service“ erschienenen Beitrag eigens auf die USCCB-Homepage geholt.

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Nanopartikel verleihen Infrarotsicht – Verblüffend simple Methode könnte den menschlichen Sehsinn erweitern

Mittels Nanopartikeln könnte bald auch der menschliche Sehsinn ins Infrarote erweitert werden. © Delpiuxart/ iStock
Erweiterte Sinne: Eine Injektion mit Nanopartikeln könnte künftig unseren Sehsinn erweitern – und Infrarotstrahlung für uns sichtbar machen. Wie das geht, haben Forscher nun mit Mäusen erfolgreich getestet. Die ins Auge injizierten Nanopartikel lagern sich an den Photorezeptoren der Netzhaut an und wandeln einfallende Infrarotstrahlung in grüne Lichtsignale um. Diese werden dann vom Auge ganz normal verarbeitet. Nach Ansicht der Forscher könnte diese Methode auch uns Menschen eine echte Infrarotsicht verleihen.

scinexx

Auch wenn unser Auge sogar noch einzelne Photonen des Lichts erkennen kann – unser Sehsinn ist vergleichsweise beschränkt. Viele Tiere besitzen deutlich schärfere und schnellere Augen oder sie sehen für uns unsichtbare Bereiche der elektromagnetischen Strahlung. So können Fledermäuse und viele Insekten UV-Licht sehen, andere Wirbellose registrieren Infrarotstrahlung. Das menschliche Auge kann dagegen nur Wellenlängen zwischen 400 und 700 Nanometern wahrnehmen.

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Ditib strebt Anerkennung als Religionsgemeinschaft an

Der neue Vorstand des türkischen Islamverbandes Ditib strebt eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft an. Dazu sollten die regionalen Ditib-Vertreter mit den Länderregierungen erneut in einen Dialog treten und den Austausch vertiefen, sagte der neue Vorsitzende des Verbandes, Kazim Türkmen, in der ZDF-Sendung „Forum am Freitag“. Auch in Bezug auf den islamischen Religionsunterricht wolle die Ditib das Gespräch weiterführen. Deshalb sollten die föderalen Ableger des Verbandes gestärkt und der Posten eines Geschäftsführers etabliert werden.

evangelisch.de

Im Zusammenhang mit dem islamischen Religionsunterricht solle ein Schulreferatssystem eingeführt werden, erklärte Türkmen. Die Ditib suche bei der Etablierung und Fortführung des islamischen Religionsunterrichts an den Schulen zudem den Austausch mit anderen islamischen Organisationen.

Türkmen hatte bei der Vorstellung des neuen Ditib-Vorstandes vor einigen Wochen von einer Neuausrichtung des Verbandes gesprochen. Die Ditib steht wegen ihrer Nähe zum türkischen Staat und dessen Religionsbehörde Diyanet in der Kritik. Bereits auf Länderebene ausgehandelte Staatsverträge sowie diverse Kooperationen mit Bund und Ländern wurden auf Eis gelegt. Auch die Beteiligung der Ditib am islamischen Religionsunterricht in Hessen und Nordrhein-Westfalen wurde in jüngster Zeit infrage gestellt.

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Wucherpfennig: „Tabuisierung von Homosexualität aufheben“

Bild: © KNA/Harald Oppitz
Bei einer Podiumsdiskussion von vier Theologen ging es ums Ganze: Welche Rolle werden Kirche und Religion künftig spielen? Neben dem Jesuiten Ansgar Wucherpfennig antworteten auch Generalvikar Klaus Pfeffer und die Theologin Johanna Rahner.

Von Stefanie Ball | katholisch.de

Es ist eine klassische Frage im Bewerbungsgespräch: „Wo sehen Sie sich in 20 Jahren?“ Am Donnerstagabend im Haus am Dom in Frankfurt bezieht sie sich auf die katholische Kirche, die – schwer angeschlagen nach dem Missbrauchsskandal – in eine ungewisse Zukunft blickt. Denn eine Zuhörerin möchte wissen: „Wo sehen Sie die Kirche in 20 Jahren?“

In der Antwort sind sich die vier Diskutanten auf dem Podium – der Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig, der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, der Chefredakteur der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“, Johannes Röser, und die Dogmatikerin Johanna Rahner aus Tübingen – überraschend einig: Die Gesellschaft komme gut ohne Kirche aus.

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