Massenhafter Kindesmissbrauch blieb jahrelang ohne Folgen


Nach dem massenhaften sexuellen Missbrauch auf einem Campingplatz bei Lügde im Kreis Lippe hat die Polizei am Donnerstag den Platz erneut nach Hinweisen durchsucht. (Bild: Guido Kirchner / DPA / Keystone)
Auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen missbrauchten Männer über Jahre mindestens 31 Kinder. Der Fall weitet sich zum Skandal aus, weil Jugendamt und Polizei versagten.

Jonas Hermann | Neue Zürcher Zeitung

Die Polizei hätte Andreas V. schon vor 17 Jahren stoppen können. Damals wurde der heute 56-Jährige verdächtigt, eine Achtjährige sexuell missbraucht zu haben. Die Behörden notierten den Verdacht, gingen ihm aber nicht nach. Im Laufe der Jahre tauchten immer wieder Hinweise auf, doch es geschah weiterhin nichts. Andreas V. flog erst im Herbst 2018 auf und sitzt nun mit einem mutmasslichen Komplizen in Untersuchungshaft. Mehr als tausend Mal sollen sich die beiden auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Ort Lügde an Minderjährigen vergangen haben.

Ihre Taten filmten sie und gaben die kinderpornografischen Videos an einen 48-Jährigen weiter, der ebenfalls verhaftet wurde. Die Polizei hat bisher 31 Opfer identifiziert. Nicht nur die Dimension des Verbrechens ist ungewöhnlich, sondern auch das doppelte Versagen der Behörden: Erst gingen sie den Hinweisen nicht nach, und nun unterliefen ihnen schwere Pannen bei den Ermittlungen.

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