Von der Droge zur Arznei – wie Libanon sein Cannabis zu Geld machen will


In der Bekaa-Ebene wird Cannabis im grossen Stil angebaut. (Bild: Mohamed Azakir / Reuters)
Libanon ist einer der grössten Haschischproduzenten, aber auch einer der höchstverschuldeten Staaten der Welt. Politiker wollen nun mit einer Legalisierung des Cannabisanbaus für Arzneimittel beide Probleme auf einmal angehen. Doch nicht nur die Hanfbauern sind skeptisch.

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Es ist keine neue Idee, aber nun ist endlich Bewegung in die Sache gekommen, und Mohammed Mroueh ist sichtlich berauscht davon: «Ich fühle mich als Pionier», sagt der Professor der Libanesisch-Amerikanischen Universität in seinem Büro. Seit drei Jahren hat der Pharmakologe die Hochschulleitung davon zu überzeugen versucht, ihm die Erforschung der libanesischen Cannabispflanze zu erlauben. Nun träumt er sogar davon, ein eigenes Forschungszentrum zu bekommen. «Früher hatten alle Angst, das Wort ‹Cannabis› in den Mund zu nehmen. Aber seit dem McKinsey-Bericht sprechen alle davon.»

Positive Resultate mit Krebszellen

Angesichts einer darbenden Wirtschaft, eines aufgeblasenen Beamtenapparats und einer öffentlichen Verschuldung von 152 Prozent des Volkseinkommens hatte die libanesische Regierung die amerikanische Beratungsfirma McKinsey damit beauftragt, eine ökonomische Vision für das mausarme Land zu entwickeln. Diese wurde im vergangenen Mai in einem 1274 Seiten langen Bericht veröffentlicht. Vor allem ein Reformvorschlag darin hat eingeschlagen wie eine Bombe: Die Legalisierung des Cannabisanbaus für medizinische Zwecke.

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