Niko Alm: Neue Karfreitagsregelung – ein gelungener Abbau religiöser Privilegien

Die neue Lösung überwindet ungerechtfertigte Bevorzugung und ist weltanschaulich neutral. Die Empörung der Kritiker ist freilich entlarvend

Niko Alm | derStandard.de

Fast jeder freut sich über einen arbeitsfreien Tag, sogar Unternehmer und Geschäftsführer. Doch persönliche Vorteile sind keine Grundlagen für politische Entscheidungen. Und so kann man sich für sich selbst einen neuen Feiertag wünschen, aber den Weg dorthin für politisch nicht richtig halten.

Der Karfreitag war in Österreich in der Zweiten Republik immer ein Werktag für fast alle Berufstätigen. Nur für Protestanten und Altkatholiken wurde im Generalkollektivvertrag eine Ausnahme geschaffen. Sie konnten an dem Tag beten gehen, ohne dafür einen Urlaubstag zu verbrauchen. Die notwendige Arbeit musste gegebenenfalls von anderen Kollegen im Unternehmen geleistet werden. Ora et non labora.

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Idlib: Al-Nusra/HTS ist das gefährlichere Monster

HTS-Kämpfer rufen dazu auf, sich der“ wahren syrischen Revolution“ anzuschließen
Das IS-Kalifat verschwindet, für die Herrschaft der Dschihadisten in Idlib gibt es noch keine Lösung. Lawrow mahnt die Türkei vergebens

Thomas Pany | TELEPOLIS

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erinnerte gestern die Türkei an die Verpflichtungen, die sie vergangenen September mit Russland eingegangen ist. Im syrischen Idlib gebe es noch immer „Brutstätten terroristischer Präsenz“, mahnt Lawrow laut Tass: „Zu allererst betrifft dies die Hayat Tahrir al-Sham-Miliz (HTS), die provokante Überfälle gegen Zivilisten wie auch gegen das russische und syrische Militär unternimmt.“

Der Wortlaut ist, soweit ihn die russische Nachrichtenagentur ins Englische übersetzt, nicht besonders scharf. Der Außenminister spricht davon, dass Russland die türkischen Partner dazu „ermuntere“, seine Verpflichtungen aus dem gemeinsamen Abkommen zu erfüllen. Lawrow weiß, dass die Vorgabe, die Situation in Idlib zu „stabilisieren“, nicht einfach ist.

Besonders schwierig gestaltet sich die Erfüllung des Passus aus dem Abkommen, der vorsieht, dass sämtliche Terroristen, worunter HTS, aka die al-Nusra-Front, ganz ausdrücklich gehört, aus der vereinbarten Deeskalationszone in Idlib abziehen sollen. Bislang sieht es überhaupt nicht danach aus.

Ganz im Gegenteil: Anfang des Jahres hat Hayat Tahrir al-Sham-Miliz seine Dominanz in Idlib ausgebaut und in den letzten Wochen gefestigt und niemand hat offensichtlich eine praktikable Lösung parat, wie der HTS-Herrschaft beizukommen ist. Daher rührt auch die relative Geduld der russischen Verhandlungspartner und deren syrischer Verbündeter. Es sind verschiedene Interessen im Spiel.

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Is Matter Conscious? Why the central problem in neuroscience is mirrored in physics

Image credit: NAUTILUS
The nature of consciousness seems to be unique among scientific puzzles. Not only do neuroscientists have no fundamental explanation for how it arises from physical states of the brain, we are not even sure whether we ever will. Astronomers wonder what dark matter is, geologists seek the origins of life, and biologists try to understand cancer—all difficult problems, of course, yet at least we have some idea of how to go about investigating them and rough conceptions of what their solutions could look like. Our first-person experience, on the other hand, lies beyond the traditional methods of science. Following the philosopher David Chalmers, we call it the hard problem of consciousness.

By Hedda Hassel Mørch | NAUTILUS

But perhaps consciousness is not uniquely troublesome. Going back to Gottfried Leibniz and Immanuel Kant, philosophers of science have struggled with a lesser known, but equally hard, problem of matter. What is physical matter in and of itself, behind the mathematical structure described by physics? This problem, too, seems to lie beyond the traditional methods of science, because all we can observe is what matter does, not what it is in itself—the “software” of the universe but not its ultimate “hardware.” On the surface, these problems seem entirely separate. But a closer look reveals that they might be deeply connected.

Consciousness is a multifaceted phenomenon, but subjective experience is its most puzzling aspect. Our brains do not merely seem to gather and process information. They do not merely undergo biochemical processes. Rather, they create a vivid series of feelings and experiences, such as seeing red, feeling hungry, or being baffled about philosophy. There is something that it’s like to be you, and no one else can ever know that as directly as you do.

Our own consciousness involves a complex array of sensations, emotions, desires, and thoughts. But, in principle, conscious experiences may be very simple. An animal that feels an immediate pain or an instinctive urge or desire, even without reflecting on it, would also be conscious. Our own consciousness is also usually consciousness of something—it involves awareness or contemplation of things in the world, abstract ideas, or the self. But someone who is dreaming an incoherent dream or hallucinating wildly would still be conscious in the sense of having some kind of subjective experience, even though they are not conscious of anything in particular.

Philosophers and neuroscientists often assume that consciousness is like software, whereas the brain is like hardware.

Where does consciousness—in this most general sense—come from? Modern science has given us good reason to believe that our consciousness is rooted in the physics and chemistry of the brain, as opposed to anything immaterial or transcendental. In order to get a conscious system, all we need is physical matter. Put it together in the right way, as in the brain, and consciousness will appear. But how and why can consciousness result merely from putting together non-conscious matter in certain complex ways?

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Japan erleichtert Forschung an Mensch-Tier-Hybriden

Forscher in Japan dürfen künftig Tiere züchten, die menschliche Organe haben. Damit soll Menschen geholfen werden, die bisher vergeblich auf eine Organspende warten.

Neue Zürcher Zeitung

Viele Patienten warten vergeblich auch ein Organtransplantation, denn es gibt weniger Spender als Empfänger. Eine Idee, diesen Engpass zu umgehen ist, menschliche Organe in Tieren zu züchten. In Japan hat das Wissenschaftsministerium in Tokio nun mehrere Einschränkungen für das Einpflanzen menschlicher Stammzellen in Tiere aufgehoben.

Die neuen Regeln erlauben es Wissenschaftern nun, Tierembryonen eine spezielle Art menschlicher Stammzellen einzupflanzen und diese Embryonen dann auch von Tieren austragen zu lasen. Die sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) können sich zu jeder Art von Gewebe entwickeln.

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Deutscher Terror in Nahost

Grafik: TP
Die Bedrohung deutscher IS-Kämpfer für die Bundesrepublik? Deutsche Terroristen waren vor allem eine Gefahr für die Menschen in Irak und Syrien

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

„Zum fünften Mal jährte sich Anfang dieses Jahres jener Tag, an dem der Terror aus Nahost endgültig in Deutschland ankam. Über 50 Menschen starben, als sich der Syrer Rabia Al-Bawam in einem Dorf nahe Solingen Anfang 2014 in die Luft sprengte und unser Land für immer veränderte: Sicherheitsgesetze wurde verschärft, die Überwachungsbefugnisse der Geheimdienste ausgeweitet, die deutschen Grenzen wurden für die meisten Migranten aus Nahost ebenso geschlossen wie Dutzende Moscheen.

Zwei Innenminister und ein Verfassungsschutzpräsident mussten zurücktreten, weil sie keine Antwort liefern konnten auf die Frage, die auch heute noch Untersuchungsausschüsse von Bund und Ländern beschäftigen: Wie konnte es geschehen, dass ein Mann, der seit Jahren im Visier der Sicherheitsbehörden stand, ja sogar schon einmal wegen Terrorplänen in Haft saß, völlig problemlos in die Bundesrepublik einreisen konnte?“

Die Geschichte ist nicht völlig frei erfunden, nur in Deutschland spielt sie nicht.

Der Ort des Anschlags liegt nicht bei Solingen, sondern in der Nähe der syrischen Stadt Homs. Und der Mann, der Anfang 2014 wahrscheinlich über 50 Menschen mit in den Tod riss, war kein Syrer namens Rabia Al-Bawam, sondern ein Deutscher namens Robert Baum. Der Grund, warum es am Jahrestag seines Anschlags weder Sondersendungen noch Untersuchungsausschüsse geben wird: Der Terror, den er verbreitete, kam aus Deutschland und traf Menschen in Nahost.

Wenn dieser Tage wieder Politiker und Medien über die Schwierigkeiten im Umgang mit IS-Terroristen diskutieren, scheint noch immer das Credo zu lauten: Terror kann es nur gegen, aber nicht durch Deutsche geben. Von potenziellen Bedrohungen und möglichen Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann.

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If God, Why Evil? – A Debate on the Problem of Evil

In this Ask Me Anything, Dr. Shermer performs a postmortem on his debate/dialogue on with Dr. Brian Huffling at the Southern Evangelical Seminary in Charlotte, North Carolina, on Saturday February 23, 2019. The specific topic was: “Is the Reality of Evil Good Evidence Against the Christian God?” Watch the video of the debate.

eSKEPTIC

This is an exercise in the difference in thinking between a Christian philosopher/theologian/apologist and a secular scientist/humanist/atheist. Dr. Huffling focused on purely philosophical arguments about the nature of God, evil, omniscience, omnipotence, and moral perfection, whereas Dr. Shermer concentrated on specific examples of evil in the world and challenged Dr. Huffling to explain why God fails to do anything about them. In the end (literally at the end of the debate), when Dr. Shermer pushed him to explain why God allows childhood leukemia and the attendant suffering by children and their loving parents, Dr. Huffling’s answer was “I don’t know.”

Bundesdatenschützer: Vorratsdatenspeicherung endgültig begraben

Ulrich Kelber (Bild: c’t)
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber appelliert an die Politik, das bestehende Gesetz zum Protokollieren von Nutzerspuren zurückzunehmen.

Von Stefan Krempl | heise online

Das Bundesverfassungsgericht will in diesem Jahr darüber entscheiden, ob das hiesige Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Geht es nach dem Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber, sollte der Gesetzgeber aber nicht auf die Entscheidung der Karlsruher Richter warten, sondern die seit Jahren umkämpften Vorschriften schon vorher einstampfen.

„Die anlasslose Erhebung und Speicherung von Daten ist nicht mit den Grundrechten vereinbar“, erklärte der SPD-Politiker gegenüber dem Handelsblatt. „Politik und die Sicherheitsbehörden sollten sich deshalb von der Idee der Vorratsdatenspeicherung endgültig verabschieden.“ Kelber begründet seinen Appell mit den „klaren“ einschlägigen Entscheidungen insbesondere des Europäischen Gerichtshofs (EuGH).

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Die Sprache der evangelikalen Taliban

Hartmut Steeb, 2012. Bild: wikipedia.org/CC BY 2.0 – Hartmut Steeb
Heinrich-Böll-Stiftung ehrte die wegen Verstoßes gegen das Werbeverbot für Abtreibungen in zwei Instanzen verurteilte Ärztin Kristina Hänel. „Wer Straftaten und Straftäter lobt, verlässt den Rechtsstaat.“

Hartmut Steeb | kath.net

Mir klingen die Schlachtrufe in den Ohren, die ich mir Jahr für Jahr beim Marsch für das Leben in Berlin anhören muss: „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“. Das wird uns dort entgegengeschleudert, wenn wir uns dafür einsetzen, dass auch das noch nicht geborene Kind einen eigenen Rechtsanspruch auf Leben hat. Das ist meine Überzeugung, das sagt das Grundgesetz aus mit den grandiosen ersten Sätzen „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen aller staatlichen Gewalt. Jeder hat das Recht auf Leben…“ und das hat das Bundesverfassungsgericht in den einschlägigen Urteilen zu §§ 218 ff Strafgesetzbuch festgehalten. Ja, es gehört auch zur Freiheit des Menschen, Gott und erst recht auch ein Patriarchat ablehnen zu dürfen. Aber unser gesellschaftliches Zusammenleben wird ohne Staat nicht funktionieren. Wer ihn so grundsätzlich ablehnt wie jene grölenden Gegendemonstranten, stellt sich außerhalb dieser staatlichen Gemeinschaft. Solche Verfassungsfeindlichkeit kann nicht akzeptiert werden und der Staat darf das auch nicht tolerieren. Verfassungsfeindlichkeit muss geächtet werden.

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Scharia in Indonesien: Stockschläge für außerehelichen Sex

Bild. tagesschau.de
Sie waren beim Sex außerhalb der Ehe erwischt worden, dafür wurden zwölf Indonesier öffentlich mit Stockschlägen bestraft. In der Provinz Aceh im Norden von Sumatra gilt das islamische Gesetz, die Scharia.

tagesschau.de

In Indonesien sind sechs Paare wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs öffentlich mit Stockschlägen bestraft worden. Acht Menschen erhielten jeweils zwischen 17 und 25 Schläge von vermummten Scharia-Beamten, nachdem sie beim Sex außerhalb ihrer Ehe erwischt worden waren, wie die Behörden der islamisch geprägten Provinz Aceh erklärten. Vier weitere Menschen erhielten jeweils sieben Schläge als Strafe für Sex mit Partnern, mit denen sie nicht verheiratet waren.

Nach der Bestrafung waren mindestens zwei Frauen so schwer verletzt, dass sie von Scharia-Beamten weggetragen werden mussten. Dutzende Schaulustige wohnten der öffentlichen Bestrafung bei. Manche zuckten nach den Schlägen zusammen, andere filmten die Szenen mit ihren Smartphones und Tablets.

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Wurm-„Autobahn“ im Urzeit-Schlamm: 500 Millionen Jahre alte Wurmspuren torpedieren gängige Annahmen zum Kambrium-Meer

Paläontologe Brian Pratt vor der Burgess-Shale-Formation. Die neuentdeckte Wurm-„Autobahn“ in Sediment aus der gleichen Zeit wirft auch auf diese Fossilfundstätte ein neues Licht. © Brian Pratt
Überraschender Fund: In Kanada haben Paläontologen eine wahre Wurm-„Autobahn“ entdeckt: Unmengen von versteinerten Bohrgängen, die vor rund 500 Millionen Jahren von verschieden großen Würmern hinterlassen wurden. Das Spannende daran: Bisher hielt man den Meeresgrund zu jener Zeit für zu sauerstoffarm für solche Sedimentbewohner. Die Entdeckung der Wurm-Autobahn zwingt die Paläontologen nun zum Umdenken.

scinexx

Das Zeitalter des Kambrium brachte eine wahre Explosion der irdischen Lebensformen mit sich. In relativ kurzer Zeit entwickelten sich die Baupläne fast aller heutiger Großgruppen des Tierreichs. Vor allem die mitsamt Weichteilen erhaltenen Fossilien aus dem kanadischen Burgess Shale zeugen von dieser Lebenswelt. Dort finden sich die frühesten Belege für Adern und Herz, für das Gehirn und den wahrscheinlich frühesten Vorfahren aller Wirbeltiere.

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Bisher geheime Akten ab 2020 zugänglich: Papst Franz öffnet Archive zu Pius XII.

Bild: © KNA
Papst Pius XII. polarisiert noch heute: Hat er genug gegen die Nationalsozialisten getan? Bisher waren die Akten im Vatikanischen Geheimarchiv verschlossen – nun verfügte Papst Franziskus die Öffnung. Das könnte auch Auswirkungen auf den laufenden Seligsprechungsprozess haben.

katholisch.de

Papst Franziskus will in einem Jahr die Akten für die Amtszeit von Papst Pius XII. (1939-1958) freigeben. Die Dokumente der vatikanischen Archive sollten am 2. März 2020, dem 81. Jahrestag der Papstwahl Eugenio Pacellis, für die Forschung zugänglich gemacht werden, sagte Franziskus am Montag im Vatikan. Dies wird von der Forschung seit Jahren verlangt, um Aufschluss über die Haltung von Pius XII. angesichts des Holocausts zu bekommen. Öffentlich zugänglich sind bislang die Archive bis 1939, dem Ende der Amtszeit von Pius XI. (1922-1939).

Franziskus hatte wiederholt seine Bereitschaft bekundet, die Akten für die Forschung freizugeben, sobald deren Katalogisierung abgeschlossen sei.

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