Christentum und Islam: Wie politisch darf der Glaube sein?


Brüder im Geiste? Imam Sheikh Ahmad al-Tayyeb und Bundesinnenminister Thomas de Maiziere im Mai 2017 auf dem Evangelischen…Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Wer sagt, der politische Islam gehöre nicht zu Deutschland, kennt die Geschichte des Christentums nicht. Oder er misst mit zweierlei Maß. Ein Kommentar.

Von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL

Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland. Dieser Satz soll eine Brücke bilden von Islamgegnern zu Islamkritikern, von Konservativen zu Liberalen, von Gläubigen zu Atheisten. Deshalb muss möglichst unbestimmt bleiben, was mit „politisch“ gemeint ist. Es reicht eine Ahnung. Irgendwas mit Weltanschauung, Gesellschaftsgestaltungswille, rigider Moral. Kurz alles, was über das Gebet im stillen Kämmerlein hinausgeht.

Muss eine Religion unpolitisch sein, um akzeptiert zu werden? Ein kurzer Blick auf das Christentum.

Martin Luther King, der Baptistenprediger, sein „I have a dream“ vor dem Lincoln-Memorial in Washington D.C., das „We shall overcome“ der Bürgerrechtsbewegung, deren Analogie von Moses, der die Israeliten aus der Gefangenschaft führte, zu ihrer Hoffnung, von Gott aus der Sklaverei geführt zu werden, „Let my people go“. Hochpolitisch und tiefreligiös.

weiterlesen