Dodo Käßmanns evangelisches Badesalz

Bekommt jetzt eine eigene Zeitschrift: Margot Käßmann, hier auf einem Adventskalender neben dem Reformator Martin Luther (dpa/ Holger Hollemann)
Die evangelische Theologin Margot Käßmann bringt ab April eine eigene Zeitschrift heraus, in der sie über Persönliches und Politisches schreiben möchte. Der Titel: „Mitten im Leben“. Arno Orzessek erwartet in seiner Glosse allerdings nur laufendes Posting auf Papier.

Von Arno Orzessek | Deutschlandfunk

Die evangelische Theologin Margot Käßmann bringt ab April eine eigene Zeitschrift heraus, in der sie über Persönliches und Politisches schreiben möchte. Der Titel: „Mitten im Leben“. Arno Orzessek erwartet in seiner Glosse allerdings nur laufendes Posting auf Papier.

Eine Info vorab… Und zwar für diejenigen, die im Religiösen nicht so sattelfest sind und von Margot Käßmann vielleicht nur wissen, dass sie anno dunnemals mit 1,5 Promille über Rot gebrettert ist: Käßmann hat sich zwar im letzten Sommer bei verminderten Bezügen frühzeitig pensionieren lassen, aber die gläubige Christin ist natürlich weiterhin im Auftrag des Herrn unterwegs – echter Ruhestand folgt erst im Himmel.

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Nils Binnberg über zwanghaftes Essen: „Vegan-Sein erschien mir wie der Weg zur Unsterblichkeit“

In Supermärkten fühlte Nils Binnberg sich von der Auswahl unter Druck gesetzt.Foto: imago/Panthermedia
In Berlin wird Ernährung wie Religion behandelt. Er hat alles probiert. Autor Nils Binnberg wollte gesund essen – und wurde darüber krank.

Von Deike Diening | DER TAGESSPIEGEL

Herr Binnberg, was haben Sie heute gegessen?
Eine Pizza mit Büffelmozzarella und Kirschtomaten. Zum Frühstück gab es Amaranth-Poppies mit Beeren und Hafermilch.

Hört sich gesund an. Zu welchem Food-Trend gehört das?

Zu gar keinem, mein Essen hat kein Label mehr, das ist eine große Befreiung. Ich esse Amaranth jetzt nicht mehr, weil es kein Gluten hat, sondern weil ich das nussige Aroma mag. Acht Jahre lang bin ich allen möglichen Ernährungstrends gefolgt, bis ich in dem Versuch, möglichst gesund zu essen, krank geworden bin: Orthorexia nervosa.

Sie sagen, Sie seien am Ende 20 Ernährungslehren gleichzeitig gefolgt. Widersprechen sich die nicht?
Doch, man muss das nur nacheinander machen. Bei mir fing es an mit Low-Carb, darüber kam ich zur Paleo-Diät, das ist die Steinzeit-Diät mit viel Fleisch, tierischen Produkten, Eiern und Fisch. Dann landete ich irgendwann bei vegan, der rein pflanzlichen Ernährung. Das war für mich die Königsklasse. Es war die reine Lehre, „clean eating“, was bedeutet, dass man keine industriell verarbeiteten Lebensmittel zu sich nimmt und nichts, das mehr als fünf Zutaten hat. Vegan-Sein erschien mir wie der Weg zur Unsterblichkeit. Ernährungslehren haben ja auch etwas extrem Religiöses. Selbst in säkularisierten Gesellschaften sehnen wir uns nach Gemeinschaft und Identität. Ernährung formt unsere Identität. Und sobald man sich einer Lehre verschreibt, missioniert man ja auch andere.

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Fall Skripal: Wenn Fakten zu „Narrativen“ werden

Grafik: TP
Einige Gedanken zu russischer und westlicher Propaganda, sowie einer zunehmenden Eintrübung des Denkvermögens in Wissenschaft und Medien

Paul Schreyer | TELEPOLIS

Am angesehenen Londoner King’s College, einer der größten und ältesten Universitäten Großbritanniens, wurde jüngst eine 140 Seiten umfassende Studie zu „gezielter Desinformation“ durch russische Staatsmedien veröffentlicht. Der Untersuchung zufolge machen RT und Sputnik „Nachrichten zur Waffe“ und verbreiten insbesondere im Fall Skripal unzählige, teils widersprüchliche Narrative, also Erzählungen.

Tenor des Papiers: Die Russen wollen uns täuschen und verwirren. Der ARD Faktenfinder präsentierte die Studie dem deutschen Publikum und schloss sich den britischen Analysen weitgehend an. Soweit nichts Neues.

Dennoch birgt die Untersuchung Interessantes. Denn schaut man sich die 138 von den Forschern akribisch zusammengestellten russischen „Narrative“ einmal im Einzelnen an – sie befinden sich etwas versteckt im „Anhang 3“ des Papiers -, dann findet man dort unter anderem folgende Aussagen nummeriert aufgelistet:

  • Großbritannien hat Russland überstürzt beschuldigt, ohne Fakten vorzulegen
  • keine Beweise für Russlands Schuld
  • einseitige westliche Medien befeuern die Spannungen
  • britische Reaktionen sind illegal bzw. nicht ordentlichem Verfahren entsprechend
  • britische Verwendung des Wortes „wahrscheinlich“ bedeutet: kein Beweis
  • Großbritannien hindert russische Behörden illegal daran, eigene Staatsbürger zu sehen
  • Ausweisung der Diplomaten durch die USA verstößt gegen internationales Recht
  • USA wollen Gelegenheit nutzen, um europäischen Gasmarkt zu übernehmen
  • Großbritannien hat kein Interesse daran, Spannungen mit Russland abzubauen
  • Russland verlangt Zugang zu Julia Skripal, den Großbritannien verweigert
  • Großbritannien versteckt die Skripals
  • Russland hat kein Motiv für die Vergiftung
  • das verwendete Nowitschok könnte aus einem westlichen Land stammen
  • Großbritannien führt einen Propagandakrieg
  • Großbritannien nutzt die Skripal-Vergiftung, um die Aufmerksamkeit von innenpolitischen Problemen abzulenken

Um es noch einmal deutlich zu wiederholen: All diese Aussagen listet die Studie als „desinformierende Narrative“, mit denen russische Staatsmedien versuchen würden, die westliche Öffentlichkeit zu verwirren und zu täuschen. Das Problem dabei ist offenkundig: Die sogenannten „Narrative“ sind zum Teil unstrittige Fakten.

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Meet ‚The Blobs‘: Two Continent-Size Mountains in Earth’s Deep Mantle That Nobody Understands

Near the bottom of Earth’s mantle lie two continent-sized blobs of hot, compressed rock. They are called large low-shear-velocity provinces (LLSVPs) because seismic waves slow down as they pass through them, but geologists usually just call them „the blobs.“ (Image: © Cottaar and Lekic)
About halfway between your feet and the center of Earth, two continent-size mountains of hot, compressed rock pierce the gut of the planet — and scientists know almost nothing about them.

By Brandon Specktor | SPACE.com

Technically, these mysterious hunks of rock are called „large low-shear-velocity provinces“ (LLSVPs), because seismic waves shuddering through Earth always slow down when passing through these structures.

A mesmerizing image, featured in an article on Eos (the official news site of the American Geophysical Union, or AGU), gives us one of the most detailed views yet of these rocky anomalies — which most scientists simply call „the blobs.“ [Earth’s 8 Biggest Mysteries]

Geophysicists have known about the blobs since the 1970s but aren’t much closer to understanding them today.

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Eine Reise zum Ursprung der Philosophie

Staunen wie die Kleinen (picture alliance / imageBROKER / Tommy Seiter)
Am Anfang der Philosophie steht das Staunen. Die Literaturwissenschaftlerin Nicola Gess hat diesem Motor des Denkens eine Poetik gewidmet. Darin zeigt sie, dass am Ursprung der Philosophie auch ein subversives Potential schlummert.

Von Etienne Roeder | Deutschlandfunk Kultur

Der Atem des Publikums stockt, wenn im Zirkus die Akrobaten in schwindelerregender Höhe ihre Kunststücke vorführen. Ob Luftakrobaten, Zauberer oder Kuriositäten wie Schlangenmenschen – sie alle versetzen den Betrachter in pures Staunen. Es ist ein Staunen, gepaart mit Bewunderung über die Ausweitung des Möglichen. Nicola Gess erkundet in ihrem Buch über das Staunen dessen Relevanz für die Gegenwartskultur.

So wie Christopher Nolan in seinem Science-Fiction-Epos „Interstellar“ sein Publikum über die Möglichkeit der intergalaktischen Reise staunen lässt, ließen die Automaten oder auch Zauberer im 18. Jahrhundert ihr Publikum wie Kinder staunen. Damals wurde jedoch unterschieden zwischen einem kindlichen und einem erwachsenen Staunen. Die Literaturwissenschaftlerin Nicola Gess erzählt:

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Anne Schneider bleibt bei Forderung nach assistiertem Suizid

Knapp fünf Jahre nach ihrer Krebsdiagnose bleibt die Frau des früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anne Schneider, bei ihrer Forderung nach einer Erlaubnis ärztlicher Hilfe bei der Selbsttötung.

evangelisch.de

„Ich plädiere für die rechtliche Möglichkeit eines ärztlich assistierten Suizids“, erklärt Schneider im am Montag erschienenen Buch „Vom Leben und Sterben“. Dies gelte unabhängig von dem, „was ich selber vielleicht tun oder vielleicht nicht tun will“, erklärt sie darin weiter. Menschen sollten ihr Leben in einer menschenwürdigen Weise beenden können, begründet sie ihre Forderung.

Wegen der Brustkrebserkrankung seiner Frau Anne hatte der damalige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider im Sommer 2014 vorzeitig sein kirchliches Amt niedergelegt. Während der beginnenden politischen Debatte über ein Verbot organisierter Hilfe beim Suizid trug das Ehepaar damals öffentlich in Interviews eine Kontroverse aus: Anne Schneider plädierte für die Suizidassistenz, bei der ein Arzt, Angehöriger oder Außenstehender dem Sterbewilligen ein tödliches Mittel überlässt. Nikolaus Schneider vertrat die Position der Kirchen in Deutschland, wonach das nicht erlaubt sein sollte.

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Ur-„Krebse“ sind mit Spinnen verwandt – Umstrittene Abstammung der Pfeilschwanzkrebse geklärt

Lebende Fossilien: Pfeilschwanzkrebse sehen aus wie aus der Zeit gefallen. © PeskyMonkey/ istock
Verwandtschaft enträtselt: Trotz ihres Namens sind Pfeilschwanzkrebse keine Krebse, sondern eng mit Spinnen und Skorpionen verwandt. Wie nun genetische Analysen bestätigen, gehören die urtümlichen Wesen zu den Spinnentieren. Damit scheint die umstrittene Frage um die Abstammung dieser Meeresbewohner endlich geklärt zu sein. Gleichzeitig ergeben sich dadurch neue Fragen zur Evolutionsgeschichte der Arachnida, wie die Forscher berichten.

scinexx

Sie werden so groß wie ein Pizzateller, haben zehn dünne Beine und blaues Blut: Die an der Atlantikküste Nordamerikas und an den Küsten Südostasiens heimischen Pfeilschwanzkrebse sind faszinierende Wesen. Die urtümlichen Tiere existieren in ähnlicher Form bereits seit 450 Millionen Jahren. Sie haben Eiszeiten überlebt und die Dinosaurier kommen und gehen sehen – und heute spielen sie eine wichtige Rolle für die Medizin. Denn ihr Blut kann bakterielle Verunreinigungen anzeigen. Es gerinnt, sobald es in Kontakt mit Toxinen der Mikroorganismen kommt.

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Katholische Kirche verlangt mehr Mitsprache beim Denkmalschutz

Kirche © Julia Steinbrecht (KNA)
Die Katholische Kirche verlangt in Nordrhein-Westfalen mehr Mitsprache beim Denkmalschutz ihrer eigenen Gebäude. Im Rahmen einer möglichen Gesetzesänderung wären die Kirchen dabei zu „einer stärkeren Mitverantwortung bereit“.

DOMRADIO.DE

Im Unterschied zu privaten Eigentümern von Baudenkmälern sähen sich die Kirchen fachlich „auf Augenhöhe“ mit den Landeskonservatoren und den Unteren Denkmalbehörden, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme des Katholischen Büros NRW an den Düsseldorfer Landtag.

Auf Initiative der beiden Regierungsfraktionen von CDU und FDP diskutiert der Düsseldorfer Landtag derzeit Möglichkeiten, Eigentümer beim Erhalt und der Nutzung von Denkmälern besser zu unterstützen.

Katholisches Büro beklagt unzureichende Zusammenarbeit

Von den mehr als 85.000 Baudenkmälern in NRW befinden sich gegenwärtig 64.000 in privatem und 7.000 in kirchlichem Besitz.

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SXSW 2019: Genetisch veränderte Menschen – Forschung fürchtet sich vor „Frankenstein“-Moment

Amy Webb. Viele Besucher in Austin wollten die Zukunftsforscherin der New Yorker Stern School of Business sehen. (Foto: Getty Images)
Künstliche Intelligenz, Gentechnik und Big Data revolutionieren Forschung und Medizin. Die Innovationen wecken Hoffnungen, schüren aber auch Ängste.

Sebastian Matthes, Britta Weddeling | Handelsblatt

Wenn auf einem der Panels bei der Digitalkonferenz South by Southwest (SXSW) im texanischen Austin das Schlagwort Crispr angekündigt wird, dann ist der Saal bis auf den letzten Platz besetzt, und viele Interessierte warten vor den Türen vergeblich auf Einlass. Die molekulare Maschine Crispr spürt bestimmte Abschnitte im menschlichen Genom auf und „schneidet“ sie heraus. So können Fehler im DNA-Code im Prinzip so einfach korrigiert werden wie der Tippfehler in einem Textdokument.

Schwere genetisch bedingte Erkrankungen wie einige Krebsarten oder Sichelzellenanämie könnten bald der Vergangenheit angehören, hofft Fyodor Urnov, einer der führenden Crispr-Wissenschaftler weltweit. Er leitet die Forschung des Innovative Genomics Institute (IGI) der Universität Berkeley. „Die Ära von Crispr ist das Ende der genetischen Krankheiten“, prophezeit Urnov.

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Speyer bekommt erstmals eine Dombaumeisterin

Bild: © Pressestelle Bistum Speyer
Der Kaiserdom zu Speyer ist fast 1.000 Jahre alt – jetzt hat erstmals in seiner Geschichte eine Frau die architektonische Oberaufsicht über das mächtige Gotteshaus. Die ist mit 32 Jahren zugleich die jüngste Dombaumeisterin Deutschlands.

kath.net

Erstmals hat das Weltkulturerbe Speyrer Kaiserdom eine Dombaumeisterin. Die 32-jährige Hedwig Drabik wurde am Montag als Architektin und Koordinatorin für alle Baumaßnahmen an der weltweit größten romanischen Kirche vorgestellt.

Mit der Stelle erfülle sie sich einen Traum, schon zu Schulzeiten sei Dombaumeisterin ihr Traumberuf gewesen, sagte Drabik am Montag bei einem Pressegespräch in Speyer. „Die Monumentalität, der Raumeindruck und die besondere Atmosphäre in Kirchenräumen haben mich seit jeher fasziniert“, so die neue Dombaumeisterin.

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Bereits mehr als 1100 Tote bei Masernepidemie auf Madagaskar

Ein an Masern erkranktes Kind in einer Klinik in Fort Dauphin, Madagaskar. Die meisten der Todesopfer sind Kinder unter 14 Jahren. (Bild: Rasoanaivo Clarel Faniry / Reuters)
Eine Impfkampagne soll die Masernepidemie auf Madagaskar eindämmen. Die Zahl der Infektionen ist dort derweil seit letztem Monat von 66 000 auf inzwischen 87 000 angestiegen.

Neue Zürcher Zeitung

Die Zahl der Toten aufgrund der Masernepidemie auf Madagaskar ist auf mehr als 1140 gestiegen. Die meisten Opfer sind Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag mitteilte. Vor knapp einem Monat hatte die WHO noch von 900 Toten gesprochen. Die Zahl erfasster Infektionen stieg seither von 66 000 auf inzwischen 87 000.

Hochansteckende Krankheit

Die virale Krankheit ist hochansteckend, lässt sich durch Impfungen aber leicht vermeiden. Die WHO und örtliche Behörden haben in dem Inselstaat vor der Südostküste Afrikas eine Impfkampagne begonnen, die gut sechs Millionen Kinder erreichen soll.

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