Fall Skripal: Wenn Fakten zu „Narrativen“ werden


Grafik: TP
Einige Gedanken zu russischer und westlicher Propaganda, sowie einer zunehmenden Eintrübung des Denkvermögens in Wissenschaft und Medien

Paul Schreyer | TELEPOLIS

Am angesehenen Londoner King’s College, einer der größten und ältesten Universitäten Großbritanniens, wurde jüngst eine 140 Seiten umfassende Studie zu „gezielter Desinformation“ durch russische Staatsmedien veröffentlicht. Der Untersuchung zufolge machen RT und Sputnik „Nachrichten zur Waffe“ und verbreiten insbesondere im Fall Skripal unzählige, teils widersprüchliche Narrative, also Erzählungen.

Tenor des Papiers: Die Russen wollen uns täuschen und verwirren. Der ARD Faktenfinder präsentierte die Studie dem deutschen Publikum und schloss sich den britischen Analysen weitgehend an. Soweit nichts Neues.

Dennoch birgt die Untersuchung Interessantes. Denn schaut man sich die 138 von den Forschern akribisch zusammengestellten russischen „Narrative“ einmal im Einzelnen an – sie befinden sich etwas versteckt im „Anhang 3“ des Papiers -, dann findet man dort unter anderem folgende Aussagen nummeriert aufgelistet:

  • Großbritannien hat Russland überstürzt beschuldigt, ohne Fakten vorzulegen
  • keine Beweise für Russlands Schuld
  • einseitige westliche Medien befeuern die Spannungen
  • britische Reaktionen sind illegal bzw. nicht ordentlichem Verfahren entsprechend
  • britische Verwendung des Wortes „wahrscheinlich“ bedeutet: kein Beweis
  • Großbritannien hindert russische Behörden illegal daran, eigene Staatsbürger zu sehen
  • Ausweisung der Diplomaten durch die USA verstößt gegen internationales Recht
  • USA wollen Gelegenheit nutzen, um europäischen Gasmarkt zu übernehmen
  • Großbritannien hat kein Interesse daran, Spannungen mit Russland abzubauen
  • Russland verlangt Zugang zu Julia Skripal, den Großbritannien verweigert
  • Großbritannien versteckt die Skripals
  • Russland hat kein Motiv für die Vergiftung
  • das verwendete Nowitschok könnte aus einem westlichen Land stammen
  • Großbritannien führt einen Propagandakrieg
  • Großbritannien nutzt die Skripal-Vergiftung, um die Aufmerksamkeit von innenpolitischen Problemen abzulenken

Um es noch einmal deutlich zu wiederholen: All diese Aussagen listet die Studie als „desinformierende Narrative“, mit denen russische Staatsmedien versuchen würden, die westliche Öffentlichkeit zu verwirren und zu täuschen. Das Problem dabei ist offenkundig: Die sogenannten „Narrative“ sind zum Teil unstrittige Fakten.

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