1,3 Milliarden Volt in einer Gewitterwolke – Elektrische Energie in Gewitter ist zehnmal höher als gedacht

Bei einem heftigen Gewitter haben Forscher für die elektrische Spannung in der wolke 1,3 Milliarden Volt ermittelt – zehnmal mehr als je zuvor gemessen. © mdesigner125/ iStock
Extrem geladen: Gewitterwolken erzeugen mehr elektrische Energie als gedacht. Bei einem besonders heftigen Gewitter haben Forscher jetzt Spannungswerte von 1,3 Milliarden Volt ermittelt – das ist zehnmal mehr als bisher durch Ballonmessungen nachgewiesen. Die elektrische Leistung erreichte sogar zwei Gigawatt – das ist der erste Nachweis so hoher Energien in einer Gewitterwolke. Diese enormen Energien könnten erklären, warum einige Gewitter sogar Gammastrahlen und Antimaterie produzieren.

scinexx

In einer Gewitterwolke entstehen mit der Zeit starke Ladungsunterschiede, die sich in Donner und Blitzen entladen. Diese können Stromstärken von mehreren zehntausend Ampere erreichen und in Sekundenbruchteilen die umgebende Luft bis auf 30.000 Grad aufheizen. Doch die enormen Energien des Gewitters setzen auch Reaktionen in Gang, die weit exotischere Folgen haben: Es werden energiereiche Gammastrahlen und sogar Antimaterie in Form von Positronen produziert.

weiterlesen

Schweiz gewährt in der AfD-Spendenaffäre Rechtshilfe

Die AfD-Fraktions-Vorsitzende Alice Weidel steht im Mittelpunkt eines Spendenskandals, dessen Spuren in die Schweiz führen. (Bild: Filip Singer / EPA)
Von wem stammten die Parteispenden, die 2017 beim AfD-Kreisverband der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel ankamen? Die Schweiz will nun bei der Aufklärung helfen.

Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Die Frage treibt die deutsche Politik seit dem vergangenen November um: Wer steckt hinter den Spenden im Umfang von 132 000, welche die AfD-Fraktions-Vorsitzende Alice Weidel erhalten hat? Dreh- und Angelpunkt der Affäre ist die Schweiz. Dort soll nun mehr Licht in die Angelegenheit gebracht werden. Wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich am Freitag mitteilte, hat sie einem Antrag auf Rechtshilfe stattgegeben. Gestellt wurde das Gesuch von der Staatsanwaltschaft Konstanz.

Gegen die Fraktionsvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland und andere Mitglieder ihres Kreisverbandes am Bodensee wird ermittelt, weil 2017 von einer Schweizer Firma 132 000 Franken auf Konten des Kreisverbandes überwiesen worden waren. Als Verwendungszweck sei angegeben gewesen: «Wahlkampfspende Alice Weidel». Der Betrag war in mehrere Tranchen gestückelt. Weidel war zum Zeitpunkt der Transaktion Spitzenkandidatin für den deutschen Bundestag und lebte in der Schweiz.

weiterlesen

Pop-Up-Kirche bringt Segens-Spam in die Einkaufsmeile

Religiöser Spam
Mit einem ungewöhnlichen Projekt will die evangelische Citykirchenarbeit in Karlsruhe christliche Themen ins Gespräch bringen.

evangelisch.de

Dazu soll ein leerstehendes Geschäft als „PopUpChurch“ in der Einkaufsmeile angemietet werden, teilte die Evangelische Citykirchenarbeit am Donnerstag in Karlsruhe mit. „Mit einer Rauminstallation und überraschenden Veranstaltungen zum Thema „Segen“ wollen wir Passanten neugierig machen und in Begegnung mit einem christlichen Thema bringen“, so Pfarrer Dirk Keller.

weiterlesen

Venus im Schaltkreis

VNS matrix, screenshot: bb
Was macht der Feminismus in der virtuellen Welt des Cyberspace? Eine Ausstellung in Zürich zeigt bizarr markierte Geschlechtsöffnungen und führt ein ins Östrogen-Hacking

Von Hans-Joachim Müller | DIE WELT

Zumindest zwei Grundannahmen sollte man akzeptieren, im Zürcher Migros Museum für Gegenwartskunst und der Ausstellung zum „Post-Cyber-Feminism“. Achtung, jetzt nur keinen Sternchenfehler machen. Erstens: Die Künstler*innen gehören in der Mehrheit der sogenannten „Post-Internet-Ära“ an. Was meint, dass ihnen von Geburt an keine andere als die digital aufgerüstete Welt zu Füßen oder zu Händen lag.

Woraus folge, dass man von einer „menschlichen Doppelexistenz im Realen wie im Virtuellen“ auszugehen habe und „unsere Realität als computermedial erzeugter Sinnhorizont definiert“ werden müsse. Das kann man so stehen lassen.

Man könnte allerdings auch mit der gebotenen Bescheidenheit einwenden, dass unsere Avatare wunderhübsche poetische Geschöpfe sind, die vielleicht doch nicht mehr intellektuelle und emotionale Zuwendung verdienen als unsere Haustiere. Jedenfalls entspräche es nicht gleich einer Verkennung des Sinnhorizonts, wenn man noch eine Weile auf der ontologischen Differenz zwischen dem Virtuellen und dem Realen bestünde.

weiterlesen

Bischofstreffen in Lingen: Gerade noch die Kurve gekriegt?

Bild: © KNA/Harald Oppitz
Vier Tage lang haben die deutschen Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung über die weitere Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und „systemische Gefährdungen“ diskutiert. Zum Abschluss überraschten sie mit der Ankündigung einer „synodalen Veranstaltung“. Dennoch fällt das Fazit des Treffens zwiespältig aus.

Von Steffen Zimmermann | katholisch.de

Gerade noch die Kurve gekriegt: Als man schon nicht mehr daran glauben wollte, kamen die deutschen Bischöfe am Donnerstag zum Ende ihrer Frühjahrsvollversammlung in Lingen doch noch mit einem greifbaren Ergebnis um die Ecke. Ohne Gegenstimmen beschlossen die im Emsland versammelten Hirten auf den letzten Metern ihrer Tagung, angesichts der durch den Missbrauchsskandal ausgelösten Verwerfungen einen „synodalen Weg“ zur Erneuerung der katholischen Kirche einzuschlagen. „30 Minuten vor Ende der Besprechungen“, wie Kardinal Reinhard Marx mit Nachdruck betonte. Auch wenn noch weitgehend unklar ist, wie dieser Weg genau aussehen und wo er am Ende hinführen soll, ist die Entscheidung zumindest ein deutliches Signal der Bischöfe an die Gläubigen.

Das Wort „Synode“ vermied Marx allerdings bewusst. Es sei ein Begriff, an dem man sich „zerreiben“ könne, antwortete er salomonisch – wohl auch mit Blick auf die Diskussion, die es während der Sitzung des Ständigen Rates im Januar in Würzburg gegeben hatte. Damals hatten die Bischöfe Peter Kohlgraf (Mainz), Franz-Josef Overbeck (Essen), Stefan Oster (Passau) und Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) einen entsprechenden Vorschlag eingebracht, fanden aber keine Zustimmung bei ihren Amtsbrüdern. Kohlgraf vermutete anschließend, „dass der Begriff der Synode einfach ein wenig zu groß für manche war“.

weiterlesen

Bundestag beschließt Reform: Wahlrecht soll inklusiv werden

Bild: bb
Mehr als 80.000 Menschen stehen unter Vollbetreuung – auch sie dürfen künftig wählen. Der Bundestag hat dafür nach langer Debatte eine Änderung des Wahlgesetzes beschlossen.

tagesschau.de

Menschen, die in allen Angelegenheiten betreut werden, sollen nicht länger pauschal von Wahlen ausgeschlossen werden. Nach monatelangem Ringen verabschiedete der Bundestag einen Antrag der Koalitionsfraktionen, eine entsprechende Reform des Bundes- und des Europawahlrechts zu erarbeiten. Danach sollen die im Bundeswahlgesetz und im Europawahlgesetz bestehenden Wahlrechtsausschlüsse aufgehoben werden.

Bundestag uneins über Umsetzung des inklusiven Wahlrechts

Grundsätzlich bestand großes Einvernehmen im Bundestag, dass Änderungen notwendig seien. Allerdings gingen die Vorstellungen auseinander, wie das geschehen soll. Dies spiegelte sich im Abstimmungsergebnis wider. Der Antrag der Koalitionsfraktionen kam auf 345 von 585 abgegebenen Stimmen. Dagegen votierte niemand, die anderen 240 Abgeordneten enthielten sich.

weiterlesen

Europaparlamentspräsident Tajani: „Mussolini hat positive Dinge getan“

Antonio Tajani. Bild: Europäisches Parlament
Die Forderungen nach Rücktritt des Berlusconi-Fans Antonio Tajani werden nach dessen neuem Eklat lauter

Ralf Streck | TELEPOLIS

„Zum zweiten Mal binnen eines Monats tut sich EP-Präsident Antonio Tajani mit geschichtsrevisionistischen Äußerungen hervor“, twittert der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko und fügt an: „Sein Rücktritt ist überfällig.“ Dass der Europaparlamentspräsident auf dem rechten Auge blind ist, hatte er in den letzten Wochen nun mehrfach deutlich gemacht. Nun hatte er seiner Gesinnung in einem Interview mit dem italienischen Radio 24 freien Lauf gelassen.

Der italienische Faschist und Diktator Mussolini habe vor der Einführung der Rassengesetze und vor der Kriegserklärung „an die ganze Welt“ auch „einige positive Dinge getan“, hatte Tajani erklärt. Und auf Nachfrage merkte er nicht einmal, dass er sich noch tiefer in den braunen Sumpf verstrickte. „Ich bin kein Faschist, ich war nie ein Faschist. Aber wenn wir ehrlich sein wollen, hat er Straßen, Brücken, Gebäude, Sportanlagen gebaut.“ In Deutschland wäre der Rücktritt des Italieners besiegelt. Denn es geht hier (noch) nicht durch, wenn sich Politiker so zu Hitler äußern, was in Spanien in Bezug auf Franco ebenfalls konsequenzlos durchgeht.

Geschichtsrevisionistische Ausfälle von Tajani sind wahrlich nicht neu. Vor einem Monat schrieb auch Der Spiegel über eine „historischen Entgleisung“, da er das „italienische Istrien“ und das „italienische Dalmatien und die italienischen Exilierten“ hochleben ließ und damit für Entrüstung in Slowenien und Kroatien sorgte. Zufällig war auch dieser Ausspruch nicht, denn er sprach ihn im italienischen Basovizza an der Grenze zu Slowenien ausdrücklich als Europaparlamentspräsident aus. Er hatte auch keine Probleme, neben Fahnenträgern in Uniform und dem Chef der rechtsradikalen Lega, Matteo Salvini zu stehen.

weiterlesen

Jacinda Ardern kann Neuseeland durch diese dunklen Tage führen

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern äussert sich im Parlament zum Terroranschlag. (Bild: Hagen Hopkins / Getty Images)
Der Terroranschlag auf Moscheen in Christchurch erschüttert Neuseeland. Die junge Premierministerin Ardern ist gefordert, aber für die Situation genau die Richtige.

Patrick Zoll | Neue Zürcher Zeitung

Der Schock steht der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern ins Gesicht geschrieben, als sie am Freitag vor die Medien tritt. Mit zitternder Stimme spricht sie von einem der dunkelsten Tage Neuseelands. Der Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch sei eine Gewalttat, wie es sie in Neuseeland noch nie gegeben habe. Ebenso unter Schock wie ihre Regierungschefin sind Augenzeugen, die mit Fernsehstationen sprechen: Immer wieder fallen Ausdrücke wie «unglaublich», «am Boden zerstört» oder «Christchurch ist der letzte Ort, an dem ich so etwas erwartet hätte». In diesen Reaktionen spiegelt sich eine einfache Tatsache: Neuseeländerinnen und Neuseeländer fühlen sich generell sicher in ihrem Land. Vor allem auf dem Land kennt und hilft man sich. Selbst die grösste Stadt des Landes, Auckland, hat mit ihren 1,6 Millionen Einwohnern ein lockeres Flair. Bis Freitagmittag war Terrorismus in den Köpfen der lokalen Bevölkerung etwas, das es nur in fernen Ländern gab.

weiterlesen

Die Weltmeere schwächeln nicht bei der Aufnahme von Kohlendioxid

Mit einer Messrosette erfassten die Forscher Eigenschaften des Meerwassers. Daraus berechneten sie die CO2-Aufnahme. (Bild: Nicolas Gruber / ETH Zürich)
Mit einer Messrosette erfassten die Forscher Eigenschaften des Meerwassers. Daraus berechneten sie die CO2-Aufnahme. (Bild: Nicolas Gruber / ETH Zürich)

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

Jahr für Jahr steigt der Anteil des Treibhausgases Kohlendioxid in der Luft aufgrund von Emissionen durch den Menschen an. Der Gehalt hat seit Beginn der Industrialisierung schon um mehr als 45 Prozent zugenommen. Hätten die Ozeane nicht im ganzen Zeitraum massenhaft Kohlendioxid (CO2) aufgenommen, wäre der Anstieg sogar noch viel stärker ausgefallen. 

Mit kletternder Temperatur, so befürchten Klimaforscher, könnte die Fähigkeit der Ozeane, CO2 zu speichern, in Zukunft zurückgehen. Bis anhin macht sich dieser Effekt aber noch kaum bemerkbar. Vielmehr ist die CO2-Aufnahme durch das Meerwasser im gleichen Masse gestiegen wie der menschengemachte Ausstoss. Das berichtet jetzt ein Team um Nicolas Gruber von der ETH Zürich im Wissenschaftsmagazin «Science».

weiterlesen

Darf ich mich als Religionslehrer von der Kirche distanzieren?

Bild: © picture alliance/Felix Kästle/dpa

Als Religionslehrer sollte man an das glauben, was man unterrichtet. Aber wie geht man etwa mit dem Missbrauchsskandal in der Kirche um? Wieviel Distanz zur Kirche ist erlaubt? Carina Caruso bildet Religionslehrer aus – und schreibt für katholisch.de darüber.

Von Carina Caruso | katholisch.de

Als Ausbilderin für Religionslehrer erwische ich mich nach einem Seminar häufig dabei, dass ich in meinen Gedanken einzelnen Fragen oder Beiträgen nachgehe, weil mich ähnliche Fragen beschäftigen wie die angehenden Lehrkräfte: Braucht es angesichts der religiösen Pluralität einen konfessionellen Religionsunterricht? Oder: Wie kann ich religiösen Überzeugungen, die meinen eigenen diametral gegenüberstehen, unvoreingenommen begegnen? Oft stimme ich den Aussagen und Positionen der angehenden Lehrer voll und ganz zu. Manchmal habe ich die umfängliche Bandbreite der studentischen Perspektiven aber auch noch nicht in meine Positionierung einbezogen.

In diesem Semester habe ich Studierende parallel zu ihrem Langzeitpraktikum bei der Unterrichtsplanung und -reflexion begleitet. Das Thema: Kirche. Gemeinsam stellten wir uns Fragen wie: Was ist unsere Intention, wenn wir Kirche unterrichten – jetzt mal unabhängig vom Lehrplan? Inwiefern muss ich mich im Religionsunterricht zu den aktuellen Enthüllungen wie dem Missbrauchsskandal positionieren? Und kann ich angesichts der Enthüllungen noch eine vertrauensvolle Kirchenbeziehung pflegen und gestalten? Können wir da noch über das Kirchenverständnis und das Papstamt sprechen? Sie können sich vorstellen, wie lebhaft die Beteiligung in dieser Seminarsitzung gewesen ist, und dass wir in dieser Sitzung keine Analyse konkreter Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler mehr durchgeführt haben.

weiterlesen