Darf ich mich als Religionslehrer von der Kirche distanzieren?


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Als Religionslehrer sollte man an das glauben, was man unterrichtet. Aber wie geht man etwa mit dem Missbrauchsskandal in der Kirche um? Wieviel Distanz zur Kirche ist erlaubt? Carina Caruso bildet Religionslehrer aus – und schreibt für katholisch.de darüber.

Von Carina Caruso | katholisch.de

Als Ausbilderin für Religionslehrer erwische ich mich nach einem Seminar häufig dabei, dass ich in meinen Gedanken einzelnen Fragen oder Beiträgen nachgehe, weil mich ähnliche Fragen beschäftigen wie die angehenden Lehrkräfte: Braucht es angesichts der religiösen Pluralität einen konfessionellen Religionsunterricht? Oder: Wie kann ich religiösen Überzeugungen, die meinen eigenen diametral gegenüberstehen, unvoreingenommen begegnen? Oft stimme ich den Aussagen und Positionen der angehenden Lehrer voll und ganz zu. Manchmal habe ich die umfängliche Bandbreite der studentischen Perspektiven aber auch noch nicht in meine Positionierung einbezogen.

In diesem Semester habe ich Studierende parallel zu ihrem Langzeitpraktikum bei der Unterrichtsplanung und -reflexion begleitet. Das Thema: Kirche. Gemeinsam stellten wir uns Fragen wie: Was ist unsere Intention, wenn wir Kirche unterrichten – jetzt mal unabhängig vom Lehrplan? Inwiefern muss ich mich im Religionsunterricht zu den aktuellen Enthüllungen wie dem Missbrauchsskandal positionieren? Und kann ich angesichts der Enthüllungen noch eine vertrauensvolle Kirchenbeziehung pflegen und gestalten? Können wir da noch über das Kirchenverständnis und das Papstamt sprechen? Sie können sich vorstellen, wie lebhaft die Beteiligung in dieser Seminarsitzung gewesen ist, und dass wir in dieser Sitzung keine Analyse konkreter Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler mehr durchgeführt haben.

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