Frankreich: Wen repräsentieren die Gelbwesten?

Bild (Acte IX, 12. Januar): Pascal Maga/ CC BY 2.0
Acte 18 und der „Marsch des Jahrhunderts“ für das Klima: Die Bösen und die Guten

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Luft bei den Gilets jaunes ist nicht raus. Außer Atem waren die Amerikaner gestern auf den Champs-Elysées. „It’s wild“, wurde einer von ihnen in einer Reportage zitiert.

Auf der Prachtstraße war Krieg („c’était la guerre“), weswegen er gleich dahin sei, sagt ein Franzose mit einer Gelbweste, den Le Monde-Reporter später dort treffen, wo sich die Bösen mit den Guten vermischen: die Demonstranten für ein besseres Weltklima und die Verfechter einer anderen politischen und sozialen Ordnung Frankreichs.

Die Fröhlichen

450.000 sind gestern am 16. März zum großen Protesttag zusammengekommen. Es waren aber nicht nur die Gelben Westen allein, sondern auch die Klimaschützer, die am Samstag mit dem Marche du siècle (wörtlich „Jahrhundertmarsch“) fortsetzten, was sich am Freitag weltweit in Bewegung gesetzt hatte (Schulstreiks: Die Jugend will Taten sehen). Konvergenz war gestern ein Schlagwort, das von größeren Teilen der Gelbwesten und vor allem von ihren verbliebenen Unterstützern in den Medien hochgehalten wurde.

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Missing Link: Predictive Policing – Verbrechensvorhersage zwischen Hype und Realität

(Bild: Ilkin Zeferli / shutterstock.com)
Zwischen Computer-Forensik und „Minority Report“ bewegt sich die Polizei mit den Versuchen, Verbrechen vorherzusagen. Erfahrungen aus Praxis und Wissenschaft.

Von Ulrike Heitmüller | heise online

Weltweit versuchen Sicherheitsbehörden, mit Hilfe von Methoden des so genannten „Predictive Policing“ (PrePol), die Wahrscheinlichkeit für Verbrechen an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten einzuschätzen. Dazu nutzen sie analytische Werkzeuge auf der Grundlage statistischer Evidenzen, Computerprogramme, die Wahrscheinlichkeiten ausrechnen. Haben sie die Einschätzung, reagieren die Behörden, beispielsweise indem mehr Beamte in einem Risikogebiet Streife gehen.

PrePol ist heutzutage weit verbreitet: So etwa setzen die meisten Polizeidienststellen in den USA entsprechende Methoden ein. Ebenso setzen die deutschen Strafverfolger auf Predictive Policing, und natürlich die österreichischen Behörden.

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Steiner-Schulen geben keine Impfempfehlung aus

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

In einer Rudolf-Steiner-Schule in Biel grassieren die Masern. Das hat unter anderem mit der anthroposophischen Ideologie zu tun.

Von Andrea Kučera | NZZamSonntag

74 Personen haben sich laut Angaben des Bundesamtes für Gesundheit in der Schweiz seit Anfang 2019 mit Masern infiziert. Das ist eine Versechsfachung der Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 37 Ausbrüche entfallen auf den Kanton Bern, wobei die Hälfte der bernischen Fälle auf die Rudolf-Steiner-Schule in Biel zurückgeht.

Das ist kein Zufall: Die anthroposophische Lehre, auf die sich die Steinerschulen berufen, ist generell impfkritisch. «Aufmerksame Eltern erleben gerade bei den Masern oft eine tiefgreifende Reifung ihres Kindes», steht auf dem «Merkblatt Masern», das auf der Website der Anthroposophischen Gesellschaft Schweiz verlinkt ist. Und weiter: «Durch das Fieber überwindet das Kind nicht nur die Maserninfektion, sondern individualisiert dabei seinen Organismus.» Die Frage, wie man zu diesen Aussagen stehe, lässt Vanessa Pohl vom Verband Rudolf-Steiner-Schulen Schweiz unbeantwortet.

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Warum fromme Amis den «Sünder» Trump anbeten – und was das mit König Kyros zu tun hat

Der amerikanische Präsident wird als Gesalbter Gottes verehrt, obwohl er mit Religion wenig am Hut hat.

Hugo Stamm | Watson.ch

Der amerikanische Präsident Donald Trump ist kein vorbildlicher Hüter der christlichen Moral und Ethik. Barmherzigkeit ist nicht seine herausragende Eigenschaft. Empathie empfindet er primär, wenn es um seine eigenen Bedürfnisse geht.

Sein Augenmerk gilt auch nicht primär den Armen, Verfolgten oder den Flüchtlingen. Auch nicht den Minderheiten. Sein Slogan «America first» kann auch auf Trump persönlich angewendet werden.

Auch sein Frauenbild ist nicht wirklich christlich. Wenn er sagt, er könne es sich erlauben, Frauen in den Schritt zu greifen, demonstriert er seine egozentrische Weltsicht.

Trotz «unchristlichem» Verhalten wird Trump von Frommen verehrt

Angesichts dieser Haltung müssten fromme Christen zur Überzeugung gelangen, Trump stehe im Bann des Antichrists. Zumal der Präsident nicht Mitglied einer Freikirche ist. Es ist denn auch nicht klar, wo er religiös verortet werden muss.

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Schulstreiks: Die Jugend will Taten sehen

Schülerstreik in Wellington (Neuseeland), 15. März 2019. Bild: David Tong / CC BY-SA 4.0
In weit über 100 Ländern beteiligten sich Schüler und zum Teil auch Erwachsene an einem globalen Aktions- und Schulstreiktag für effektiven Klimaschutz

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Der globale Schulstreik für mehr Klimaschutz, dessen Aktionen am Freitagnachmittag (MEZ) in den beiden Amerikas noch andauerten oder noch beginnen sollten, scheint ein voller Erfolg zu werden. Allein in Deutschland wurde in über 222 Städten demonstriert.

An die 300.000 Menschen sollen sich beteiligt haben. 5.000 zum Beispiel in Kiel, 1.000 in Recklinghausen, 25.000 in Berlin 5.000 in Bonn, 7.000 in Düsseldorf, 3000 in Kassel, 3.000 im verregneten Aachen, 700 in Erfurt (alle Angaben hier und in weiteren jeweils nach Angaben der Veranstalter, wenn nicht anders vermerkt.)

Aus einer internationalen Zusammenstellung geht hervor, dass in 125 Ländern und Territorien Aktionen stattfanden oder in den nächsten Stunden noch stattfinden werden, darunter auch eine vor einer Forschungsstation in der Antarktis.

Der Anfang wurde in Neuseeland gemacht, wo in etwa 30 Städten Schüler auf die Straße gingen. Eine Erklärung von über 1.000 Wissenschaftlern und Lehrern hatte sie darin bestärkt. Im benachbarten Australien beteiligten sich insgesamt 150.000 Menschen an den Klimaprotesten, davon allein 20.000 in Melbourne. 30.000 waren es in Sydney schätzt der Guardian. Auch in Hongkong gab es eine kleine Klimademonstration, Ebenso in Japan, auf Taiwan und in einigen chinesischen Städten auf dem Festland.

Neben Deutschland gab es auch in Italien, den USA und Frankreich in über 200 Städten Aktionen, die meisten mit fast 250 in Italien. Im deutlich dünner besiedelten Schweden (rund zehn Millionen Einwohner) wurden allerdings auch beachtliche 178 Schulstreiks angemeldet. Aus dem spanischen Madrid Spanien sind auf Twitter Bilder dicht besuchter Plätze zu finden, ebenso aus Portugal.

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Wikipedia and the Wisdom of Polarized Crowds

Image: NAUTILUS
A lesson in how to break out of filter bubbles.

By Brian Gallagher | NAUTILUS

In 2013, James Evans, a University of Chicago sociologist and computational scientist, launched a study to see if science forged a bridge across the political divide. Did conservatives and liberals at least agree on biology and physics and economics? Short answer: No. “We found more polarization than we expected,” Evans told me recently. People were even more polarized over science than sports teams. At the outset, Evans said, “I was hoping to find that science was like a Switzerland. When we have problems, we can appeal to science as a neutral arbiter to produce a solution, or pathway to a solution. That wasn’t the case at all.”

Evans started his study on Amazon. You know the heading that says, “Customers who bought this item also bought”? Evans and his colleagues analyzed the top 100 items in this list for two “seed” books: Barack Obama’s Dreams from My Father and Mitt Romney’s No Apology. They repeated this process for each book in the top-100 list until they ran out of new titles. “The resulting ‘snowball sample,’ ” Evans and company wrote in their 2017 Nature Human Behaviour paper, “contained virtually all books in the largest strongly connected component in Amazon’s directed co-purchase network,” or 1,303,504 unique titles.

After performing a co-purchase network analysis—the sort used to study co-citation and co-author networks—on this dataset, the scholars concluded that political ideology guided people to science books. With some curious results. Liberal readers preferred basic science (physics, astronomy, zoology), while conservatives went for applied and commercial science (criminology, medicine, geophysics).

“It seems like conservatives are happy to draw on science associated with economic growth—that’s what they want from science,” Evans said. “Science is more like Star Trek for liberals: traveling through worlds, searching for new meanings, searching for yourself.” Science turned out to be “a huge example of confirmation bias,” Evans said. “You expect something to be true, you want it to be true, you read books that affirm and confirm those truths.”

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Glyphosat: Unterschätzte Phosphorschleuder – Herbizid setzt ähnlich viel Phosphor frei wie Tenside – und fördert so die Überdüngung

Glyphosat enthält rund 18 Massenprozent Phosphor – genau das wird inzwischen um Problem. © designer491/ thinkstock
Überdüngung: Das umstrittene Herbizid Glyphosat hat eine bisher unterschätzte Umweltwirkung – es setzt bei seinem Abbau Phosphor in Wasser und Boden frei. Dies kann zur Überdüngung von Gewässern führen. Eine aktuelle Studie enthüllt: Durch den rapiden Anstieg der Glyphosateinsatzes gelangen inzwischen jährlich 151,3 Millionen Kilogramm Phosphor aus dem Herbizid in die Umwelt – ähnlich viel wie durch Tenside. Dieser bisher unterschätzte Aspekt müsse dringend in die Diskussionen mit einbezogen werden, warnen die Forscher.

scinexx

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel: 8,6 Milliarden Kilogramm des Wirkstoffs wurden seit 1974 auf Felder gesprüht – meist kombiniert mit dem Anbau von Raps, Soja oder Mais, die gentechnisch gegen das Mittel resistent gemacht wurden. Gleichzeitig ist Glyphosat stark umstritten, weil einige Institutionen wie die WHO das Mittel für krebserregend halten, andere, wie die EU-Behörden ECHA und EFSA dagegen nicht.

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Does Light Experience Time? And Other Riddles

This visualization shows a jet blasting from a black hole near the speed of light. When objects reach near lightspeed, time behaves very strangely.
We really don’t understand time yet

By Paul Sutter | SPACE.com

We don’t understand the concept of time much at all.

Everyone experiences time — literally every day — but rigorous and comprehensive understanding of the topic is … lacking. Then again, we do know some things, especially when we look at time through the lens of special and general relativity. Einstein’s work taught us many things: that space and time are connected, that you can never travel faster than light, that our universe has a finite age and that different observers experience different lengths of time.

All these revelations lead to some interesting questions. It’s time (pun intended) for a roundup.

How old is the universe?

Our universe is 13.77 billion years old, according to our current best estimates, which are very good, thank you very much. But when special relativity is invoked, we also understand that everyone measures time differently, depending on their speed. We, on Earth, whizzing around the sun, with the sun spinning around the Milky Way, and the Milky Way blasting through the intergalactic vacuum, should have a different perspective on the flow of time than someone else on a different planet around a different sun in a different galaxy. That said, how can we possibly pin down a „real“ age of the universe?

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Anschlag in Christchurch: Terrorforscher kritisiert Internetkonzerne

(Bild: pixabay.com)
Online-Plattformen hätten die Verantwortung, mit mehr Personal und Technik gegen die Verbreitung von Propaganda vorzugehen, sagt ein Terrorforscher.

heise online

Nach dem tödlichen Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch hat der Terrorismus-Experte Peter Neumann mehr Hilfe von Internetkonzernen im Anti-Terror-Kampf eingefordert. Zwar sei eine hundertprozentige Live-Überwachung von YouTube, Facebook und anderen Online-Plattformen zum Aufspüren blutrünstiger Terrorpropaganda unrealistisch, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag).

Dennoch könnten die Unternehmen mehr tun als bislang, um etwa die Übertragung von Attentaten zu erschweren. „Gegen die rasante und massenhafte Verbreitung lässt sich nur mit mehr Einsatz von Personal und Technik vorgehen, mit deren Hilfe diese brutalen Videos gelöscht werden“, sagte Neumann, der am Londoner King’s College zu Extremismus und Radikalisierung forscht.

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Wieder Gewalt bei Gelbwesten-Protesten – Wohnhaus geht in Flammen auf

Rund um den Triumphbogen ist es am Samstag zu Zusammenstössen gekommen. (Bild: Philippe Wojazer / Reuters)
In Frankreich demonstrieren die Gelbwesten das 18. Wochenende in Folge gegen die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron. Für die Gelbwesten-Bewegung ist es ein entscheidendes Wochenende.

Neue Zürcher Zeitung

Bei Protesten der Gelbwesten ist es in Paris wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Vor allem auf den Champs-Élysées und rund um den Triumphbogen an der Spitze der Prachtmeile kam es am Samstagvormittag zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Polizei. «Es besteht kein Zweifel, dass sie zu Gewalt aufrufen und in Paris Chaos säen», reagierte Innenminister Christophe Castaner. Professionelle Randalierer hätten sich unter die Demonstranten gemischt. Er forderte die Polizei auf, mit Härte auf die Angriffe zu reagieren.

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Katholische Bischöfe verteidigen Menschenrechte von „Illegalen“: „Worten auch Taten folgen lassen“

Ein geretteter Migrant © Rene Rossignaud (dpa)
Die deutschen katholischen Bischöfe treten für den Schutz der Menschenrechte von „illegalen“ Zuwanderern ein. Der Staat müsse zwar Fragen des Aufenthalts klären, er sei aber auch verpflichtet, die Würde jedes Menschen zu wahren.

DOMRADIO.DE

Die Rechte gälten „auch für Migranten ohne Papiere“, sagte der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Stefan Heße, am Freitag in der Berliner Katholischen Akademie. Der Hamburger Erzbischof räumte ein, der Staat habe „ein berechtigtes Interesse, Fragen des Aufenthalts zu klären“.

Nach dem Grundgesetz sei er aber auch verpflichtet, „die Würde eines jeden Menschen zu wahren“, so Heße auf der 15. Jahrestagung des „Katholischen Forums Leben in der Illegalität“, das er leitet. Nach Schätzungen leben bundesweit mehrere hunderttausend Zuwanderer in aufenthaltsrechtlicher Illegalität.

Keine Rechte, ohne die Abschiebung zu riskieren?

Rund 100 Experten aus Nichtregierungsorganisationen, Kirchen und Politik bemängelten, dass solche Migranten wichtige Rechte nicht einklagen könnten, ohne ihre Abschiebung zu riskieren. Wenn sie um ihren Arbeitslohn geprellt würden, könnten sie zwar in der Theorie vor Gericht ziehen und ihren Lohn einklagen. Sobald jedoch ihr irregulärer Aufenthalt bekannt werde, müssten die Richter die Ausländerbehörde darüber informieren. Nutznießer seien in solchen Fällen Arbeitgeber, die sich um eine legale Anstellung und die Sozialabgaben drückten.

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Die „neue englische Krankheit“ – Geht doch endlich, ihr nervigen Briten, und beendet Euer absurdes Brexit-Theater

„Brexit Banner“. Bild: Richard Leeming / CC BY-SA 2.0

„Unsre Unfähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, ist die Folge unsrer Verderbnis, unsres moralischen Verfalls.“
Pascal

Rüdiger Suchsland | TELEPOLIS

Und täglich grüßt der Brexit. Jeden Tag neue Politiker- und Journalistenspekulationen, jede Woche neue Abstimmungen in dem zur Lachbude verkommenen britischen Parlament. Und jeden Morgen im Radio und Frühstücksfernsehen irgendeine neue Wasserstandsmeldung, irgendeine Korrespondenten- und Kommentatorenspekulation, ob er denn nun wirklich stattfindet, was er für Folgen hat, und ob er sich noch verhindern lässt.

Eingerahmt in Interviews mit verzweifelt flehenden Remainern und surrealistischen Brexeteers, die erklären, warum es Großbritannien nach einem EU-Austritt viel besser geht als vorher: „Wir werden endlich ein freies und unabhängiges Land sein. …“

Der Brexit wird stattfinden. Und zwar mit Pauken und Trompeten. Wir alle werden es zu unseren Lebzeiten erleben, wie ein souveränes Land sich selbst an die Wand fährt, zerlegt, zerstört. Wir werden erleben, wie Großbritannien sich abschafft. Wie Schottland das Vereinigte Königreich verlässt, wie in Nordirland der alte bürgerkriegsähnliche Konflikt wieder ausbricht, bevor die Katholiken ihn gewinnen, wie sich das verbliebene Wurmfortsatz-England in den Schoß eines längst reaktionär erstarrten Amerika flüchtet, immerhin seiner ehemaligen Kolonie.

Wir werden den Untergang einer Großmacht erleben. Den Selbstmord aus Angst vor dem Tode. Aber der Brexit wird stattfinden.

Und das ist auch gut so.

Großbritannien nervt und ruiniert die EU

Denn sie nerven. Sie wollen immer eine Extra-Sausage. Sie sind nicht mal halb so witzig, wie sie sich selber finden. In Gruppen sind sie immer besoffen und grölen den Kontinent zusammen. Sie behaupten, sie seien die „älteste Demokratie der Welt“, aber ruinieren zuerst ihren eigenen Parlamentarismus mit ihrer albernen Volksabstimmung zum EU-Austritt und haben dann aber Angst davor, ihr eigenes Volk zum zweiten Mal zu fragen, ob sie an ihrer Entscheidung festhalten wollen.

Stattdessen wird der Parlamentarismus diffamiert, sobald es passt: Dass sich die Abgeordnete dem „Willen des Volkes“ verweigern oder ihn verbiegen, plärren die europafeindlichen Blätter, als ob diese Abgeordneten nicht – übrigens nach dem Brexit-Referendum – von genau diesem Volk gewählt wurden, um ihren „Willen“ in Gesetzesform zu gießen, als ob nicht 49% „des Volkes“ gegen den Brexit gestimmt hätten. Die „älteste Demokratie der Welt“ hat längst vergessen, was Demokratie heißt.

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Skandale um französische Geistliche sorgten für großen Imageschaden – Barbarins Rücktritt: Eine Chance für die Kirche?

Bild: © picture alliance / abaca/Vandeville Eric
Wegen Nichtanzeige sexueller Übergriffe durch Geistliche wurde Kardinal Philippe Barbarin zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Am Montag trifft er Papst Franziskus. Für die kriselnde Kirche in Frankreich könnte diese Audienz Folgen haben.

Von Franziska Broich | katholisch.de

Wann erfuhr Kardinal Philippe Barbarin (68) vom Missbrauch an etwa 70 Pfadfindern zwischen 1970 und 1991? Der Prozess, der seit Anfang Januar in Lyon dieser Frage nachging, hat die katholische Kirche in Frankreich aufgewühlt. Um der Wahrheit näher zu kommen, verhörten die Richter tagelang Opfer und Geistliche. Auch Barbarin kam in den Zeugenstand und erklärte detailliert seine Sicht des Falls. „Ich habe niemals den sexuellen Missbrauch gedeckt, der von einem Priester begangen wurde“, sagte der 68-Jährige damals.

Die Richter sahen das anders. Sie befanden ihn am 7. März für schuldig. Sechs Monate Bewährungsstrafe erhielt Barbarin für die Nichtanzeige sexueller Übergriffe. Es war ein Schock. Über mehrere Jahre hatte sich das Verfahren gezogen. Eine erste Untersuchung der Staatsanwaltschaft war wegen mangelnder Beweise 2016 eingestellt worden.

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