Syrien: 70.000 Mitglieder des IS warten auf Abholung


IS-Propaganda, Twitter Hammurabi’s Justice
Die Kurden sind damit überfordert. Der Sieg in Baghouz und das Ende der militärischen Lösungen

Thomas Pany | TELEPOLIS

Seit Tagen heißt es, dass der Sieg in Sicht sei. („Wir sind nah dran“, US-Außenminister Pompeo). Doch die SDF warnen auch seit Tagen. Trotz großer Fortschritte würden sich noch immer IS-Kämpfer im Gelände der Umgebung von Baghouz verschanzen. Es dauere noch bis zur endgültigen Befreiung.

Tunnels und Gräben, auch Höhlen werden genannt, würden als Versteck dienen. Sogar Frauen und Kinder sollen an der Seite von Männern kämpfen, wie Videos zeigen, die aber einigen Interpretationspielraum lassen (eine Vollverschleierung zeigt nicht viel). Kinder werden als Schutzschilde benutzt. Wie hoch die Zahl der verbliebenen kämpfenden IS-Anhänger ist, sei schwer einzuschätzen. Auch nächtliche Luftangriffe haben sie nicht zur Kapitulation bewegt.

„Es gab Russen, Schweden, Deutsche und andere“, sagte Asmar al-Bahr (ein Fotograph, Anm. d. A.) am Donnerstag. „Viele von ihnen sagten mir, dass sie nicht aufgeben und dass sie zurückkommen würde, um sich die Köpfe der Ungläubigen zu holen; einige sagten, dass es bedauern würden, dass sie sich Daesh angeschlossen haben, dass sie aber nicht so einfach gehen könnten, also blieben sie“.

Al-Jazeera

Auf Twitter-Seiten sind grausige Bilder von Opfern im Umlauf, die mit „Massaker“ betitelt werden. Wie bei der Befreiung von Rakka und Mosul werden Vorwürfe an ein unerbittliches militärisches Vorgehen gemacht. Sie werden von anderen als bloße Propaganda gebrandmarkt. Und sie auch werden sicher als Propagandamaterial ihre Verwendung finden. Der Guerillakampf des IS geht weiter.

Verlustreiche Kämpfe

Derweil müssen auch die SDF, die angeblich zur Hälfte jeweils aus kurdischen und arabischen Milizen bestehen, stärkere Verluste im Bodenkampf hinnehmen. Sprengfallen und in einem offenbar weit verzweigten Tunnelsystem (behauptet wird, dass es bis Deir ez-Zor und in die irakische Wüste reichen soll) und in Gräben versteckte Schützen machen die Befreiung des letzten Geländes am Ufer des Euphrat zu einer schwierigen und verlustreichen Angelegenheit.

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