Missbrauch in der Kirche: Schweizer Bischöfe schicken Priester in die Psychotherapie oder auf Pilgerreisen

Die katholische Kirche wird seit vielen Jahren von Missbrauchsfällen durchgeschüttelt, die bis in höchste Kreise reichen. (Bild Jörg Sarbach / Keystone)
Wenn in der Schweiz ein Missbrauchsfall bekannt wird, reagiert die katholische Kirche in den meisten Fällen mit internen Sanktionen. Die fehlbaren Priester müssen Psychotherapien absolvieren oder es werden Ortsverbote oder Pilgerreisen angeordnet.

Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Das Thema Missbrauch lässt die römisch-katholische Kirche weiterhin nicht zur Ruhe kommen. In der vergangenen Woche wurde erneut ein Fall von massenhaften Verfehlungen von Kirchenleuten bekannt. Im US-Bundesstaat Illinois veröffentlichten Opfer eine Liste von fast 400 Priestern, denen vorgeworfen wird, Schutzbefohlene missbraucht zu haben. Ausserdem gab Papst Franziskus bekannt, dass er den Rücktritt von Kardinal Philippe Barbarin ablehnt. Der Erzbischof von Lyon war in Frankreich wegen Vertuschung von Missbrauch verurteilt wurde.

Justiz untersucht zehn Vorfälle

Auch die katholische Kirche in der Schweiz wird von solchen Skandalen nicht verschont. So deckte ein ehemaliger Bischof und der ehemals höchste Kapuziner der Schweiz während Jahrzehnten einen pädophilen Kapuzinerpater in der Westschweiz. Die sexuellen Übergriffe begannen 1958 und erstreckten sich über mehrere Jahrzehnte. Der Fall und seine systematische Vertuschung wurden erst in den vergangenen Jahren von der Schweizer Kapuzinerprovinz umfassend aufgearbeitet.

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Achtbeinige Genies

Nicht identifizierte Springspinnenart (Eventuell eine nicht ausgewachsene Thiodina sylvana). Bild: USGS / CC-BY-2.0
Oktopoden und Spinnen faszinieren mit hoher Intelligenz, die aus völlig andersartigen Gehirnen entsteht

Konrad Lehmann | TELEPOLIS

Ob es an den Beinen liegt? Vermutlich nicht. Aber ein unbefangener Beobachter – etwa von einem fremden Planeten -, der ergründen wollte, welche Tiere besonders intelligent sind und warum, könnte allerlei Korrelationen aufstellen und zum Ergebnis kommen, dass, sobald man das Reich der Wirbeltiere verlässt, die Intelligenz ihr Maximum bei acht Beinen erreicht: Oktopoden und Spinnen.

Tatsächlich wird das wohl Zufall sein. Ein anderer Zusammenhang ist schlüssiger. Vegetarier müssen jetzt ganz tapfer sein, aber es ist so: Schaut man sich im Tierreich um, dann sind die Jäger meist heller als die Pflanzen- (und Plankton-)fresser. Zahnwale übertreffen die Bartenwale (von Seekühen ganz zu schweigen), Wölfe die Schafe, Würfelquallen die Ohrenquallen, Raben die Hühner. Das liegt einfach an den unterschiedlichen Anforderungen der Nahrungsgewinnung. Eine grüne Weide braucht man nicht zu umzingeln, Krill muss man nicht austricksen, an einen reifen Apfel muss man sich nicht anpirschen, und es ist auch nicht nötig, aufzupassen, dass der Grünkohl einen nicht sieht. Es ist die Jagd, die Strategiebildung, Vorausschau und Perspektivwechsel fordert.

Doch es sind die Achtbeiner unter den Jägern, die am meisten faszinieren. Sie gleichen Aliens, die mitten unter uns leben; unabhängig evolvierte Intelligenzen, deren letzter gemeinsamer Vorfahr mit uns vor rund 560 Millionen Jahren lebte – oder noch früher – und so einfach strukturiert war, dass ein Regenwurm im Vergleich dazu wie Einstein wirkt. Aus ein paar über den Körper verteilten Nervenbahnen und einem Augenfleck entstand mehrfach ein leistungsstarkes Gehirn, das seine Umwelt mit mehreren Sinnen erfassen, lernen, Pläne schmieden und erinnern kann.

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Die Schmerzen der Schwangeren sind nicht gut fürs Kind

Das Befinden einer werdenden Mutter hat Auswirkungen auf ihre Kind. (Carlos Barria, Reuters)
Nehmen schwangere Frauen häufig Schmerzmittel ein, steigt bei ihren Kindern das Risiko, an Asthma zu erkranken. Doch ist das offenbar nicht den Medikamenten zuzuschreiben, sondern den Schmerzen.

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Seit 2013 sitzt Paracetamol auf der Anklagebank. Das Medikament wird weltweit als erste Wahl gegen Schmerzen in der Schwangerschaft angesehen und dementsprechend häufig verschrieben. Allerdings soll es bei den «mitbehandelten» Kindern später Sprachstörungen, das Zappelphilipp-Syndrom ADHS, Probleme mit der Grob- wie der Feinmotorik, einen Hodenhochstand und Asthma hervorrufen können. Zumindest haben epidemiologische Studien solche Zusammenhänge gefunden. Doch nun gibt ein englisch-schwedisches Forscherteam zumindest in puncto Asthma Entwarnung.

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Charlie-Hebdo-Anschlag: Einbruch der Gewalt

„Den Mann, der ich vor dem Anschlag war, gibt es nicht mehr“: Philippe Lançon Bild: Annette Hauschild
Der französische Journalist und Schriftsteller Philippe Lançon hat am 7. Januar 2015 in Paris das Attentat auf „Charlie Hebdo“ überlebt. Und er hat um sein Leben geschrieben: „Der Fetzen“ heißt sein beeindruckendes Buch.

Von Julia Encke | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Heldin dieses Buchs, das kein Roman und doch ergreifender, dichter und literarischer ist als so viele der neuen Romane dieses Frühjahrs, ist eine Frau. Chloé heißt sie oder, wie Philippe Lançon, dessen Leben von ihr abhängt, sie besitzergreifend nennt: „meine Chirurgin“. Eine energische junge Ärztin, ironisch, fast heiter inmitten des Desasters; eine „unvollkommene Fee“, die Emphase und Sentimentalität verabscheut und ihr Leben im OP verbringt.

Es ist der 6. Januar 2017 gegen zehn Uhr. Philippe Lançon sitzt Chloé im Sprechzimmer der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Pariser Salpêtrière gegenüber. Er kennt sie kaum, doch hat sie in seinem Leben eine übertriebene Bedeutung angenommen. Draußen ist ungefähr das gleiche Wetter wie damals vor zwei Jahren, grau und frisch, als er nach dem Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Krankenwagen hierhergebracht wurde. Philippe Lançon hat überlebt. In den Sekunden nach dem Attentat, während er zwischen den toten Freunden und Kollegen lag, war es ihm gelungen, sein Handy aus der Jackentasche zu holen, das Passwort einzugeben und sich durch die Kontaktliste bis zu dem Namen seiner Mutter zu scrollen, die unter „Madre“ gespeichert war, als er sein Gesicht auf dem Display entdeckte.

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Worum geht es eigentlich den Gelbwesten?

Foto: Christian Schmeiser
Seit vier Monaten gibt es die Protest-Bewegung der Gelbwesten. Das nehme ich jetzt zum Anlass, eine Standortbestimmung zu versuchen, auch wenn sich natürlich die Gegenposition anführen lässt, dass der Zeitpunkt für eine quellenkritisch fundierte, unabhängige historische Position noch nicht gekommen ist.

Christian Schmeiser | TELEPOLIS

Die Gelbwesten unter Beschuss

Natürlich lesen wir alle seit Monaten geballt Negativ-Meldungen über die Gilets jaunes in den reichweitestarken Medien. Nach der erneuten Eskalation am 16. März 2019 (Acte 18), die Vergleiche mit der frühen „Sturm- und Drang“-Phase (Acte 1-4) herausfordert, beziehen die Gelbwesten erneut gehörig Prügel: Sie werden als gewalttätig, rechtsradikal und natürlich antisemitisch dargestellt, zudem – so ist zu lesen – rezipiert ein Großteil der Demonstranten regelmäßig fragwürdige „fake news“.

Darüber hinaus wird auch unablässig auf den permanenten Rückgang der Demo-Teilnehmer verwiesen, der angeblich mit der rückläufigen Unterstützung in der französischen Bevölkerung korrespondieren soll. Viele Kommentare stellen jetzt nach Acte 18 am 16. März die „bösen“ Gelbwesten-Demonstrationszüge der „guten“ Klimawandel-Demo am gleichen Tag gegenüber. Telepolis-Redakteur Thomas Pany differenziert diese antithetische Polarisierung so :

Man kann es auch so sehen: Die politischen Forderungen, die die Klimamärsche aufstellen, sind wie Sonntagsreden. Sie verpflichten zu nichts außer zu Bekenntnissen. Das ist für Politiker leicht zu erfüllen. Bei den Gelbwesten ist das anders, sie rühren mit ihren Forderungen an den Kern der Macht, sie wollen Macron weghaben, sie wollen eine andere Republik, direkte Demokratie, sie agieren eine Wut aus, die schmerzen soll.

Paris: Panik auf den Boulevards

Steht hinter den thematisch im Wochen-Turnus wechselnden Negativ-Meldungen über die Gelbwesten eine ausgeklügelte Form der psychologischen Kriegsführung? Diese Frage lässt sich zurzeit noch nicht beantworten.

Die Gelbwesten und ihre Unterstützer

Dessen ungeachtet gibt es natürlich auch Autoren, die die Gilets jaunes unterstützen. Der in den frühen Achtzigern in die USA emigrierte französische Journalist Gilbert Mercier hält die Gelbwesten für „eine Revolte gegen den Neoliberalismus, der weltweit Reichtum und Macht in wenigen Händen konzentriert“ (Mercier hat übrigens 2015 ein bemerkenswertes Buch mit dem Titel The Orwellian Empire veröffentlicht, in dem er den Transformationsprozess des US-Imperiums in ein neuartiges „empire orwéllien“ ab 1980 analysiert). Ähnlich sieht es auch der Politikwissenschaftler Ulrich Mies in einer von ihm aktuell herausgegebenen Publikation:

Die Gelbwesten in Frankreich sind ein Beispiel für eine reale Aufstandsbewegung gegen das marktradikale Regime Emmanuel Macrons.

Ulrich Mies

Florian Ernst Kirner geht in seinem Artikel Die Politik der Massen noch weiter, wenn er die „gilets jaunes“ in der Tradition der französischen Revolution sieht.

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In fünf Jahren ist die Terrormiliz IS rasant aufgestiegen – und gefallen

Bild: nationalreview.com
Im Jahr 2014 beherrscht der IS ein Gebiet in der Grösse von Grossbritannien. Doch die Belagerung der nordsyrischen Stadt Kobane sollte zum Fanal für das IS-Kalifat werden. Eine Chronologie des Terrors.

Jan Hudec | Neue Zürcher Zeitung

2006

Der IS geht aus der irakischen al-Kaida hervor. Als der damalige Anführer des irakischen Ablegers, Abu Musab al-Zarqawi, bei amerikanischen Luftangriffen getötet wird, übernimmt Abu Omar al-Baghdadi die Führung. Die Gruppe nennt sich neu «Islamischer Staat im Irak» (ISI) und verübt im Land zahlreiche Terroranschläge.

2010

Der ISI-Chef wird ebenfalls bei einem Luftangriff getötet, neu übernimmt Abu Bakr al-Baghdadi.

2011

Als die Krise sich in Syrien zuzuspitzen beginnt, entsendet Baghdadi Männer nach Syrien, wo sie einen neuen Kaida-Ableger gründen: die Nusra-Front.

2013

Das Syrische Regime gibt im März die Stadt Rakka auf, die in der Folge von Rebellen übernommen wird. Baghdadi bricht mit der Nusra-Front und gründet den Isis, den «Islamischen Staat im Irak und in Syrien». In der Folge setzt der Isis zu seinem Siegeszug an.

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Seit Putschversuch 2016: Türkei beantragte mehr als 900 Festnahmen

Bild: Magazin „The Economist“
Seit dem gescheiterten Militärputsch 2016 geht die türkische Regierung massiv gegen vermeintliche Gegner vor – und macht an den Landesgrenzen nicht Halt: Fast 1000 Mal hat Deutschland Fahndungsbitten erhalten.

tagesschau.de

Mehr als zweieinhalb Jahre sind seit dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei vergangen – die türkische Regierung geht aber offenbar noch immer gegen vermeintliche Putschisten vor. Eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag ergab, dass das Bundeskriminalamt seit Juli 2016 über die internationale Polizeibehörde Interpol 990 Fahndungsersuche von türkischen Behörden übermittelt bekommen hat.

Mehr als 920 Gesuche zielten auf Festnahme ab

Wie die Zeitung „Welt“ berichtete, zielten 925 dieser Gesuche auf eine Festnahme ab und bei 65 Fahndungsbitten sollte der Aufenthalt des Gesuchten festgestellt werden. Wie vielen dieser Gesuche die deutschen Behörden nachkamen, blieb in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage offen. Aus der Antwort gehe lediglich hervor, dass in diesem Jahr noch niemand an die Türkei ausgeliefert wurde, die seit Beginn 2019 zwölf solche Anfragen an Deutschland gerichtet hatte.

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Darmkrebs durch zuckerhaltige Softdrinks?

Cola und andere zuckerhaltige Limonaden sind meist mit fructosehaltigem Maissirup gesüßt – doch fördert offenbar das Wachstum von Darmtumoren. © Yvan Dube/ iStock
Süßmacher mit fatalem Nebeneffekt: Schon ein gemäßigter Konsum zuckerhaltiger Limonaden könnte Darmkrebs fördern – und schuld ist der hohe Fructoseanteil. Mäuse, die täglich das Äquivalent einer Dose Limonade als Zuckerlösung bekamen, entwickelten schon nach wenigen Wochen deutlich größere und aggressivere Darmtumoren als Kontrolltiere ohne Zuckergabe, wie Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten. Ihre Analysen enthüllten auch den Wirkmechanismus dahinter.

scinexx

Fruchtzucker galt lange als natürliche und gesunde Süße. Doch inzwischen ist die Fructose in Verruf geraten. Denn vor allem in Form des von der Lebensmittelindustrie vielverwendeten Maissirups hat der Zucker erhebliche Nebenwirkungen. Weil die Fructose besonders leicht in Fett umgewandelt wird, fördert sie Übergewicht und gilt als Hauptursache für die rasante Zunahme von Fettleibigkeit und Stoffwechselerkrankungen. Auch dem Herzen kann der Süßmacher schaden, wie Forscher kürzlich herausfanden.

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1999: Der Holocaust als Rechtfertigung für einen Angriffskrieg

Bombardierung von Belgrad. Erste ZIele waren Rundfunk- und Fernsehsender. Bild: Darko Dozet/CC BY-SA-3.0
Vor 20 Jahren begann der Kosovo-Krieg: Von Ursachen, Hintergründen und Folgen eines bis heute kaum aufgearbeiteten Ereignisses

Kurt Gritsch | TELEPOLIS

Vom 24. März 1999 an bombardierte die NATO 78 Tage lang Jugoslawien, bis es im Juni die Stationierung westlicher Soldaten in seiner Krisenprovinz Kosovo akzeptierte. Begründet wurde der Luftkrieg damit, den Albanern im Kosovo gegen die Unterdrückung durch Serbien zu helfen. Weil aber keine Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat vorlag (Russland und China unterstützten zwar Sanktionen, drohten aber im Kriegsfall mit einem Veto), argumentierte man damit, einen drohenden Völkermord zu verhindern.

Von einem „neuen Auschwitz“ (so der damalige deutsche Außenminister Joseph „Joschka“ Fischer) konnte allerdings keine Rede sein (Konstruktion von Medienrealität im Kosovo-Krieg). UNO-Generalsekretär Kofi Annan etwa stellte fest, dass Serben und Albaner gleichermaßen die Verantwortung für den jahrelangen politischen Konflikt, der ab 1998 zum Bürgerkrieg eskaliert war, trügen. Er rief zu einer politischen Lösung auf, die aber von allen Konfliktparteien – Serbien, UÇK und NATO – ignoriert wurde.

Während das Transatlantische Bündnis jegliche Verantwortung für die Eskalation dem „neuen Hitler“ Slobodan Milošević zuschrieb, verhinderten die Luftangriffe indes nicht, dass Hunderttausende vor serbischen Vertreibungen und westlichen Bomben flohen. Die NATO wiederum beschloss im April 1999 anlässlich ihres 50. Geburtstags, zukünftig weltweit zugunsten von unterdrückten Völkern einzugreifen. Was die einen als Schritt zur globalen Friedenssicherung begrüßten, kritisierten andere als Verwandlung eines Verteidigungs- in ein Angriffsbündnis und somit als Schritt Richtung neuer Angriffskriege.

Als Begründung für den Völkerrechtsbruch wurde im Fall Kosovo dezidiert die Geschichte des 20. Jahrhunderts bemüht. Die richtigen Lehren aus der Shoa, aus dem Massenmord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden, zu ziehen, bedeute, so die einen, jeden „potentiellen Holocaust“ bereits im Ansatz militärisch zu verhindern. Die anderen wiederum bekrittelten, dass damit der historische Holocaust seiner Einzigartigkeit beraubt werde, indem er mit zahllosen Bürgerkriegsereignissen weltweit gleichgesetzt werde. Zudem, so der Einwand der Friedensforschung, könne das Menschenrechtsargument nahezu beliebig verwendet werden, um über ökonomische, strategische und geopolitische Interessen der NATO-Mitglieder hinwegzutäuschen.

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Kann die DNA erklären, warum Niederländer die größten Europäer sind?

ap photo / leo correa Kein Land der Welt hat größere Bewohner als die Niederlande. Das trifft auch zu, wenn man die Durchschnittsgrößen von Frauen (Rang 2 hinter Lettland) und Männern (Rang 1) addiert.
Die menschliche Körpergröße und ihre Unterschiede zwischen Nationen sind ein spannendes Thema, zumal für Populationsgenetiker. Denn an diesem Merkmal lassen sich die Einflüsse von Genen und Umwelt besonders gut studieren.

Klaus Taschwer | derStandard.at

Sind es eher genetische Faktoren und die Selektion, die dazu führten, dass etwa die niederländischen Männer, die vor 200 Jahren zu den kleinsten Europäern gehörten, mittlerweile mit 1,84 Metern die größten sind? Oder haben vor allem andere Faktoren wie eine bessere Ernährung zum Größenwachstum beigetragen?

Kleiner Beitrag vieler Gene

Schon vor über 100 Jahren war es Statistikern wie Ronald Fisher klar, dass eine Vielzahl von Genen einen jeweils kleinen Beitrag zur Körpergröße leisten dürften. Das wurde durch populationsgenetische Untersuchungen, zuletzt durch sogenannte genomweite Assoziationsstudien (GWAS) bestätigt. So kam eine 2014 im Fachblatt „Nature Genetics“ veröffentlichte GWAS mit Daten von mehr als 250.000 Individuen auf nicht weniger als 697 Genomvarianten, die 20 Prozent der Unterschiede erklären können.

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Chilenischer Kardinal tritt von Bistumsleitung zurück: Papst nimmt Ezzatis Amtsverzicht an

Kardinal Ricardo Ezzati Andrello © Romano Siciliani (KNA)
Der im Zusammenhang mit dem katholischen Missbrauchsskandal unter Druck stehende chilenische Kardinal Ricardo Ezzati hat die Leitung seines Erzbistums Santiago abgegeben. Papst Franziskus habe den Amtsverzicht angenommen, teilte der Vatikan am Samstag mit.

DOMRADIO.DE

Als Übergangsleiter ernannte der Papst den Kapuziner Celestino Aos Braco, bislang Bischof von Copiapo in Nordchile.

Missbrauchsopfer werfen Ezzati wie auch seinem Vorgänger Kardinal Francisco Errazuriz seit Jahren vor, Täter geschützt und die Aufklärung verschleppt zu haben. Ezzati wurde im Januar 77 Jahre alt; mit 75 sind katholische Bischöfe gehalten, dem Papst ihren Rücktritt anzubieten.

„Ezzatis Tage sind gezählt“

Einer der prominentesten Kritiker Ezzatis, der als Jugendlicher von einem Priester in Chile sexuell missbrauchte Juan Carlos Cruz, hatte erst in einem am Freitag veröffentlichten Interview der chilenischen Zeitschrift „La Segunda“ gesagt, Ezzatis Tage seien gezählt. Für die chilenischen Bischöfe sei „der Karneval vorbei“. Cruz bekundete jedoch Sorge, Ezzati könne sich als gebürtiger Italiener in sein Heimatland absetzen, um sich einer Strafverfolgung in Chile zu entziehen.

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Haltung der Bundesregierung: Schlangenlinien beim Upload-Filter

Das Internet By Matt Britt CC-BY-2.5. en.wikimedia.org
Eigentlich war die Sache klar: Laut Koalitionsvertrag lehnen Union und SPD Upload-Filter ab. Auf EU-Ebene hat die Bundesregierung dann aber doch dafür gestimmt. Warum? Weil sie das Thema falsch eingeschätzt hat.

Von David Zajonz | tagesschau.de

Beim Thema Upload-Filter fährt die Bundesregierung seit Monaten Schlangenlinien. Anfangs war die Sache mal klar: Im Koalitionsvertrag lehnten die Regierungsparteien eine Pflicht zur Einführung von Upload-Filtern klar ab. Aber wie das so ist in der Realpolitik: Als Zugeständnis an Frankreich hat Deutschland in Brüssel doch zugestimmt, als es um die Urheberrechtsreform ging. Damit hat die Bundesregierung in Kauf genommen, dass die Filter bald im großen Stil Memes oder Videos blockieren.

Das ist doppelt bitter: Denn bei den vielen sinnvollen Vorschlägen, die Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in den vergangenen Monaten zur Europapolitik gemacht hat, schwieg Kanzlerin Angela Merkel oder sagte Nein. Und bei diesem für die Zukunft des Internets so bedeutendem Thema war Merkel plötzlich die Freundschaft zu Frankreich so wichtig, dass die Bundesregierung nachgegeben hat.

Also warum hat die Regierung gerade diesen Punkt auf EU-Ebene „geopfert“? Gegen den Widerstand ihrer eigenen Digitalpolitiker. Dafür gibt es eigentlich nur eine plausible Erklärung: Er war ihr nicht wichtig genug. Das kann unter anderem daran liegen, dass viele Spitzenpolitiker das Internet nicht richtig verstanden haben. Sie nutzen es weniger und anders als viele junge Menschen.

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Bischöfe und Missbrauch: Jesuitenmagazin kritisiert Papst Franz

Bild: © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
Der Papst stammt aus dem Jesuitenorden und wird normalerweise von Publikationen der „Gesellschaft Jesu“ unterstützt. Nicht so bei seinem Umgang mit Bischöfen, die des sexuellen Missbrauchs oder der Vertuschung von Fällen bezichtigt werden.

katholisch.de

Das Jesuiten-Magazin „America“ hat Kritik am Umgang des Papstes mit der Missbrauchskrise geübt. In einem Leitartikel der aktuellen Ausgabe beklagt die innerkirchlich einflussreiche Publikation fehlende Transparenz im Umgang mit Bischöfen und Kardinälen, die entweder des Missbrauchs Minderjähriger oder der Untätigkeit angesichts von Missbrauchsvorwürfen in ihrem Zuständigkeitsbereich beschuldigt werden.

„Beides, das Verfahren und die Kommunikation müssen verbessert werden, um das Vertrauen des Gottesvolks wiederherzustellen“, heißt es in dem Meinungsbeitrag der Herausgeber. Dieser wirft einen Blick auf das unterschiedliche Vorgehen von Papst Franziskus mit den Beschuldigungen und Verurteilungen in den Fällen der Kardinäle Theodore McCarrick (USA), George Pell (Australien) und Philippe Barbarin (Frankreich).

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