Biologen beobachten Evolution in Echtzeit


Tauben werden von Parasiten geplagt – das machten sich Evolutionsbiologen zunutze. Foto: Keystone
Die Tarnfarbe von Läusen, die im Gefieder von Tauben leben, veränderte sich während eines Experiments. Die Anpassung fand überraschend schnell statt: innert weniger Jahre.

Christoph von Eichhorn | Basler Zeitung

Als Charles Darwin im Jahr 1835 die Galapagosinseln besuchte, stiess er auf eine Reihe von Singvögeln, die später nach ihm benannten Darwinfinken. Von Insel zu Insel hatten die Finken andere Schnäbel, mal spitz, mal rund, mal filigran oder kräftig geformt. Darwin vermutete darin – damals revolutionär – eine Anpassung an die Umwelt: Während beispielsweise der Grossgrundfink in seinem Lebensraum bevorzugt Samen pickt und dafür einen massiven Schnabel braucht, hatte sich der Schnabel beim Waldsängerfink im Laufe vieler Generationen zugespitzt, um damit besser Insekten jagen zu können.

Dieses Prinzip, genannt «adaptive Radiation», erhob Darwin zu einem Grundpfeiler seiner Evolutionslehre – es besagt, dass Arten sich durch Selektionsdruck evolutionär auffächern und so an neue Umweltbedingungen anpassen. Ein grosser Teil der Artenvielfalt auf dem Planeten lässt sich vermutlich dadurch erklären.

weiterlesen