Evolution für die Hosentasche


Evolution ist überall – Beispiel: Tauben; hier ausgestellt im Phyletischen Museum der Universität Jena. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)
Die Evolutionstheorie und die davon ausgehenden Forschungen gehören zu den wichtigsten und prägendsten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Menschheitsgeschichte. Wissenschaftler haben unzählige Bücher über das Thema verfasst – sowohl aus biologischer und historischer als auch aus gesellschaftspolitischer, ethischer oder religiöser Perspektive – und dabei mitunter kontrovers diskutiert.
Sebastian Hollstein Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Um zu verhindern, dass bei all diesen Diskussionen die wesentlichen Inhalte und Grundlagen verloren gehen, hat Uwe Hoßfeld, Professor für Didaktik der Biologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, nun ein Themenheft veröffentlicht. Es soll Ordnung ins Begriffsdickicht zwischen Evolution, Evolutionstheorie, Darwinismus, Evolutionsbiologie und Co. bringen. Das kleine Heft sammelt auf 36 Seiten anschaulich und reich illustriert das notwendige Basiswissen – von der Entstehungsgeschichte rund um Darwins Ideengebäude bis zur Erklärung der wichtigsten Gesetze und aktuellen Forschungen. Es erscheint in der Reihe „Geschichte hinter dem Bild“ der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Das Rückgrat der gesamten Biowissenschaften

„Die Evolutionsforschung ist das Rückgrat der gesamten Biowissenschaften“, sagt Hoßfeld. „Sie hält alle anderen Disziplinen zusammen.“ Umso erstaunter sei er, immer wieder zu erfahren, dass das Thema im Schulunterricht relativ stiefmütterlich behandelt werde. „Deshalb möchten wir als Biologiedidaktiker uns dafür einsetzen, dass die Evolution wieder stärker in den Mittelpunkt rückt, und klarmachen, dass es sich dabei nicht um etwas abgeschlossenes oder zurückliegendes handelt“, sagt der Experte von der Universität Jena. „Evolution passiert gerade jetzt und an jedem Ort, auch wenn sie sich nicht wie im Zeitraffer beobachten lässt.“ Die Menschen stellten regelmäßig fest, dass beispielsweise Eichhörnchen, Flusskrebse und Marienkäfer nicht mehr so aussehen wie in ihrer Kindheit, da asiatische und amerikanische Arten die einheimischen verdrängt haben. Genau das sind u. a. sichtbare Ergebnisse evolutionärer Prozesse. Und auch hochaktuelle, öffentlich ausgetragene Diskussionen, wie die um molekularbiologische Genveränderungen durch die CRISPR/CAS9-Methode (Gen-Schere), lassen sich ohne Kenntnisse in der Evolutionsbiologie nicht führen. Deshalb möchte Hoßfeld mit dem nun vorliegenden Heft eine Grundlage schaffen, die das Wesentliche zur Evolution leicht verständlich zusammenfasst.

Stammbäume kommen aus Jena

Dass eine solche Publikation ausgerechnet aus Jena kommt, ist dabei kein Zufall. So zeigt etwa die Abbildung, die dem Evolutions-Band zugrundeliegt, einen Stammbaum des Menschen – und schlägt somit gleichzeitig eine Brücke zur Universität Jena als ein wichtiges Zentrum der Evolutionsforschung. „Der Zoologe Ernst Haeckel hat hier sehr früh Darwins Theorien aufgegriffen und ihren Siegeszug von Jena aus unterstützt. So übernahm auch er von einem befreundeten Jenaer Sprachwissenschaftler die Idee, Abstammungszusammenhänge in Form eines Baumes zu visualisieren, und führte dieses Modell in die Biologie ein“, sagt Hoßfeld. Haeckel habe die Teildisziplinen Embryologie, Systematik und Paläontologie miteinander verbunden und so eine vermeintlich „tote“ Wissenschaft wie die vergleichende Anatomie und Morphologie zu neuem Leben erweckt. Dabei sei er bestrebt gewesen, nicht nur von Wissenschaftskollegen, sondern auch von der breiten Öffentlichkeit verstanden zu werden.

Auch Prof. Hoßfeld sieht sich in dieser Tradition. „Die populärwissenschaftliche Darstellung von Forschung ist eine unserer wichtigsten und herausforderndsten Aufgaben“, sagt er. „Nur so können wir die Gesellschaft stark machen für weltanschauliche und zukunftsorientierte Diskussionen.“ Kleine Übersichtsbände wie der nun vorliegende zur Evolution leisten dabei einen wichtigen Beitrag.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

apl. Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik am Institut für Zoologie und Evolutionsforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de