Früher war die Syphilis anders – auch Krankheiten wandeln sich


In medizinhistorischen Texten unterscheiden sich die Symptome von noch heute bekannten Erkrankungen teilweise beträchtlich. Nicht immer ist klar, ob sich die Krankheitsursache oder die menschliche Abwehrkraft verändert hat.

Von Roland D. Gerste | Neue Zürcher Zeitung

Es ist eine Geschichte, wie sie der Feder von Robert Louis Stevenson oder Daniel Defoe entsprungen sein könnte: Im März 1819 nimmt in der westafrikanischen Hafenstadt Bonny (im heutigen Nigeria) ein Segelschiff seine Ladung auf. Es ist die «Rodeur», und ihre Fracht ist typisch für die Region und die Epoche: in Ketten gehaltene Menschen. Die «Rodeur» ist ein Sklavenschiff.

Die Reise in Richtung Karibik, wo die Unglücklichen auf Plantagen eingesetzt werden sollen, nimmt indes einen anderen Verlauf als erwartet. Zunächst erblinden zwei, dann mehrere der im Frachtraum unter miserablen hygienischen Verhältnissen gefangenen Afrikaner. Es ist, wie ein 12-jähriger Passagier vom Schiffschirurgen hört und seinem Reisetagebuch anvertraut, die Ophthalmia, eine hochansteckende Augenentzündung.

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