Zwischen Gottesfurcht und Fleischeslust – „Herrgottsb’scheißerle“


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Maultaschen gelten als traditionelles Fastengericht. Wer die gefüllte Nudelteigtasche erfunden hat, liegt ebenso im Verborgenen wie das in der Füllung versteckte Fleisch. Die schwäbische Leibspeise wird traditionell gleich an allen drei Tagen vor Ostern serviert – in der Brühe, geschmälzt und gebraten.

Von Christine Süß-Demuth | evangelisch.de

Die Maultasche soll während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) erfunden worden sein: Eines Tages, so die Legende, fiel dem Maulbronner Laienbruder Jakob auf dem Heimweg vom Reisigsammeln der Sack eine flüchtenden Diebs vor die Füße. Darin entdeckte er ein schönes Stück Fleisch. Weil Fastenzeit war und die Mönche des Zisterzienserklosters kein Fleisch essen durften, hackte er es klein und mischte es unter das Gemüse des Gründonnerstagsmahls. Doch ihn packte das schlechte Gewissen und so wickelte der Laienmönch die Fleisch-Gemüse-Mischung kurzerhand in kleine Taschen aus Nudelteig. „So konnte er das Fleisch vor den Augen Gottes und seiner Mitbrüder verbergen – und servierte das herzhafte Mahl als Fastenspeise“, heißt es dazu auf der Internetseite des Klosters Maulbronn, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Im Volksmund werden die rechteckigen, rund 100 Gramm schweren Nudeltaschen auch „Herrgottsb’scheißerle“ genannt.

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