Impfskepsis ist ein Wohlstandsphänomen

Impfen Ja oder Nein? Die Debatte darüber wird in der Schweiz immer emotionaler geführt. (Keystone / A4642/_lukas Schulze)
Manche Eltern in der Schweiz lassen ihre Kinder bewusst nicht impfen und verhindern damit das Ausrotten von Krankheiten. Welche Motive treiben sie dazu?

Von Sibilla Bondolfi | swissinfo.ch

Anfang Februar kam es an einer Schweizer Steinerschule zu einem Masernausbruch. Die Behörden suspendierten 60 nicht geimpfte Kinder vom Unterricht, damit die Krankheit sich nicht weiterverbreitet.

Es ist nicht das erste Mal, dass Steinerschulen Keimzellen von Masernepidemienexterner Link sind. Ein Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit sagte gegenüber Schweizer Medienexterner Link, die Häufung an Steinerschulen sei kein Zufall. An diesen Schulen wird nach der von Rudolf Steiner (1861–1925) begründeten Waldorfpädagogik unterrichtet. Steiner hat Impfungen als problematisch angesehenexterner Link. Manche Eltern lassen ihre Kinder deshalb – oder aus anderen Gründen – nur teilweise oder gar nicht impfen.

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Permanent War Complex: Wenn es keine Bedrohungen gibt, dann werden sie erfunden

Grafik: TP
Im April 2017 hat die Regierung Trump eine „Buy American“-Initiative auf den Weg gebracht und drei Monate später festgezurrt. Sie zielt darauf ab, dass mehr Länder mehr und größeres US-Kriegsgerät kaufen können.

Ulrich Teusch | TELEPOLIS

Auch und vor allem sollen Vertragsverhandlungen deutlich schneller abgewickelt und Abschlüsse entsprechend schneller zustande gebracht werden als bisher. Trumps Kabinettsmitglieder sollen sich gegebenenfalls persönlich einschalten, hohe Regierungsoffizielle auch bei Waffenmessen persönlich Werbung machen. Auch Trump selbst kümmert sich aktiv um die weitere Steigerung der Rüstungsexporte. Schon Obama war ein guter Freund der Rüstungsindustrie gewesen; verglichen mit George W.Bush hatten sich in seiner Zeit die Waffenexporte verdoppelt. Unter Trump scheint es noch besser zu werden: „He’s become a reliable arms-dealer-in-chief.“

Es ist nicht verwunderlich, dass ein so gigantischer und profitträchtiger „Permanent War Complex“, bestehend aus öffentlichen und privaten Komponenten, dem Missbrauch und der Verschwendung Tür und Tor öffnet. Bereicherung, Betrug, Korruption sind an der Tagesordnung, ebenso mangelnde Effektivität und Effizienz, unzureichende Kontrolle, Misswirtschaft, Fehlinvestitionen. Statt strikt im öffentlichen Interesse gesteuert zu werden, wurde das System von privaten beziehungsweise partikularen Interessen usurpiert. Es entwickelt sich eigendynamisch, ohne Bremsmechanismus in immer größere Dimensionen. Die scheinbar endlos zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel führen zu organisierter Verantwortungslosigkeit.

Es sind nicht die Sicherheitslage oder die real existierende Bedrohungen, die das System antreiben, sondern die Profitinteressen derer, die an ihm beteiligt sind und es aufrechterhalten. Das Gerede von Bedrohungen ist weitgehend Propaganda; sie wird nachgereicht, um gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, was aus ganz anderen Gründen (und sowieso) geschieht. Tatsächlich ist es so, dass sich eine oligarchische Klasse durch Krieg bereichert und dabei auch vor schweren Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen nicht zurückschreckt. Man erinnere sich beispielsweise an den früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney, der seine Rolle im Irakkrieg mit seiner Beziehung zu einem der großen Kriegsprofiteure, dem Unternehmen Halliburton, verquickte.

Die führenden Waffenexporteure haben ein Geschäftsmodell entwickelt, das Profite aus Kriegen, Chaos, Terrorismus, politischer Instabilität und Menschenrechtsverletzungen schlägt. Als am 9. August 2018 die saudische Luftwaffe im Jemenkrieg einen Schulbus bombardierte und 44 Kinder ermordete, stammte die Bombe von Lockheed Martin. Und als Trump im Mai 2017 seinen 110-Milliarden-Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien verkündete, konnte Lockheed Martin einen Anteil von fast 30 Milliarden US-Dollar verbuchen.

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Bericht zu sexuellem Kindesmissbrauch: Betroffene erfahren auch heute noch kaum Unterstützung

Die Vorsitzende der Kommission, Sabine Andresen, präsentiert den Bilanzbericht zu sexuellem Kindesmissbrauch in Berlin. (Foto: Jörg Carstensen/dpa)
  • Viele Fälle von sexuellem Missbrauch passieren innerhalb der Familie.
  • Das steht im Bilanzbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs.
  • Bei der Kommission haben sich seit Mai 2016 etwa 1700 Betroffene gemeldet. 900 wurden vertraulich angehört.

Süddeutsche Zeitung

Gut zwei Jahre nach dem Beginn ihrer Arbeit hat die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs eine Bilanz vorgelegt. Mehr als 1700 Betroffene hatten sich bei der Kommission gemeldet, 900 vertrauliche Anhörungen seien geführt worden. Zusätzlich gingen 320 schriftliche Berichte ein.

Das zentrale Problem ihrer Arbeit beschrieb die Vorsitzende der Kommission, Sabine Andresen, bei der Vorstellung des Berichts so: „Angestoßen wird Aufarbeitung und Aufdeckung in aller Regel durch Betroffene selbst. Sie stoßen aber als Kinder, Jugendliche und später als Erwachsene auf viele Hürden.“ Daher habe es sich die Kommission zur Aufgabe gemacht, Wissen zu generieren, Zusammenhänge aufzuzeigen und die Gesellschaft zu sensibilisieren.

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Bundeswehr hat künftig Militärrabbiner

Rund 300 jüdische Soldaten dienen in der Bundeswehr © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
Mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust bekommt die Bundeswehr eine jüdische Seelsorge – per Staatsvertrag soll es in den Streitkräften künftig Militärrabbiner geben. Passend dazu: eine Konferenz zum Thema in Berlin.

DOMRADIO.DE

Sein Schritt war umstritten. Als Michael Fürst Ende der 1960er Jahre, gut 20 Jahre nach dem Ende der Schoah, als erster Jude Zeitsoldat in der Bundeswehr war, gab es durchaus Gegenwind und Unverständnis. Etwa in der jüdischen Gemeinde in Hannover, wo er mit Uniform im Gottesdienst erschien, wie Fürst dem Deutschlandfunk einmal sagte.

Rund 300 jüdische Soldaten in der Bundeswehr

Und in der „Jüdischen Allgemeinen“ berichtete er von einem Ausbilder, der sich offen als Antisemit bezeichnet habe. Mittlerweile gibt es Schätzungen zufolge rund 300 jüdische Soldaten in der Bundeswehr – die nun eine jüdische Seelsorge bekommen soll, wie das Verteidigungsministerium am Dienstag ankündigte.

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Mit blauem Licht gegen Superkeime?

MRSA-Erreger gehören zu den gefürchteten Krankenhauskeimen – und reagieren empfindlich auf blaues Licht. © CDC/ Melissa Dankel
Neue Waffe gegen resistente Keime: Die gegen Antibiotika immunen MRSA-Bakterien könnten künftig mithilfe von Licht abgetötet werden. Denn eine Studie zeigt: Durch die gezielte Bestrahlung mit blauem Licht lässt sich ein wichtiges Pigment in der Membran der Keime zersetzen. Dadurch reagieren die Erreger empfindlicher auf Attacken durch antibakterielle Mittel. Schon ein Antiseptikum wie Wasserstoffperoxid reicht dann aus, um die Bakterienlast in infizierten Wunden erheblich zu senken, wie Forscher berichten.

scinexx

Infektionen mit dem Bakterium Staphylococcus aureus verursachen weltweit zahlreiche Todesfälle. Besonders gefährlich sind dabei resistente Stämme des Erregers, kurz MRSA genannt. Diese Bakterien sind als Krankenhauskeime berüchtigt, tauchen aber zunehmend auch in ganz normalen Haushalten auf.

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Homophobie: Das wahre Problem des Missbrauch sein rücksichtslos gelebte Homosexualität, meint Erzapostel Chaput

Charles Joseph Chaput (2011), Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 2.0
Es sei eine Form von Selbstbetrug, wenn das wahre Problem des Missbrauchs nicht beim Namen genannt werde – rücksichtslos ausgelebte Homosexualität. Erneuerung müsse aus persönlicher Demut, Reinheit und Treue zur Lehre kommen, betonte der Erzbischof.

kath.net

Verwirrung, Angst, Ärger und Frustration seien im Zusammenhang mit der Missbrauchskrise auf allen Ebenen der Kirche zu finden. Das sagte Charles Chaput, der Erzbischof von Philadelphia, bei einem Vortrag am Päpstlichen College Josephinum in Columbus (US-Bundesstaat Ohio).

Laien und Priester seien über ihre Bischöfe verärgert, weil der Missbrauchsskandal nicht enden wolle. Bischöfe seien wütend auf ihre Priester, weil sie ein schlechtes Beispiel geben würden, sagte Chaput. „Viele Bischöfe sind auch mit Rom frustriert – um es milde auszudrücken – wegen der Unwilligkeit die wahren Gründe und Ausmaße des Missbrauchsproblems zur Kenntnis zu nehmen“, stellte er wörtlich fest.

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Ablösung der Staatsleistungen nicht zum Nulltarif

Bild: tilly
Bei der Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen sieht die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, den Bund und die Länder in der Pflicht. Nötig seien entsprechende Gesetze.

evangelisch.de

Die Forderung nach einer Ablösung der Staatsleistungen an die beiden großen Kirchen trifft bei der Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, auf Zustimmung. Sie unterstütze den Vorstoß, sagte Schwaetzer, der in Weimar erscheinenden Mitteldeutschen Kirchenzeitung „Glaube+Heimat“.

Der Bundesgesetzgeber müsse aber zunächst ein Gesetz verabschieden, das die Ablösung regelt – so stehe es im Grundgesetz, betonte Schwaetzer. „Dann muss die Ablösung von den Landesregierungen und den Landeskirchen ausgehandelt werden“, sagte sie. Eine Ablösung zum Nulltarif könne es aber nicht geben. Das wäre weder rechtlich vertretbar, noch gerecht, da es sich um eine Mietzahlung des Staates für enteignetes Eigentum der Kirchen handele. „Die Kirchen müssen die Möglichkeit bekommen, Rücklagen zu bilden für die Zeit danach, wenn sie auf sich alleine gestellt sind“, forderte sie. Die FDP-Bundestagsfraktion hatte im Februar erneut verlangt, die Staatsleistungen an die beiden großen Kirchen zu beenden.

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Erstes künstliches Bakterium gebaut

© imago | Science Photo Library
Funktional, übersichtlich und harmlos: So sieht die DNA des ersten künstlichen Bakteriums aus. Ein Zürcher Forscherteam hat es entwickelt.

Deutschlandfunk Nova

Ein Team der ETH Zürich hat die DNA für eine neue, künstliche Bakterienart erschaffen. Allerdings ist das nun künstlich hergestellte Bakterium Caulobacter ethensis-2.0 noch kein fertiges Bakterium. Die Forschergruppe um den experimentellen Schweizer Systembiologen Beat Christen geht aber davon aus, dass tatsächlich richtige Bakterien aus der DNA hervorgehen können –kleinste lebende Organismen.

Caulobacter ethensis-2.0 lebt nicht, kann sich nicht reproduzieren. Im Ergebnis hat man nun zwar Bakterien-DNA, aber noch kein fertiges Lebewesen, keinen Organismus.

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Moraltheologe: Wenn es um Sex geht, muss Kirche Gläubige ernst nehmen

Bild: © Rido/Fotolia.com
Bischof Stefan Oster sieht kaum Bewegungsspielraum bei der kirchlichen Sexualmoral. Moraltheologe Jochen Sautermeister widerspricht: Die Kirche müsse ihre Sexuallehre reformieren – und sich dabei an den Überzeugungen ihrer Gläubigen orientieren.

katholisch.de

Der Bonner Moraltheologe Jochen Sautermeister fordert, dass die Kirche bei einer Reform der Sexuallehre die Erfahrungen der Gläubigen ernst nimmt. Es sei wichtig, anzuerkennen, „dass sich in ihren Erfahrungen von gelingender und erfüllter Sexualität, aber auch von krankmachenden, verletzenden oder demütigenden Praktiken moralisch relevante Erfahrungen äußern, die auch für eine religiöse Moral von Bedeutung sind“, sagte er dem Münchner Kirchenradio am Dienstag. Dazu könnten Erkenntnisse kirchlicher Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen sowie aus den Humanwissenschaften zur Sprache kommen.

Weiter verlangt Sautermeister eine selbstkritische Reflexion über Ängste, Zwänge und Verdrängungen, die durch die kirchliche Sexuallehre entstehen.

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Brunei hat einen steinreichen Sultan und führt drakonische Strafen nach Scharia ein – was ist das für ein Land?

Der Sultan von Brunei, Hassanal Bolkiah, regiert das Land seit 51 Jahren absolutistisch. (Bild: Ahim Rani / Reuters)
Brunei ist dank Öl und Gas reich. Davon profitiert der absolutistisch regierende Sultan wie das Volk. Doch der gesellschaftliche Sozialvertrag kommt unter Druck.

Patrick Zoll | Neue Zürcher Zeitung

Eine Fläche von der Grösse des Kantons Bern und eine Bevölkerung in der Grössenordnung der Stadt Zürich – kein Wunder, steht der Ministaat Brunei kaum je im Zentrum der globalen Aufmerksamkeit. Nicht einmal Wahlen rücken das südostasiatische Land ab und zu ins Rampenlicht. Denn Wahlen gibt es nicht. Brunei ist eine absolutistische Monarchie, seit 51 Jahren regiert Sultan Hassanal Bolkiah mit uneingeschränkter Macht. Formell hält er auch die Portfolios als Ministerpräsident, Verteidigungs- und Aussenminister, und er steht den drei Universitäten des Landes vor. Mit einem geschätzten Vermögen von 20 Milliarden Dollar gehört er zu den reichsten Männern der Welt.

Nun steht das Land in der globalen Kritik. Seit Mittwoch gelten unter dem neuen Strafrecht drakonische Strafen, etwa für Analsex (gemeint ist damit generell der Sex unter Männern) durch Steinigung oder die Amputation einer Hand für Diebstahl. Wie scharf das islamische Scharia-Recht umgesetzt wird, muss sich noch zeigen. So gab es die Todesstrafe schon bisher für verschiedene Straftatbestände, doch seit Jahrzehnten wurde sie nie mehr ausgeführt.

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Bedford-Strohm will nicht auf Kirchensteuer verzichten

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke fordert, über Alternativen zur Kirchensteuer nachzudenken. Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm teilt diese Ansicht nicht: Das Modell funktioniere – mit dem Geld wirke die Kirche „segensreich“.

katholisch.de

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht keinen Grund, die Kirchensteuer abzuschaffen. Die Kirchensteuer sei ein „gewachsenes Modell“, sagte er am Dienstagabend bei einer Veranstaltung der „Nürnberger Nachrichten“. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hatte vergangene Woche in einem Interview gefordert, über neue Möglichkeiten der Kirchenfinanzierung nachzudenken. Der Aufruf stieß auf ein geteiltes Echo.

Er „klebe“ zwar nicht an der Kirchensteuer, sagte Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist. Aber er sei gegen die „romantische Vorstellung“ von einer Kirche ohne Kirchensteuer und Staat.

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