Priorin Irene Gassmann über den Missbrauch von Ordensfrauen: „Die Männer haben die Macht über die Frauen – das ist das Problem“


Bild: © Kloster Fahr
Wie konnte es zum Missbrauch von Ordensfrauen kommen? Darüber spricht Irene Gassmann, Priorin des Schweizer Benediktinerinnenklosters Fahr, im Interview mit katholisch.de. Sie ist überzeugt: Um das bestehende Machtgefälle zu überwinden, müssen sich alle Glieder der Kirche an Grundlegendes erinnern.

Von Matthias Altmann | katholisch.de

Spätestens seit der Dokumentation „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ ist der systematische Missbrauch von Ordensfrauen ein Aufregerthema in Kirche und Gesellschaft. Auch hinter Klostermauern hat der Film für Entsetzen gesorgt: Wie konnte das passieren – und warum konnten die Fälle so lange totgeschwiegen werden? Damit hat sich Irene Gassmann, Priorin des Schweizer Benediktinerinnenklosters Fahr und prominente Stimme für die Sache der Frau in der Kirche, intensiv beschäftigt. Im katholisch.de-Interview spricht sie über kirchliche Machtverhältnisse, notwendige Rückbesinnungen – und verschiedene Formen des Missbrauchs.

Frage: Priorin Irene, „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ hat für Empörung und hitzige Debatten gesorgt. Was haben Sie gedacht, als Sie den Film gesehen haben?

Priorin Irene Gassmann: Ich war einfach sprachlos. Für mich ist besonders unverständlich, dass die Verantwortlichen das bis in die obersten Etagen des Vatikans vertuscht und nicht ernst genommen haben. Die Männer stützen sich gegenseitig, einer deckt den anderen. Das hat mich wirklich wütend gemacht. Betroffen gemacht hat mich auch, dass eine Oberin eine junge Schwester, die von einem Priester geschwängert wurde, zu einer Abtreibung nötigen wollte. Als ob es nicht schon genug wäre, dass sie vergewaltigt wurde.

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