Protestbrief gegen die Ausstellung „Contemporary Muslim Fashions”


Foto: Pixabay.com / Engin_Akyurt
Die Ausstellung „Contemporary Muslim Fashions” wird am 4. April 2019 im Museum für Angewandte Kunst eröffnet. Die Ausstellung in Frankfurt ist die erste Station in Europa.

Richard-Dawkins-Foundation

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Matthias Wagner K,

wir sind eine Gruppe unterschiedlicher Frauen und Männer mit und ohne Migrationserfahrung, mit Wurzeln in verschiedenen Teilen der Welt. Wir alle treten ein für eine offene Gesellschaft, in der Herkunft keine Rolle spielt. Wir treten nicht nur dafür ein, sondern wir leben das auch, z. T. aufgrund unseres eigenen oder familiären Migrationshintergrunds oder in bi-nationalen Partnerschaften. Eine offene Gesellschaft kann unseres Erachtens nur funktionieren, wenn das Verbindende und nicht das Trennende im Vordergrund steht. Das schließt Religionen aus, denn zumindest die monotheistischen Religionen erheben den Anspruch, jeweils den wahren Gott zu haben und den einzig wahren Glauben zu repräsentieren. Von daher sollte unserer Ansicht nach Religion Privatsache sein und im gesellschaftlichen Zusammenleben keine – schon gar nicht die wichtigste Rolle spielen. Was die Hinwendung zur Religion in letzter Konsequenz bedeutet, vor allem wenn sie zur Quelle staatlichen Handelns und des Rechts wird, haben einige von uns am eigenen Leib erfahren und mussten deshalb ihre Heimat, ihre Familien, ihre Liebsten, Freunde, Kolleginnen, schlicht alles, was ihnen wichtig war, verlassen. Eine offene Gesellschaft kann unseres Erachtens nur funktionieren, wenn Extremismus und totalitäre Ideologien konsequent bekämpft werden. Womit wir beim Thema „Contemporary Muslim Fashion“ wären. Was uns als „muslim“ verkauft wird, sind die Insignien des islamischen Fundamentalismus, die nicht nur MuslimInnen vom Rest der westlichen Gesellschaften trennen, sondern auch Musliminnen von Muslimen. Denn genau das ist der Sinn von Hijab, Niqab, Burka und Co: Die Frauen zu uniformieren, sie unsichtbar und unhörbar zu machen, sie aus der Männergesellschaft zu verbannen. Sie zu gesichts- und seelenlosen dienstbaren Geistern zu machen, die still und leise im Hintergrund wirken.

Deshalb protestieren wir gegen diese Ausstellung!

Nun werden Sie argumentieren: Aber diese Form der muslimischen Kleidung spielt in der Ausstellung doch eine untergeordnete Rolle. Stimmt. Anhand der Liste der Ausstellerinnen von San Francisco haben wir uns mit den Designerinnen beschäftigt und haben sehr schnell festgestellt: Die Ausstellung präsentiert keine muslimische Mode, sondern arabische, die zum größten Teil weniger, sogar überhaupt nicht, religiös, sondern kulturell geprägt ist. Mit dem Ausstellungstitel wird diese kulturell bedingte Mode kurzerhand islamisiert. Eine der Designerinnen beispielsweise widmet ihre Kollektion den Nomadinnen, die die Zelte für ihre Gemeinschaft weben. Um dieser schweren Handarbeit und dem handwerklichen Können Respekt zu zollen, hat sie ihre Kleider der Machart dieser Zelte nachempfunden. Diese künstlerische Hommage an die Weberinnen hat aber nichts mit deren Glauben zu tun, sondern mit der Kultur und den knallharten Lebensbedingungen. Die Nomadinnen werden allein schon witterungsbedingt Kopfschutz tragen, aber die Kollektion ist definitiv nicht „muslim“. Eine andere Designerin entwirft junge, praktische Mode, die ein durchaus modisch bewusstes junges westliches Publikum völlig unabhängig von religiöser Identität anspricht. Der Stil ließe sich als bequem beschreiben und hat ebenfalls nichts mit “ muslim“ fashion zu tun. Unter diese Arbeiten dann Sport-Hijab, Burka, Abaya etc. zu mischen, ist raffiniert: Völlig selbstverständlich wird der Fundamentalismus in unseren Alltag integriert und wir werden so Stück für Stück daran gewöhnt. So wird die Unterwerfung der Frauen – zunächst der muslimischen – Schritt für Schritt zur Normalität in Europa, auch in Deutschland. Und unserer Kritik soll so der Wind aus den Segeln genommen werden.

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