Wieder Augenwischerei zur Genetik der Depression


Depressionen können ein Leben vernichten, sind aber entgegen der Meinung mancher Forscher vor allem psychosozial bedingt. (Foto: RyanMcGuire, Pixabay-Lizenz)
Münchner MPI für Psychiatrie fällt erneut mit unseriöser Pressemitteilung auf

Von Stephan Schleim | Menschenbilder Blog

Wir haben uns hier bereits mehrmals mit den Ursachen psychischer Störungen und vor allem von Depressionen beschäftigt. Anlass war eine Initiative der Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter Leitung Professor Ulrich Hegerls, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Leipzig, die uns dazu aufrief, die biologische Forschung zu psychischen Störungen ernster zu nehmen.

Die Stiftung hatte damals über ein Meinungsforschungsinstitut herausfinden lassen, für wie relevant die Allgemeinbevölkerung biologische gegenüber psychosozialen Ursachen hielt. Ergebnis: Für 65% waren die biologischen, für 91% die psychosozialen Faktoren von Bedeutung (Was sind Ursachen von Depressionen?).

Ich argumentierte gegen die Initiative der Stiftung, dass die Allgemeinbevölkerung dem Trend nach genau richtig liege, denn immerhin ist es ja Stand der psychiatrischen Forschung, dass die gefundenen genetischen Risiken minimal sind. Sie sind allenfalls für die Forscher interessant, die damit Studie um Studie publizieren können, für ihre Lebensläufe und ihre Forschungsmittel, bleiben aber allesamt bedeutungslos für die Praxis.

Nicht ohne Grund scheiterte ja das Großprojekt der amerikanischen Psychiater, die Diagnosen ihres DSM-5 von 2013 auf ein neurobiologisches Fundament zu stellen: Für keine der mehreren Hundert darin unterschiedenen psychischen Störungen ließ sich auch nur ein einziges biologisches Diagnosemerkmal anführen, obwohl man seit über 170 Jahren danach sucht.

Bedeutung schwerer Lebensereignisse

In einem Folgeartikel legte ich noch einmal nach, nachdem ich selbst ein paar Studien über Risikofaktoren psychischer Störungen gesichtet hatte. Die gefundenen Effekte für psychosoziale Faktoren – vor allem schwere und schwerste Lebensereignisse wie Todesfälle, erlebte Misshandlung, Verlust der Arbeit – waren um ein Vielfaches größer als die der genetischen Faktoren (Mehr über Ursachen von Depressionen).

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