Bluttest auf Down-Syndrom: Hat der Bundestag da was nicht mitgekriegt?


In Marseille wird einer Schwangeren Blut abgenommen, März 2018. © Betrand Langlois/AFP/Getty Images
Mamas Blut, Babys Gene: Im Mutterleib Behinderungen aufspüren – längst geht das für mehr als nur das Down-Syndrom. Debattiert wird aber, als sei die Medizin von gestern.

Eine Analyse von Ulrich Bahnsen | ZEIT ONLINE

Das Erbgut eines Babys im Mutterleib untersuchen? Dazu genügt oft das Blut der Schwangeren. So lässt sich gut neun Wochen nach der Zeugung anhand einer Blutprobe testen, ob das Ungeborene das Down-Syndrom hat. Am Donnerstag debattiert der Bundestag nochmals öffentlich die Frage, der ZEIT ONLINE einen Schwerpunkt gewidmet hat: Sollen Kassen den Bluttest auf Down-Syndrom zahlen?

Am Ende wird es wieder nur um das Down-Syndrom gehen, wenn der Bundestag debattiert. Die einen Abgeordneten werden die ausufernde Kontrolle des werdenden Lebens kritisieren, die anderen betonen, dass werdende Eltern ein Recht hätten, bestmöglich über die Gesundheit des ungeborenen Kindes Bescheid zu wissen. Aber immer wird dabei nur von Trisomie 21 die Rede sein, vom Down-Syndrom.

Die Pränataldiagnostik hat die ethische Debatte längst überholt

Nur: Während der Bundestag streitet, sind in Deutschland schon Tests auf dem Markt, die viel mehr können. Tests, die aus dem Blut der Mutter und dem Erbgut des Vaters zig, gar hunderte genetische und erbliche Krankheiten mit hoher Genauigkeit erkennen können. Bald könnten ein paar Milliliter mütterlichen Bluts reichen, um das gesamte Erbgut des Ungeborenen zu entschlüsseln. Was das zeigt? Die Pränataldiagnostik hat die ethische Debatte längst überholt.

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